Nachrichten
Bilder
Videos
Abo-Service und Anzeigen
Themen und Portale

Job

Termine und Veranstaltungen
Über uns






Von unserem Redakteur Jürgen Wegner · 14.11.2017

Und nominiert ist ... Dr. Sven Eckardt

Schwimmen: Der Weltverband nimmt den querschnittsgelähmten Gärtringer auf die Liste, die in der Szene als der Freiwasser-Oskar gilt

„Ich bin stolz“, sagt Dr. Sven Eckardt. Und das jetzt aus einem weiteren Grund: Im September erzählte die SZ/BZ die bewegende Geschichte über den Gärtringer, der als erster behinderter Schwimmer den Bodensee bezwang. Jetzt hat ihn der Weltverband der Freiwasserschwimmer in der Kategorie „Performance of the Year“ nominiert.

Für Sportler, die ihr Glück im freien Wasser suchen und finden, ist das so etwas wie der Oskar der Freiwasserschwimmer. An die SZ/BZ schrieb er über Facebook: „Nochmals vielen Dank für euren langen Artikel. Ihr habt wohl auch andere erreicht und mein Herz sehr berührt.“

Die Geschichte mit dem Titel „Ohne Beine gegen den Strom“ handelte von einem Mann, der trotz Querschnittslähmung an Krücken läuft und der in 5,5 Stunden 11,5 Kilometer von Friedrichshafen nach Romanshorn schwamm. Bei schwierigen Bedingungen, Wind, Wellengang, meistens gegen den Strom und komplett ohne Beinschlag. Nahrung nahm er unter Wasser zu sich, weil er sich ohne Unterstützung der Beine nicht oben halten kann.

Wichtiger als die Frage, was uns behindert, ist die, wer uns behindert

Den Kampf gegen sich selbst, die Strecke und mit seinen Gedanken gewann er, „weil ich zeigen will, was trotz Behinderung möglich ist. Und ich will anderen Behinderten Mut machen.“ Außerdem sei die Aktion ein Weg, manchen dazu zu bringen, einmal nachzudenken. Was ist normal? Wer ist behindert? Dr. Sven Eckardt ist sich sicher: „Wichtiger als die Frage, was uns behindert, ist die, wer uns behindert. Die gesellschaftliche Behinderung ist schlimmer als die körperliche Einschränkung.“

Im illustren Kreis der 12 Nominierten steht er in Konkurrenz zu Sportlern aus Bangladesch und Indien, den USA oder Südafrika, aber auch zum 51-jährigen Bayern Christof Wandratsch, der seit Jahren zur Weltklasse im Freien Wasser gehört, als schnellster Deutscher bei der Durchquerung des Ärmelkanals gelistet ist, auf der Straße von Gibraltar Rekorde schrieb und im Eiswasser von Sieg zu Sieg schwimmt.

Damit ist klar, in welchem Feld sich der Gärtringer bei den Awards der World Open Water Swimming Association (WOWSA) bewegt. Geehrt werden Sportler, die den Geist des Freiwasserschwimmens am besten verkörpern, die das Gefühl von Abenteuer, Hartnäckigkeit und Ausdauer, für die das Freiwasserschwimmen steht, darstellen und einen positiven Einfluss auf die Welt des Freiwasserschwimmens in 2017 hatten. „Ich möchte nur nicht Letzter werden“, sagt er. Aber wer ihn kennt, weiß: Es darf auch ein bisschen mehr sein.

Info

Auf dailynews.openwaterswimming.com kann man sich im Internet anmelden und abstimmen. Auf der Homepage bodenseequerung.de gibt es jede Menge weitere Hintergründe.

Jürgen Wegner traf sich nach der Bodenseequerung mit Dr. Sven Eckardt, erzählte in der SZ/BZ seine Geschichte und meint: „Unglaublich, was der Mann leistet.“