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Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden · 11.09.2018

Startschuss für schnelle Rad-Ader

Böblingen: Baubeginn für Radschnellweg auf Pflasterstrecke der Römerstraße / Minister Hermann kritisiert Kritiker

Stuttgarts Bürgermeister für Städtebau und Umwelt Peter Pätzold, ADFC-Vorstand der Ortsgruppe Böblingen Roland Schmitt, OB Dr. Stefan Belz, OB Dr. Bernd Vöhringer, Verkehrsminister Winfried Hermann, Landrat Roland Bernhard, Dr. Bernd Murschel, Landtagsabgeordneter der Grünen und Vize-Landtagspräsidentin Sabine Kurtz (CDU) beim Radweg-Banner-Halten zum Baubeginn des Radschnellweges. Bild: Heiden

Im Beisein von Verkehrsminister Winfried gab’s einen symbolischen Spatenstich für ein Pilotprojekt: Auf dem bislang gepflasterten Abschnitt der Römerstraße soll ein Abschnitt des ersten Radschnellwegs der Region entstehen. „Weg vom Auto, hin zum Fahrrad, das ist heute die Botschaft!“, sagt Landrat Roland Bernhard bei der offiziell den Baubeginn markierenden Veranstaltung.

Die durch ministerielle Präsenz aufgewertete Aktion gilt nur einem 7,7 Kilometer langen Bauabschnitt des Radschnellweges. Dieser denkmalgeschützte, bislang gepflasterte Bereich der Römerstraße beginnt knapp ein Kilometer nach dem Böblinger AWO-Waldheim und mündet in Stuttgart auf die Rohrer Höhe des Stadtteils Rohr, des Nachbarstadtteils von Vaihingen.

Kernprojekt des Radschnellweges ist die Asphaltierung des Pflasters. Für Radfahrer sei kaum etwas störender als Pflaster, sagt Winfried Hermann eine vermeintliche Binsenweisheit. Aber er merkt an, dass sich für den Erhalt des Pflasters eine Bürgerinitiative formiert habe. Wofür der Grüne kaum Verständnis aufbringt. „Man könnte auch sagen Nazi-Panzerpflaster“, erinnert er daran, dass dieses Pflaster erst Mitte der 1930er Jahre entstand.

80 Meter bleiben offen

Dennoch ist mit dem Landesdenkmalschutz abgesprochen, ein 80 Meter langes Pflasterstück offen zu lassen.

Hermann geht auch auf andere Kritikpunkte ein. „Hurra! Wir bekommen für 3 Millionen Euro eine isolierte Radautobahn im Wald – ohne Anschluss nach Böblingen, Sindelfingen und nach Stuttgart“, wird neben Hermann ein Schild gehalten. „Wir sind nicht so blöd und machen nur das eine, sie können ihr Schild wegpacken!“, wendet sich der Minister spontan an den Protestler. Zuvor hatte Hermann ausführlich erläutert, dies sei nur das Pilotprojekt, das Land plane einen umfangreichen Ausbau des gesamten Radwegenetzes. „Wir fördern nicht nur einen einzelnen Weg“, so Hermann. Und zum ebenfalls plakativ vertretenen Kritikpunkt fehlender Bürgerbeteiligung sagt er: „Nicht jeder, der ein Schild aufstellt, ist schon das Volk!“. Nicht zuletzt verwirft er die von Kritikern aufgebrachte Alternative eines Radschnellweges auf der Trasse der alten B 14. Denn auf der werde für die nächsten zehn Jahre der Autoverkehr zunehmen im Zuge des Ausbaus der A 81 und der Modifizierung ihrer Knoten.

Für das Projekt Radschnellwege hatte das Land eine Potenzialanalyse möglicher Trassen erstellt, erklärt Hermann. Davon seien letztlich 30 Destinationen übrig geblieben. Hier sei das Besondere, dass mit der Römerstraße bereits eine Trasse mit wenigen Kreuzungen und ausreichender Breite von mehr als 4 Meter vorhanden sei, die eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde für Radfahrer möglich mache und so die Anlage eines Schnellwegs ermögliche ohne aufwendiges Planfeststellungsverfahren.

Landrat Bernhard erinnert daran, dass die Geburtsstunde des Projekts vor 3 Jahren auf Anregung der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen erfolgte, die ein Forum anregte, bei dem der Berufsradverkehr verbessert werden sollte. So stand der Kreis bereit mit seinem bereits angestoßenen Konzept, das auch die Radverkehrsachse Stuttgart-Böblingen-Herrenberg verbessern soll, als das Land auf der Suche nach einem Piloten für einen Radschnellweg war.

Kosten: 2,9 Millionen

Somit ist der Radschnellweg ein Projekt des Kreises in Kooperation mit Böblingen und Sindelfingen und Unterstützung des Landes. Die Kosten für den Bau des 7,7 Kilometer langen Radschnellweg-Abschnitts mit abgegrenztem Gehweg beziffert Bernhard auf 2,9 Millionen. Davon entfallen auf Beleuchtung, die durch Bewegungssensoren aktiviert wird 800 000 Euro, die das Land finanziert. Die Restsumme von 2,1 Millionen teilen sich je zur Hälfte Kreis und Land.

Nach Sindelfingen soll der Radschnellweg Anschluss über das Musberger Sträßle erhalten und am Schützenhaus und Mönchsbrunnen vorbei um den Goldbachsee herum Richtung Schwert-/Mahdentalstraße führen. „Die Anbindung des Radschnellweges ist nicht einfach“, gibt Sindelfingens OB Dr. Bernd Vöhringer zu. Aber man brauche dringend einen Mobilitätsmix und dazu gehöre der Radweg. Für Sindelfingen sei letztlich wichtig, dass die großen Gewerbetriebe Anschluss an den Radschnellweg erhielten.

„Wichtiger Bestandteil“

„Der Radschnellweg ist wichtiger Bestandteil von nachhaltiger Verkehrsinfrastruktur“, sagt Böblingens OB Dr. Stefan Belz. Die Schnellverbindung sei die Schnittstelle nach Stuttgart. Und er empfiehlt, nach und von Stuttgart pendelnden Autofahrern bereits jetzt über einen Umstieg aufs Rad nachzudenken. „Das Autofahren wird kein leichtes sein in den nächsten Jahren“, sagt er im Hinblick auf den A 81 Aus- und Umbau.

Die Eröffnung des asphaltierten Radschnellwege-Abschnitts Römerstraße ist für das Frühjahr 2019 geplant.