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Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 06.12.2017

Todesangst auch im Gericht

Böblingen: 40-Jähriger droht und sticht mit einer Gartenschere zu / Alkohol und Adrenalin

Mit einer Gartenschere hat ein 39 Jahre alter Böblinger im Juni dieses Jahres in einer Tiefgarage auf dem Flugfeld auf einen 40-Jährigen eingestochen und diesem am Unterschenkel einen tiefen Schnitt zugefügt. Zuvor versuchte der Angeklagte, sein Opfer am Hals zu treffen.

Wegen gefährlicher Körperverletzung stand der 39-Jährige jetzt vor dem Böblinger Amtsgericht. Das 40 Jahre alte Opfer und seine 43 Jahre alte Ehefrau sind seit elf Jahren verheiratet, seit 23 Jahren sind sie ein Paar. Vor gut drei Jahren hatte die 43-Jährige eine Affäre mit dem 39 Jahre alten Angeklagten begonnen.

Im Juni des vergangenen Jahres hat der Ehemann beide in flagranti erwischt. Dabei kam es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen dem 40-Jährigen und dem 39-Jährigen. In einem zweiten Fall attackierten sie sich ebenso, damals klingelte der Angeklagte an der Tür des Ehepaares.

In den Tagen vor der Tat herrschte zwischen dem Angeklagten und der 43-Jährigen Funkstille. „Ich hatte mir Sorgen um sie gemacht, sie schrieb mir nicht mehr“, sagte der Angeklagte, „das kam mir komisch vor, ich wollte sie sehen.“ Daher habe er an dem Tattag auch viele Nachrichten an die 43-Jährige geschickt, deren Inhalt schien auf sie allerdings zunehmend bedrohlich zu wirken. Sie erzählte ihrem Mann davon. „Wir haben die Rollläden am Haus heruntergelassen“, sagte die 43-Jährige, die mit ihrem Mann in einem offenen Cabrio zum Einkaufen gefahren ist. „Mein Mann wollte an diesem Tag abends seinen 40. Geburtstag nachfeiern“, sagte die Frau.

Der Angeklagte ging währenddessen tatsächlich zum Haus der Eheleute. Er schlich um das Gebäude und ging schließlich in den Garten. Dort zerstörte er einige Gegenstände, unter anderem einen Plastikpool. Und dort fiel dem Angeklagten auch eine Gartenschere in die Hände. „Das war Zufall, ich hatte die Schere nicht mitgenommen“, sagte der Angeklagte, der vorgab, den Tag über einiges an Alkohol und Drogen konsumiert zu haben.

Wenige Meter von dem Haus entfernt kam ihm das Ehepaar entgegen. „Ich habe ihn gesehen und habe gemerkt, wie er sich umdrehte und losgerannt ist“, sagte der 40-Jährige, der sein Fahrzeug in eine Tiefgarage lenkte. Dem Angeklagten gelang es, beiden in die Tiefgarage zu folgen, ehe deren Tor sich wieder schloss. „Er war total aggressiv und voller Adrenalin“, diesen Eindruck hatte der 40-Jährige von dem Angeklagten. „Soll ich dich abstechen? Ich steche dich ab, ich bringe dich um.“ Das hat der Angeklagte laut dem 40-Jährigen geschrien, die 43-Jährige bestätigte das.

„Er hat mit der Gartenschere in Richtung meines Kopfes und meines Halses gefuchtelt. Ich habe mich zu meiner Frau in Richtung des Beifahrersitzes gelegt“, sagte der 40-Jährige. Er zog den linken Unterschenkel etwas hoch, just in diesem Moment stach der Angeklagte zu und verursachte eine etwa fünf Zentimeter tiefe und stark blutende Wunde am Unterschenkel des 40-Jährigen. Nach dem Stich verschwand der Angeklagte aus der Tiefgarage.

Wie sehr den 40-Jährigen diese wenige Sekunden mitgenommen haben, war in der Hauptverhandlung deutlich zu hören und zu sehen. Der 40-Jährige zitterte bei seiner Aussage, er weinte mehrfach und stockte wiederholt mit tränenerstickter Stimme bei seiner Vernehmung. „Ich hatte Angst, dass er mich absticht. Ich bin jetzt in psychotherapeutischer Behandlung. Ich habe Ängste und nachts Albträume. Ich schlafe schlecht und konnte nicht mehr arbeiten. Ich bin jetzt in der Wiedereingliederung. Ich habe furchtbare Angst davor, wenn er wieder aus dem Gefängnis kommt“, sagte der 40-Jährige, der teilweise schwer atmete.

„Der Geschädigte hat die Todesangst, die er verspürte, in die Hauptverhandlung transportiert“, sagte der Vorsitzende Richter Kömpf. Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu der Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten.