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Thomas Oberdorfer · 17.09.2019

Swen Blümer zeigt seine letzte Zielflagge

Motocross: Der Holzgerlinger hate seine Rennleiter-Karriere bei der KFV Kalteneck am vergangenen Wochenende beendet

Noch etwa zwei Minuten sind im letzten Rennen der ADAC MX Masters zu absolvieren. Swen Blümer gibt seine blaue Flagge ab, macht sich auf den Weg zum Zielsprung, übernimmt die schwarz-weiß karierte Zielflagge. „Mein letztes Rennen winke ich selbst ab“, sagt Swen Blümer am Samstag, dem vorletzten Tag, an dem er seine Funktion als Rennleiter auf dem Holzgerlinger Schützenbühlring ausübt. Am Sonntag ist es dann soweit, und als der neue Titelträger Dennis Ullrich zum Zielsprung kommt, verneigt sich Blümer vor dem 26-Jährigen.

„Ich bin nie Motocross gefahren und hatte damit eigentlich nichts zu tun. Ich war als Kind mit meinen Eltern mal an der Strecke, mehr aber auch nicht“, sagt Blümer. Mitte der 80er Jahre sollte sich das aber ändern. Der KFV Kalteneck, Veranstalter der Rennen auf der etwa 1800 Meter langen Piste, suchte Streckenposten. „Mich hat mein Kumpel Uwe Lauxmann angesprochen, ob ich Lust dazu hätte“, sagt der 54 Jahre alte Blümer. Er hatte Lust, er machte mit, und seither ist er mit dem KFV Kalteneck und dem Motocross sehr eng verbunden.


„Mir hat damals die Kameradschaft im Verein unheimlich gefallen. Das war klasse, wir Jungen wurden von den Erfahrenen sehr gut behandelt und aufgenommen, da wurden keine Unterschiede gemacht“, sagt Blümer, der rasch zum Streckenposten-Obmann aufstieg und der 1991 gemeinsam mit Uwe Lauxmann die Rennleiter-Lizenz absolvierte. „Er hatte mich damals gefragt, ob ich mitmache. Ich habe halt zugesagt“, sagt Blümer. Diese Lizenz verfiel aber. Blümer hätte 1994 eine Fortbildung absolvieren müssen, hatte dafür aber keine Zeit, er heiratete, geschäftlich war der Metallbaumeister stark eingebunden. Dem Verein blieb er allerdings weiterhin erhalten.


Im Jahr 2004 trat Blümer eine Zeitlang beruflich kürzer, baute Überstunden ab und baute. „Ich habe zu meiner Frau gesagt, wenn ich jetzt die Lizenz nicht nochmal mache, dann mache ich sie nicht mehr“, erzählt der Holzgerlinger, der seit vielen Jahren in Ammerbuch lebt. Ohne eine Information an den Verein zu geben, meldete sich Blümer zum Lehrgang in Berlin an, bezahlte ihn aus eigener Tasche. Bei der Jahreshauptversammlung 2005 hatte Rainer Schmid, er war damals Rennleiter, das Thema Blümer und Lizenz nochmals angesprochen. „Rainer, ich gehe auf keinen Lehrgang mehr, ich habe die Lizenz“, antwortete Blümer zur Verblüffung der Vereinsmitglieder und des Vorstands. Blümer sammelte Erfahrungen in verschiedenen Läufen, komplett verantwortlich für ein Rennen war er 2007. Im MX Masters wurden damals zwei Klassen gefahren, zudem gab es einen Seitenwagen-Veteranencup. „Ich war schon nervös vor diesem Rennen. Ich wusste aber, dass ich mit Rainer Schmid und auch Uwe Lauxmann viel Kompetenz hinter mir habe“, sagt Blümer. Überhaupt hat Blümer von Schmid sehr viel gelernt durch einen intensiven Austausch, Blümer nahm Tipps gerne an und schaute sich Tricks gerne ab. Blümer war in seiner Funktion als Rennleiter auch als Sportkommissar bei anderen Veranstaltungen tätig. „Rainer sagte mir vor diesem Einsatz, dass er den gesamten Tag am Telefon wäre und ich ihn jederzeit erreichen könne. Ich habe das Angebot auch tatsächlich nutzen müssen, als ich mir in einer Situation nicht ganz sicher war. Nach zwei Minuten am Telefon war die Sache geklärt“, schildert Blümer, der 2007 schließlich die Rennleiter-Funktion beim KFV von Schmid übernahm.


„So eine Veranstaltung ist ein Höllenritt“, sagt Blümer über das MX Masters. Am Donnerstag vor dem Rennen hatte er im Vereinsheim Ludlenbad Quartier bezogen, auf einem Feldbett geschlafen, beim Aufbau geholfen, sich um seine Aufgaben gekümmert. Der Rennleiter ist zuständig für die regelgerechte Abwicklung der Läufe, für das korrekte Verhalten der Fahrer und der Zuschauer, für das Streckenpersonal. Er muss sich um Genehmigungen kümmern, Fortbildungen innerhalb des Vereins organisieren. „Acht bis zehn Tage Urlaub jährlich kostet der Job“, sagt Blümer.


Im vergangenen Jahr hat sich Swen Blümer verstärkt in die gesamte Organisation des MX Masters eingebracht, er übernahm kommissarisch die Funktion des stellvertretenden Vorstands, seit der vergangenen Hauptverhandlung des Vereins ist er das offiziell, als weiterer Stellvertreter steht ihm Uwe Lauxmann zur Seite. Vorstand ist Robert Maurer, der Blümer als „gutmütig und loyal“ beschreibt, als jemanden, „der eine klare Linie hat und der gerne Entscheidungen trifft.“