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Von Rebekka Groß und Sandra Schumacher · 11.08.2018

Täglich Frisches aus dem Warenkorb

Serie „Frisch gekocht“: Familie Rohde aus Grafenau und Familie Schäfer aus Holzgerlingen kochen sechs Wochen lang mit Produkten aus der Region (Teil 1)

Heimisch, frisch und lecker: Unter diesem Motto steht das Projekt „Frisch gekocht“ der VHS Böblingen-Sindelfingen. Was man aus regionalen Produkten zaubern kann, zeigen die Schäfers aus Holzgerlingen und die Rohdes aus Grafenau.

Frisch kochen gehört für die Grafenauer zum Alltag. Sie sind eine der zwei Familien, die den VHS-Wettbewerb „Frisch gekocht“ gewonnen haben und nun sechs Wochen lang regionale Warenkörbe erhalten. Weil der 48-jährige Roman Rohde als Informatiker voll berufstätig ist, steht Mutter Simone unter der Woche hinter dem Herd. Von Spaghetti mit Tomatensoße, wenn es schnell gehen muss, über selbst gemachte Lasagne bis zu orientalischen Gerichten mit vielen Gewürzen probiert die Familie oft Neues aus.

Simone Rohde hatte den Wettbewerb zufällig auf der Homepage der Volkshochschule entdeckt und sich spontan mit einem Rezept für Polenta-Schnitten mit Salat beworben, die sollte es nämlich am nächsten Tag geben. „Wir waren sehr überrascht und haben uns total gefreut, dass wir gewonnen haben“, sagt die 43-Jährige.

Am Wochenende oder in den Ferien verbringt die Familie gerne Zeit beim gemeinsamen Kochen. Auch die Töchter Leah (14) und Mara (12), die beide die Gemeinschaftsschule in Döffingen besuchen, haben sich schon an das eine oder andere Gericht alleine herangewagt. „Es ist uns wichtig, gemeinsam mit den Kindern zu kochen und ihnen das Bewusstsein dafür mitzugeben“, sagt Simone Rohde.

Im heimischen Garten wachsen Tomaten, Salat, Gurken, Zucchini und Kürbisse. Die anderen Lebensmittel kauft Simone Rohde, die halbtags arbeitet, überwiegend auf dem Wochenmarkt in Sindelfingen oder im Bioladen in Maichingen ein.

Keine Fertigprodukte

„Wir achten schon darauf, dass wir einen großen Teil unserer Lebensmittel regional einkaufen. Gerade beim Fleisch ist es wichtig für uns zu wissen, woher es kommt“, sagt sie. Fertigprodukte gibt es bei ihnen so gut wie gar nicht, da Vater Roman eine Kuh-milcheiweiß-Allergie hat. „Das ist oft versteckt in vielen fertigen Produkten enthalten, daher kochen wir lieber selbst“, sagt Roman Rohde.

Auf das Koch-Experiment über die nächsten Wochen freut sich die vierköpfige Familie. „Sonst überlege ich mir erst was ich kochen will und kaufe dann dafür ein. Ich finde es total spannend, dass es nun andersrum ist“, sagt die zweifache Mutter.

Vom ersten Warenkorb, den sie bei der Preisübergabe erhalten haben, ist die Familie begeistert. Von Kaffee aus Herrenberg über Saft von Streuobstwiesen bis zu Heckengäu Linsen und regionalem Essig ist alles dabei. „Da hätte ich schon ein paar Ideen, was man daraus machen kann“, sagt Simone Rohde.

Auch bei der Familie Schäfer aus Holzgerlingen ist die Freude über den ersten Warenkorb groß. Schon beim ersten Blick in die Holzkiste mit dem schmackhaften Inhalt – bestehend aus regionalen Produkten sowie einer Grundausstattung wie beispielsweise Nudeln oder Brot – sprudeln bei Mama Claudia die ersten Ideen für die eine oder andere Köstlichkeit. „Bei dem Reis und den Eiern fällt mir gleich ein chinesisches Gericht ein, das meine Töchter total lieben“, sagt sie. „Ich bin zwar kein Profi, aber ich liebe es einfach zu kochen.“

Ob chinesisch, italienisch oder deutsch – in der Küche der 51-Jährigen geht es international zu. Die einzige Voraussetzung: Frisch muss es sein. „Ich koche nichts, was aus Tüten oder Dosen kommt. Das hat immer so einen künstlichen Geschmack, den wir alle nicht mögen.“ Wir – das sind neben ihr selbst Ehemann Michael (48 Jahre) und die beiden Töchter Annika (12) und Nina (8).

Die Mutter schwingt den Kochlöffel

Auch wenn die Mädchen ihrer Mutter hin und wieder assistieren, schwingt hauptsächlich Claudia Schäfer den Kochlöffel. Am liebsten bereitet die gebürtige Peruanerin Gerichte aus ihrem Herkunftsland zu, in dem sie als Tochter einer Einheimischen und eines Schweizers aufgewachsen ist. „Peruanisch liegt momentan voll im Trend, und ich bin stolz, dass ich jetzt mal zeigen kann, was man dort alles isst“, sagt sie.

Die Idee, bei dem VHS-Projekt mitzumachen, stammte allerdings nicht von ihr selbst: „Eine Freundin, die uns häufig besucht und sich immer freut, wenn ich koche, hat mich darauf hingewiesen.“ Beworben hat sich Claudia Schäfer mit einem Auflaufgericht namens Causa. Zubereitet wird es aus kaltem Kartoffelbrei mit Öl, Zitronensaft und Chili sowie Hühnerfleisch oder Schrimps, Zwiebeln, Mayonnaise und Avocado. „Je nachdem welche Zutaten man verwendet, kann es entweder als Vor- oder Hauptspeise verwendet werden“, erklärt die Hausfrau. Dazu serviert die gelernte Fremdsprachen-Sekretärin gerne einen typisch peruanischen Cocktail.

Claudia Schäfer freut sich schon auf die vor ihr liegende Herausforderung. Und auch wenn die Lebensmittel, die sie in dieser Zeit von der Integrationsfirma Femos geliefert bekommt, hauptsächlich schwäbische Regional-Produkte sind, wird doch das eine oder andere exotische Gericht auf den Tellern landen. Nur reine Fisch-Gerichte sind bei Familie Schäfer tabu, da Töchterchen Nina eine starke Allergie hat.

Info

Frisch Kochen mit regionalen Produkten ist gesund und macht Spaß. Bei der Serie „Frisch gekocht“ dreht sich alles um regionale Lebensmittel und kreative Rezepte. Dabei bekommen Familie Rohde aus Grafenau und Familie Schäfer aus Holzgerlingen über einen Zeitraum von sechs Wochen einen regionalen Warenkorb geliefert und zeigen, was sie daraus machen. Zu lesen immer mittwochs und samstags in der SZ/BZ. Die SZ/BZ will in Kooperation mit der Volkshochschule Böblingen-Sindelfingen Lust aufs Kochen machen und zeigen, wie viel kulinarische Vielfalt in der Region steckt. Doch damit nicht genug in Sachen Ernährung. Am 18. August beginnt im Sportteil die Serie „Ernährungsmythen auf der Spur“. Hier entzaubert oder bestätigt Experte Andreas Hagedorn 10 Wochen lang immer dienstags einen Mythos, freitags gibt es dann jeweils ein gesundes Rezept zum Thema.