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Von unserem Redaktionsmitglied Peter Bausch · 12.04.2013

Sindelfinger Schaubühne wird 40

Sindelfingen: Die Schaubühne feiert mit der Premiere von „Halbe Wahrheiten“ heute Abend im Theaterkeller ihr 40-jähriges Bestehen

„Ve

rsuche, Theater zu spielen“, so hieß im Herbst 1973 der Volkshochschulkurs, mit dem Dieter E. Hülle, Sindelfingens damaliger Bibliotheksleiter, fast unbeabsichtigt ein Theaterensemble auf den Weg gebracht hat. Denn der Lektürekurs entpuppte sich schon bald als Theaterkurs. Leute der ersten Stunde wie Hildegard Plattner, Ursel Stieber, Resl Bausch, Klaus Paetzold oder Hans-Jürgen Siehr mochten sich nicht mehr nur mit dem dramatischen Text begnügen, schrieb vor zehn Jahren der Ende 2011 verstorbene SZ/BZ-Theaterkritiker Ulrich Holthausen über die Ursprünge der Schaubühne.

Die Amateurschauspieler warteten wie Dorothea Meert und Norbert Adametz schon seit geraumer Zeit darauf, dass sich wieder etwas tat in Sachen Theater in Sindelfingen, nachdem mit der Studio-Bühne ein Vorläufer 1968 sanft entschlafen war.

Schnell hat sich der Haufen aus den unterschiedlichsten Schichten, Berufen und Orten dann zusammengespielt. Schon im März 1974 präsentierte sich die Schaubühne mit drei Einaktern von Curt Goetz erstmals der Öffentlichkeit. Es war der Aufgalopp zu einer rasanten Entwicklung. Heute stehen grob gerechnet über 500 Aufführungen von knapp 80 Inszenierungen vor gut 50 000 Zuschauern nicht nur im Sindelfinger Theaterkeller zu Buche.

Ob klassisches Schauspiel oder Kriminalspiel, Komödie, Märchen oder thematische Szenen, kein Genre und kein Autor war letztlich vor der Schaubühne sicher: Shakespeares „Sommernachtstraum“ oder Ödön von Horvaths „Dorf ohne Männer“, Max Frischs „Chinesische Mauer“ und Oscar Wildes „Bunburry“ oder Peter Turrinis Bearbeitung von Carlo Goldonis „Il Campiello“.

Der stete Wechsel ist Programm für die Schaubühne. Gerade in den letzten zehn Jahren hat das Ensemble neue Ansätze gewagt. Für die Inszenierungen stehen zunächst die bekannten Namen wie Rainer Wolf, Jürgen von Bülow, Dorothea Meert oder Gründervater Dieter E. Hülle, der 2007 Ödon von Horvaths „Dorf ohne Männer“ einstudiert.

Doch das Ensemble kehrt mit Benefiz-Lesungen wieder zu seinen Wurzeln als Lektüre-Kurs zurück und hebt von 2009 bis 2012 eine Jugendtheatergruppe als Experiment aus der Taufe, die unter der Regie der Theaterpädagogin Ismene Schell mit Stücken wie „Swing Heil“ oder „Die Reise nach Jerusalem“ für großen Diskussionsstoff sorgt.

Unter der Spielleitung von Karsten Spitzer holt sich die Schaubühne junge Regisseure wie Markus Klemenz, der 2009 „Romulus der Große“ von Friedrich Dürenmatt oder 2012 „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett inszeniert und im November 2013 das nächste Stück mit dem Ensemble einstudiert.

Gerade der Klassiker von Beckett zeigt aber, dass selbst eine so in Sindelfingen verwurzelte Bühne nicht immer mit ausverkauftem Haus rechnen darf. Dafür hat das Ensemble mit dem „Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza den Theaterkeller in den beiden Jahren 2011 und 2012 begeistert.

Mit „Halbe Wahrheiten“ von Alan Ayckbourn knüpft die Schaubühne im Geburtstagsjahr an zwei Traditionen an: Zu sehen ist zum einen eine Komödie, die zudem mit Manuel Albani von einem jungen Regisseur in Szene gesetzt wird, der seine ersten Schritte auf der Bühne im Goldberg-Gymnasium Sindelfingen gewagt hat, sowohl als Schauspieler als auch als Regisseur der Unterstufentheater-AG.

Unter der Leitung seines ehemaligen Theaterlehrers Ulrich von der Mülbe spielte Manuel Albani nach seinem Abitur vor einem Jahr zum Beispiel in der „Toskana Therapie“ im Sindelfinger Galerietheater und studiert heute an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg Kultur- und Medienbildung mit den Schwerpunkten Theater, Literatur und Musik.

Info

Die Schaubühne Sindelfingen spielt „Halbe Wahrheiten“ von Alan Ayckbourn am 12., 13., 14., 18., 20., 25., 26. und 27. April jeweils um 20 Uhr im Theaterkeller an der Vaihinger Straße im Sindelfinger Hotel-Restaurant Knote. Unter der Adresse www.schaubuehne-sindelfingen.de gibt es Informationen im Internet.