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Von unserem Redakteur Tim Schweiker · 10.02.2018

Spannender Blick hinter die Mallorca-Kulisse

Sindelfingen: Andreas Heßelmann legt mit „Keine Zeugen“ seinen zweiten Mallorca-Krimi vor und zeigt dem Leser einmal mehr die verborgenen Seiten des Urlaubsparadieses

Mord im Urlaubsparadies Mallorca? Klingt nach flacher Ferienlektüre. Aber nicht, wenn Andreas Heßelmann der Autor ist. Der Sindelfinger Buchhändler und Autor hat mit „Keine Zeugen“ seinen zweiten Mallorca-Krimi vorgelegt. Und was für einen.

Ein mysteriöser Todesfall, Immobilienspekulation, halbseidene Videos mit ahnungslosen Touristinnen, Drogengeschäfte, die Geschichte Mallorcas, Pubertätsprobleme und eine Liebesbeziehung zwischen zwei jungen Frauen: Andreas Heßelmann packt jede Menge Stoff in „Keine Zeugen“. Doch Heßelmann schafft es, die Fäden in der Hand zu behalten und die Spannung bis zum Schluss hoch zu halten.

Auch in „Keine Zeugen“ geht es Heßelmann um mehr als die Suche nach dem Mörder. Mallorca ist für ihn nicht nur eine austauschbare Kulisse. Heßelmann schaut hinter die Bühne des Postkarten-Mallorcas. Das schafft er nicht nur durch einen gelungenen Plot, sondern vor allem durch glaubwürdige Figuren. Allen voran der liebenswerte, keineswegs perfekte, aber stets Gerechtigkeit suchende Inspector Sanchez Olivero. Eine Ermittlerfigur, mit der man als Leser gerne seine Abende verbringt, mit der man mitleidet, mitfiebert und mitliebt. Und dann ist da noch ein Schluss, der sich gewaschen hat: Auf einem verlassenen Gehöft kommt es in „Keine Zeugen“ zum finalen Showdown in bester Thriller-Manier.

Die SZ/BZ hat sich mit Andreas Heßelmann, der in Aidlingen zu Hause ist und als Buchhändler bei der Sindelfinger Buchhandlung Röhm arbeitet, über seinen neuen Krimi und über das Schreiben unterhalten.

Nach „Keine Rückkehr“ nun „Keine Zeugen“: Mallorca scheint ja mächtig Kopfkino in Ihnen auszulösen. Was hat Sie zum zweiten Band inspiriert?

Andreas Heßelmann: „Es ist nach wie vor das Thema, das in „Keine Rückkehr“ die Hauptrolle spielt. Dazu ein Zitat aus dem Buch: ‚Und doch landen solche Fälle früher oder später wieder bei uns auf dem Tisch. Die Kundschaft dafür geht einfach nicht aus. Die Nachfrage wird immer perfider und die Angebotsseite passt sich an. Vielleicht ist es auch umgekehrt, seufzte Inés. Könnte sein, es geht ja dabei um viel Geld. Mein Gott, die armen Mädchen.‘ Und von vornherein waren die Mallorca-Krimis als Trilogie gedacht. Nun also Teil zwei, der eigentlich direkt an „Keine Rückkehr“ anschließt.

Wenn ich schreibe, begleiten mich die Figuren

Mallorca ist in Ihren Krimis mehr als nur Kulisse. Die Insel ist unmittelbar wichtig für die Handlung. Wie kommt das?

Andres Heßelmann: „Meine Frau und ich gehen ja nicht nur mit Urlaubsaugen auf die Insel. Nach fast zwei Jahren, wenn wir all die Wochen zusammenzählen, hat man erstens viel mehr Kontakt zu den Menschen gewonnen und sieht dann auch manches Problem vor Ort. So etwas muss, denke ich, auch in einem authentischen Buch, das dort spielt, zu finden sein.“

Inspector Sanchez Olivero und seine Freundin Inés haben es nicht leicht miteinander. Inés’ Sohn Diego ist vermeintlich in den Fall verwickelt. Wie kam Diego in die Geschichte?

Andreas Heßelmann: „Wenn ich schreibe, begleiten mich meine Hauptpersonen dabei, als säßen sie neben mir. Irgendwann hat Diego mir die Frage gestellt, die er dem Inspector im Buch gestellt hat: ‚Ey, Miguel, könntest du mir mal deine Wohnung leihen?‘ Ich musste über diesen ungewöhnlichen Wunsch lachen, aber von dem Moment an nahm das Schicksal seinen Lauf.“

Wie behalten Sie beim Schreiben die Fäden der einzelnen Handlungsstränge in der Hand?

Andreas Heßelmann: „Die Gefahr besteht natürlich, aber ich hatte das – zweifelhafte– Glück, einen echten Fall im Hintergrund zu haben, über den ich in der Zeitung gelesen hatte. Und ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Antonio Corzar kennengelernt, einen inzwischen ehemaligen Inspector. Der hat mir geholfen, den Fall zusammenzuhalten.“

Der Krimi hat einen sehr starken Showdown auf einem halb verfallenen Bauernhof. Wie kam es zu dieser Szene?

Andreas Heßelmann: „Diesen Hof hatten wir auf einer unserer Wanderungen entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt war ‚Keine Zeugen‘ schon sehr weit gediehen. Bei einer Rast habe ich mir den Hof mit Fernglas etwas näher angeschaut. Dann flogen die Fetzen. In meiner Fantasie.“

Das schönste am Schreiben ist für mich ...

Andreas Heßelmann: „... das Gefühl, mit den eigenen Gedanken und Worten Menschen und Situationen zu erschaffen. Das ist im Moment des Schreibens unübertroffen.“

Ein guter Kimi-Autor sollte ...

Andreas Heßelmann: „... das Milieu kennen und dessen Sprache verwenden. Die Hauptpersonen in meinem Krimi haben kein Studium hinter sich, sondern häufig fürchterliche Schicksale. Das kann nicht zu literarischen Dialogen à la Goethe führen.“

Und was kommt als Nächstes?

Andreas Heßelmann: „Unter Umständen sogar noch zwei Bücher in diesem Jahr. Auf jeden Fall aber der zweite Teil der Alicante-Trilogie, dessen Titel ich hier schon verrate: ‚Der Tote auf Tabarca‘. In dem geht es wie im ersten Teil um die Situation der schwarzafrikanischen Flüchtlinge in Spanien. In kein Land fliehen mehr als nach Spanien.“

Info

Andreas Heßelmann: „Keine Zeugen“. Der zweite Mallorca-Krimi. Twentysix. Am heutigen Samstag, 10. Februar, 11 bis 13 Uhr stellt Andreas Heßelmann seinen Krimi bei einem Autorengespräch in der Buchhandlung Röhm am Sindelfinger Marktplatz vor.

Andreas Heßelmann mit seinem Mallorca-Krimi „Keine Zeugen“. Bild: Schweiker