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Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden · 02.02.2018

„Uns läuft schon wieder die Zeit weg“

Sindelfingen: Der Kulturausschuss will auch 2019 eine Biennale, beschließt dafür mehr Personal und diskutiert darüber, wie man das Kulturfestival noch besser organisieren kann

Über 11 000 Besucher bei 41 Veranstaltungen: Die Sindelfinger Biennale 2017 war ein Riesenerfolg. Darüber herrscht Einigkeit beim Rückblick auf die zweite Auflage des Kulturfestivals. Kaum verwunderlich, dass sich der Kulturausschuss für eine dritte Auflage 2019 ausspricht. Diskutiert wird aber über Zukunftsstrategien.

„Das war nicht nur ordentlich, sondern richtig gut“, sagt Christian Gangl zur Biennale 2017. Biennale-Schwergewicht war das Musical „Bühne der Träume“ in der Regie von Siegfried Barth, das in der Klosterseehalle bei zehn Aufführungen 3700 Besucher anzog, entsprechend einer Auslastung von 95 Prozent. Viele andere Biennale-Highlights, wie das Hexenverfolgungs-Stück von Dieter Hülle „denunziert, verfolgt, getötet“ in der Altstadt oder Monika Heber-Knoblochs Tanztheater in der alten Volksbank „zeit.punkt“ und „Junges Tanztheater“ kamen gar auf 100 Prozent Auslastung.

Seine Bewertung von „ordentlich“ erhöht Christian Gangl bewusst auf „richtig gut“. Denn nach der Rückschau der beiden Biennale-Projektleiter, Stadtmusikdirektor Markus Nau und Kulturamtsleiter Horst Zecha, erwähnt der Erste Bürgermeister kurz die „Startvoraussetzungen“ mit ihren „Diskussionen vor 2017“.

Zur Erinnerung: Die Biennale ging anders in die Planungsphase als für das Biennale-Format ursprünglich angedacht. Denn der Gemeinderat setzte nicht erneut den Biennale-Erfinder des ersten Kulturfestivals 2015, Frank Martin Widmaier, als künstlerischen Leiter ein. Planung und Verantwortung wurden für die zweite Auflage 2017 dem Projektleiter-Duo Zecha-Nau und einem mit Stadträten und sachkundigen Einwohnern besetzten Kuratorium übertragen. Die künstlerische Leitung entfiel.

So diskutiert der Ausschuss personelle Ausstattung, Organisationsstruktur und künftige Biennale-Strategie ausgiebig. Die Arbeitsbelastung zur heißen Biennale-Phase der Projektleiter Zecha und Nau, von Siegfried Barth, Astrid Paul und Fabian Krause vom Kulturamt, aber auch vom gleich in mehreren Rollen ehrenamtlich aktiven Ingo Sika wird nahezu durch die Bank als kaum zumutbar beschrieben. Ingo Sika, selbst sachkundiger Einwohner im Kulturausschuss, richtet den Appell an die Stadt: Visionen für die nächsten Jahre entwickeln, um die Belastung für Haupt- und Ehrenamtliche zu reduzieren.

Rolf Spiess mahnt an, dass genau wie vor zweieinhalb Jahren in der Planungsphase der Biennale 2017 nun schon wieder die Zeit wegzulaufen drohe. „Wir haben sechs Monate nicht verschlafen, aber beiseitegelegt“, warnt der Sachkundige vor Planungsverzug, der nun wieder anstehe. „Uns läuft wieder die Zeit davon“, stellt auch SPD-Stadtrat Axel Finkelnburg fest. Es wird eine 50-Prozent-Stelle bei Horst Zecha neu eingerichtet, weiter wird es innerhalb der Verwaltung Umschichtungen und Erhöhung der Stellenanteile geben, um das Team um die Projektleitung zu unterstützen, verkündet Christian Gangl.

Einer von Rolf Spiess geforderten, wohl mehr extern verstandenen Projektleitung tritt Horst Zecha entgegen: „Wir gehen davon aus, dass wir die Projektleitung im Haus haben. Wir sind der Meinung, mit den gedrehten Stellschrauben können wir die Biennale 2019 angehen.“

Zur Vorbereitung der Biennale wird wieder ein Kuratorium eingesetzt. Dafür gesetzt sind Maike Stahl, Kurt-Heinz Kuhbier, Marianne Buri, Bernd Schmalenbach, Ingrid Balzer, Dorothee Kadauke, Sabine Duffner, Axel Finkelnburg, Tobias Bacherle, Rolf Spiess, Andreas Knapp und Ingo Sika. Das Kuratorium kommt am 22. Februar zusammen, zwei Tage nach dem erwarteten Gemeinderatsbeschluss für eine Biennale 2019.

Für das kommende Kulturfestival ist klar: Es wird keinen Kuchenritt geben. Die Schulen hätten erklärt, dies könnten sie nur alle vier Jahre stemmen, sagt Horst Zecha.

Der Ausschuss liefert auch Ideen zur strategisch-konzeptionellen Ausrichtung der kommenden und weiterer Biennalen. Einen inhaltlichen roten Faden für 2019 bringt FDP-Stadtrat Andreas Knapp ins Spiel: 100 beziehungsweise 70 Jahre deutsche Demokratie, komplexes Märchen für Kinder unter zehn Jahren oder Frauen in Sindelfingen. Klaus Philippscheck schwebt eine Verknüpfung von Biennale und Stadtplanung vor, erinnert an die Internationale Bauausstellung IBA, die 2027 in Stuttgart steigt.

Ingo Sika schlägt eine Ausweitung der Planungsperspektive auf vier Jahre vor, um größere Projekte entwickeln und handhaben zu können. „Ein Jahr Produktionszeit macht alle fertig“, sagt er zu seinen Erfahrungen bei den Sindelfinger Musicals: „In den Rhythmen, in denen wir gerade arbeiten, ist es für das Team ziemlich tödlich.“

Das Musical „Bühne der Träume“ war mit zehn Aufführungen in der Klosterseehalle das organisatorische Schwergewicht der Sindelfinger Biennale 2017. Bild: Stampe/A