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Pia Rothacker · 17.04.2015

Städte sollen barrierefrei werden

Sindelfingen: Experten diskutieren beim ÖPNV-Tag des WBO in der Stadthalle über Barrierefreiheit im öffentlichen Personennahverkehr / Eine Arbeitsgruppe soll Abhilfe schaffen

Eine Arbeitsgruppe beschäftigt sich seit August 2014 mit dem Thema Barrierefreiheit in Sindelfingen. Wie schwierig es sein kann, in einem elektrischen Rollstuhl die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, weiß der Sindelfinger Wolfgang Pfeifer nur zu gut. Bild: Rothacker

Voll

ständige Barrierefreiheit bis zum 1. Januar 2022 – so schreibt es das Gesetz vor. Beim ÖPNV-Tag des Verbandes Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO) in der Sindelfinger Stadthalle wurde das Thema heiß diskutiert. Auch die Stadt Sindelfingen, das Busunternehmen Pflieger und der VVS arbeiten an Lösungen zur Barrierefreiheit.

Fast sein ganzes Leben sitzt Willi Rudolf im Rollstuhl. Dieser Umstand hält ihn nicht davon ab, regelmäßig öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. „Ich verstehe mich in aller erster Linie als ganz normaler Fahrgast, und nicht als Behinderter“, sagt der 70-jährige Vorsitzende des Landesverbands Selbsthilfe Körperbehinderter Baden-Württemberg. Barrierefreiheit bei Bus und Bahn sei schon länger ein Thema. Die Vorgaben im Personenbeförderungsgesetz, die vollständige Barrierefreiheit bis Anfang 2022 vorschreiben, drängen das Thema auch beim ÖPNV-Tag des WBO in den Vordergrund.
Arbeitsgruppe für Barrierefreiheit
Im Jahr 2009 wurden 9,6 Millionen Deutsche als behindert eingestuft, 7,1 Millionen davon als schwer behindert. Dazu kommt, dass der Anteil der 65- bis 80-Jährigen bis 2060 von 15 Prozent auf 20 Prozent steigen wird. Die Aufgabe besteht laut Moderator Professor Dr. Frank Fichert künftig darin, dass sowohl die Fahrzeuge als auch die Haltestellen für behinderte Menschen bestmöglich zugänglich gemacht werden müssen.
Eine Arbeitsgruppe der Stadt Stadt Sindelfingen beschäftigt sich mit dem Thema Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, wozu auch die Zugänge zu Bus- und S-Bahn-Haltestellen zählen. „Wir reden dazu mit Betroffenen, die aus ihrer Sicht schildern, wo es Probleme gibt“, sagt der Gruppenleiter Walter Kremp vom Tiefbauamt. Betroffen sind nicht nur Behinderte, sondern auch sogenannte sensorisch eingeschränkten Menschen, also Blinde oder Taube. Viele Umbauten habe es in Sindelfingen bereits gegeben, und bei jedem künftigen Umbau wird automatisch die Barrierefreiheit berücksichtigt.
Am Sindelfinger Busbahnhof (ZOB) wurden die Bordsteine erhöht, um mobil eingeschränkten Menschen den Einstieg in den Bus zu erleichtern. Weiße, geriffelte Markierungen am Boden weisen sehbehinderten Menschen den Weg zu den Bahnsteigen. Zusätzlich sind Orientierungshilfen angebracht, die zeigen: Genau hier hält der Bus im Idealfall. Die hoch frequentierte Route vom Sindelfinger Marktplatz zum Bahnhof ist ein weiteres Beispiel. Für Rollstuhlfahrer wurden in der Stadt die teilweise sehr hohen Bordsteine abgesenkt und Rillen im Boden sollen sehbehinderten Menschen direkt zum Bahnsteig führen. Sogenannte Aufmerksamkeitsfelder am Boden zeigen ihnen auch an, wenn Vorsicht geboten ist. Die Kosten für die Maßnahmen zur Barrierefreiheit trägt die Stadt Sindelfingen.
Was die vollständige Barrierefreiheit in Baden-Württemberg letztlich kosten wird, kann die Dezernentin des Städtetags Baden-Württemberg, Dr. Susanne Nusser, bislang nicht genau sagen. „Das Bundesland Nordrhein-Westfalen hat für sich eine Kostenschätzung gemacht und geht von rund fünf Milliarden Euro aus. Einen ähnlichen Betrag könnte man auch für Baden-Württemberg erwarten“, sagt Nusser. Klar sei, dass die Kommunen diese Summen nicht alleine stemmen können und das Land und der Bund ebenfalls seinen Verantwortungen gerecht werden müssen.

(Der komplette Artikel steht am Samstag in der SZ/BZ.)