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Von unserem Mitarbeiter Thomas Volkmann · 09.02.2019

Taucherbrille und Kaktusschwert

Sindelfingen: Nadja Verena Marcin beschäftigt sich mit Frauenbildern / Live-Performance im Schauwerk

Vorbereitungen für „Ophelia“ im Schauwerk: Am Sonntag beginnt die Ausstellung von Nadja Verena Marcin mit einer Live-Performance. Bild: Volkmann

Am Sonntag ist im Schauwerk Badetag – für die Künstlerin Nadja Verena Marcin. Bei einer Live-Performance wird sie in einem weißen Kleid in einen gläsernen Kasten steigen und ein Gedicht zitieren – im Hintergrund eine Kulisse, die sich auf ein bekanntes Werk der Kunstgeschichte und eine von Shakespeare kreierte Figur bezieht. Nicht von ungefähr trägt die neue Ausstellung im Kunstmuseum deshalb den Titel „Ophelia“.

Mit gerade mal sieben Arbeiten bietet diese neue Kunstschau im Schauwerk zwar nur einen kleinen Ausschnitt aus der Produktion der 1982 in Würzburg geborenen und derzeit in New York lebenden Nadja Verena Marcin, die in ihnen enthaltenen Aussagen und Interpretationsmöglichkeiten lassen jedoch reichlich Raum für eine Auseinandersetzung mit aktuellen Themen unserer Zeit – allen voran die der Rolle der Frau, von Machtstrukturen oder Umweltaspekten. Die Inspiration für ihre Videoinstallationen und fotografischen Bilder schöpft sie aus Filmen, der Literatur, Werbung und Kunst, für deren Neuinszenierung schlüpft die Künstlerin immer wieder in unterschiedliche Rollen.

Das elfminütige Video „How to undress in front of your husband“ etwa stellt 1:1 einen gleichnamigen, in den 1930er Jahren in Hollywood gedrehten Kurzlehrfilm nach, der seinerzeit im Vorprogramm von Kinofilmen lief. Er zeigt zwei Frauen, von denen die eine das vorbildliche Weibchen ist, das weiß, wie es den Mann verführen soll, die andere das verrückte, undisziplinierte Gegenteil.

Großer Aufwand für ein Klicken

Ein paar Schritte weiter links blickt das Gesicht vom Marcin aus dem Kopf eines am Boden ausgebreiteten Tigerfells, auf dem der Fuß eines elegant mit einer schwarzen Hose und schwarzen Schuhen bekleideten Mannes in Jägerpose Triumph verrät. Die Vorlage hierzu entstammt einer Hosenreklame aus dem Jahr 1972.

Welcher Aufwand für ein kurzes Klicken der Fotokamera teilweise betrieben wird, zeigt sich an zwei in Bolivien entstandenen Fotografien. Für „Jedi“ wählte Marcin die Kulisse einer angeblich über magische Kräfte verfügenden Kultstätte von Inkas, an die zu gelangen allein schon ein Abenteuer gewesen sein soll.

Um ihr Vorhaben, sich als Jedi-Ritterin mit einem Kaktusschwert vor der heiligen Erde und Opferstätte fotografieren zu lassen, realisieren zu können, knüpfte sie ein halbes Jahr Kontakt zu einem Archäologen, um möglichst nahe an das für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Gelände zu gelangen. Für das Foto „Bride“ mit ihr im Brautkleid auf dem in 3650 Meter Höhe in einer Wüste liegenden Salzsee Salar de Uyuni musste erst die Regenzeit abgewartet werden, um den Spiegeleffekt und Einsatz roter, das Kleid von unten blutig tränkender Farbe möglich zu machen. „Viele bolivianische Frauen lassen sich hier im Hochzeitskleid wie unschuldige Engelsfiguren fotografieren, in der Realität herrscht in vielen Ehen aber Gewalt vor“, erläutert Marcin.

Mit ihrer Installation „Ophelia“ hat sich die an der Kunstakademie Münster und der Columbia University School of Arts ausgebildete Künstlerin einem der meistzitierten Werke der Kunstgeschichte angenommen, der Figur der Ophelia aus Shakespeares „Hamlet“ und wie 1851/52 Sir John Everett Millais sie malte. Ophelia liegt darauf von Blumen umgeben in einem Flussbett und ist am Sterben – was wiederum in unzähligen anderen Fotografien, Zeichnungen und Gemälden zitiert wird.

Für die Live-Performance am Sonntag steigt nun Nadja Verena Marcin mit Taucherbrille in einen gläsernen Sarg und wird dazu ein Gedicht des russischen Schriftstellers Daniil Charms, das sich mit der menschlichen Wahrnehmung beschäftigt, rezitieren. Die Aufnahme dieses einmaligen Tauchvorgangs wird dann als Videoskulptur zusammen mit den anderen Werken Marcins bis Ende Juni im Schauwerk zu sehen sein.

Info

„Ophelia – Videos und Fotografien“ von Nadja Verena Marcin von 10. Februar bis 30. Juni im Schauwerk Sindelfingen. Eröffnung der Ausstellung mit einer Performance der Künstlerin am Sonntag, 10. Februar, 11.30 Uhr. Mehr unter www.schauwerk-sindelfingen.de