Nachrichten
Bilder
Videos
Abo-Service und Anzeigen
Themen und Portale

Job

Termine und Veranstaltungen
Über uns






Von Chefredakteur Jürgen Haar · 02.02.2018

Sindelfinger Autos ziehen den Zug

Sindelfingen/Stuttgart: Mercedes-Benz hat so viele Fahrzeuge verkauft wie noch nie / Rekord-Bonus für die Daimler-Mitarbeiter

Mit seiner Bilanz für das Jahr 2017 macht die Daimler AG nicht nur die Aktionäre, sondern auch die Mitarbeiter glücklich. Für das vergangene Jahr erhalten die Daimler-Mitarbeiter eine Gewinnbeteiligung von jeweils 5700 Euro.

An der Börse waren die glänzenden Zahlen für das Jahr 2017, die Daimler-Chef Dr. Dieter Zetsche und Finanzvorstand Bodo Uebber in Stuttgart präsentierten, keine Überraschung mehr. Trotz Rekorden bei Absatz und Umsatz und der Aussicht auf eine höhere Dividende als erwartet, drehte die Daimler-Aktie am Donnerstag ins Minus. Mit diesem Wermutstropfen kann man bei der Daimler AG leben, denn das Unternehmen steht bestens da (siehe auch Seite 1 und Wirtschaft).

Dabei treiben einmal mehr die Pkw von Mercedes-Benz das Wachstum und den Gewinn. Und die Lokomotive, die den Zug auf der Erfolgsspur zieht, macht vom Sindelfinger Werk aus Dampf. 2017 hat Mercedes-Benz Cars 2,4 Millionen Autos verkauft, so viele wie noch nie. Das ist ein Plus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und neben den großen und kleinen Geländewagen leistete die neue E-Klasse, die hauptsächlich im Sindelfinger Werk produziert wird, „den größten Beitrag“, so Dr. Dieter Zetsche.

Der Daimler-Chef, der gleichzeitig auch Leiter von Mercedes-Benz Pkw ist, verteilte gleich danach noch ein Zuckerle an die Sindelfinger. „In der zweiten Jahreshälfte 2017 sorgte die neue S-Klasse für zusätzliche Absatzimpulse“, so Zetsche bei der Bilanz-Pressekonferenz. Die Mercedes-S-Klasse wird ausschließlich in Sindelfingen gebaut.

Dort hört man die Worte des Vorstandschefs mit Freude. „Wir im Werk Sindelfingen haben mit unseren Fahrzeugen der Ober- und Luxusklasse im vergangenen Jahr wieder maßgeblich zum Rekordjahr von Mercedes-Benz Cars beigetragen. Ein Beispiel ist der gelungene Anlauf der neuen S-Klasse. Dieser Erfolg ist vor allem der Verdienst unserer hervorragenden Sindelfinger Mannschaft“, sagt Michael Bauer, der Standortverantwortliche für das Werk Sindelfingen.

Vor allem in China sind die Autos aus Sindelfingen ein Objekt der Begierde. 2017 ist Mercedes-Benz im Reich der Mitte um 28 Prozent gewachsen und hat 595 000 Fahrzeuge verkauft. Ein großer Teil des Absatzes wird lokal in China produziert, aber gerade die Mercedes-S-Klasse aus Sindelfingen erlebt bei den Chinesen einen Boom. Allein vom Luxus-Modell Mercedes Maybach werden derzeit monatlich rund 500 Karossen in China verkauft, berichtet der für das China-Geschäft verantwortliche Daimler-Vorstand Hubertus Troska.

Ab diesem Jahr laufen nicht nur Autos der Ober- und Luxusklasse in Sindelfingen vom Band, sondern auch ein Teil der Produktion des GLA. Außerdem stellt man sich für die Zukunft auf: „Wir haben im vergangenen Jahr die Weichen in Richtung Elektro-Mobilität gestellt: Als Haupt-Werk für die Fertigung der S- und E-Klasse Baureihe werden wir künftig auch Elektrofahrzeuge der Ober- und Luxusklasse innerhalb des weltweiten Produktionsnetzwerks von Mercedes-Benz Cars produzieren“, so der Standortverantwortliche Michael Bauer (Bild: z).

Nach dem erfolgreichsten Geschäftsjahr in der 130-jährigen Firmengeschichte von Daimler belohnt das Unternehmen die Mitarbeiter mit einem Rekord-Bonus. Mit dem April-Gehalt zahlt die Firma an die rund 130 000 Daimler-Mitarbeiter in Deutschland eine Gewinnbeteiligung von jeweils 5700 Euro. Es ist der höchste Bonus für die Mitarbeiter in der Firmengeschichte.

Auf der Facebook-Seite der SZ/BZ wird diese Meldung seit gestern heftig diskutiert. Während die einen beklagen, dass nur die anspruchsberechtigten Tarifmitarbeiter von Daimler, aber nicht die Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen, die für Daimler tätig sind, in den Genuss der Gewinnbeteiligung kommen, freuen sich andere über den warmen Regen. Cornelia Ernst zum Beispiele postete auf Facebook unter anderem: „Das sind doch gute Nachrichten. Ich verstehe nicht, warum es dazu fast nur Mecker-Kommentare gibt. Ich arbeite woanders und bekomme weder Erfolgsprämien noch Weihnachts- und Urlaubsgeld. Ich freue mich einfach mit den Menschen in meinem Bekanntenkreis, die beim Daimler arbeiten.“

Und Oliver Schulze denkt schon weiter: „Bin zufrieden. Jetzt noch die 6 Prozent Lohnerhöhung und das Jahr hätte sich gelohnt“, schreibt er im Blick auf die laufende Tarifrunde in der Metallindustrie.

Chefredakteur Jürgen Haar schreibt seit den 1980er Jahren für die SZ/BZ über Daimler, Mercedes-Benz und das Sindelfinger Werk.