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Von unserem Mitarbeiter Wilfried Vilz · 23.11.2007

Spagat zwischen Studium und Sport

Judo: Der 22-jährige Patrick Sieger vom VfL Sindelfingen startet am Sonntag bei der U23-Europameisterschaft in Salzburg

Patrick Sieger, Spitzen-Judokämpfer des VfL Sindelfingen, hat hohe Ziele: Der 22-Jährige aus Altdorf möchte nicht nur Gymnasiallehrer für Deutsch und Sport werden, sondern auch die Europameisterschaft in seiner Alters- und Gewichtsklasse gewinnen.

 

Beides scheint realisierbar. Seit einem Jahr studiert er in Tübingen Germanistik und Sport und seit frühester Jugend geht er ins Judotraining. Am Sonntag wird Patrick Sieger nun bei den Judo-Europameisterschaften der U23-Altersklasse in Salzburg an den Start gehen.

 

Und dies nicht ganz chancenlos. Immerhin hat der 22-Jährige auf seinem Weg nach Österreich eine achtbare Leistungsbilanz vorzuweisen: Deutscher Judomeister der Männer in 2006, Deutscher Vizemeister der Männer in 2007. Bronzemedaillengewinner bei den Weltcup-B-Turnieren in Slowenien 2007 und erst Anfang dieses Monats beim B-Turnier in Schweden.

 

Fahrdienst im Glaspalast

 

Für die Nominierung zu den U23-Europameisterschaften musste Patrick Sieger nicht nur die sportlichen Plus- und Leistungspunkte sammeln. Der eloquente Halbleichtgewichtler hatte auch bei den Bundestrainern viel Überzeugungsarbeit zu leisten: "Ich war schon etwas enttäuscht, dass mich die Bundestrainer trotz meiner Deutschen Meisterschaft von 2006 und der Vizemeisterschaft 2007 nicht auf der Rechnung hatten."

 

Doch die Ausdauer des Sindelfingers trug Früchte. Im Spätsommer wurde er zum Trainingslehrgang des Deutschen Aufgebotes für die Judo-Weltmeisterschaften in Köln eingeladen und hat dort Junioren-Bundestrainer Richard Trautmann überzeugt. Patrick Sieger war seinem Ziel, bei einer EM auf dem Treppchen zu stehen, wieder einen Schritt näher gekommen.

 

Am vergangenen Wochenende hatte der Bundesliga-Kämpfer des JC Ettlingen aber noch Fahrdienst bei den Ü-30-Europameisterschaften im Sindelfinger Glaspalast. Dort hat er sich auch die EM-Trophäen und Medaillen angeschaut, die an die Besten der Judo-Veteranen ausgegeben wurden.

 

Täglich zwei Mal Training

 

Die heiße Phase der Vorbereitung auf die EM in Salzburg begann für Patrick Sieger nach der Ü-30-EM mit dem Training bei Bundestrainer Richard Trautmann. Doch schon davor haben die Meisterschaftsvorbereitungen den Alltag des Sindelfinger Spitzenkämpfers geprägt: In den Semesterferien trainierte er zweimal pro Tag im Sindelfinger Olympiastützpunkt. Während des Semesters wird das Training auf den Vormittag verlegt. Morgendliche Trainingspartner sind die Studienkollegen Denis Huck, Philipp Dahn und Michaela Baschin, alles ausgewiesene Spitzenkämpfer.

 

In Salzburg zählt der Altdorfer vor allem den Griechen Cinitridis und den amtierenden U-23-Europameister Dan Fasie zu seinem Hauptkonkurrenten. "Fasie habe ich Anfang des Monats beim Turnier in Schweden geschlagen. Neben Cinitridis sind aber auch die russischen Kämpfer und der Brite Colin Oates, gegen den ich im Halbfinale in Schweden verloren habe, starke Konkurrenten um den Titel" schätzt Patrick Sieger seine Chancen für Salzburg ein.

 

Doch egal wie die EM für den VfL-Kämpfer verlaufen wird, die anschließenden Trainingspläne sind schon geschrieben. Patrick Sieger wird für 14 Tage zum Trainingslehrgang an die Tokai-Universität nach Japan fliegen. "Ich bin schon zweimal dort gewesen und bin immer wieder fasziniert von den dortigen Trainingsmöglichkeiten. Man hat da pro Tag zwischen 40 und 50 verschiedene Trainingspartner zur Verfügung, von denen ich, was Beweglichkeit und einen weniger auf Kraft angelegten Kampfstil anbelangt, viel profitieren kann" sagt Sieger. Er setzt bei seinen Kämpfen neben der Technik nach eigener Aussage noch zu stark auf Kraft und tut sich deshalb mit beweglichen Gegnern oft schwer.

 

Judo hat sich in der Familie Sieger - zumindest bei den Kindern - als Hauptsportart etabliert. Patricks Bruder Sandro (16 Jahre alt), war am vergangenen Wochenende mit der U17-Mannschaft des VfL bei den Deutschen Titelkämpfen. Zwischen beiden Brüdern hat sich ein sportlicher Konkurrenzkampf entwickelt. "Sandro hat es da schon etwas schwer" gibt Patrick zu. "Aber er ist - was Beweglichkeit betrifft - ein Riesentalent. Da ist er eindeutig besser als ich", schätzt der große Bruder.