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Von unserem Redakteur Hansjörg Jung · 16.04.2014

Schwaben-Klassiker auf St. Pauli

Genuss in der Region: Neue Saat der Heckengäulinsen ist im Boden

Dies Saitenwürstchen heißen Wiener Würstchen. "Einmal hat uns ein Gast gefragt, ob das Seitan-Würste wären, da haben wir das mit den Saiten einfach sein gelassen", sagt Torsten Brachmann, der in Leonberg geboren und in Hirschlanden aufgewachsen ist. Fleischersatz aus Weizengluten kommt ihm in seinem Restaurant nicht in die Küche. "Wir stehen für gutbürgerliche Hausmannskost mit schwäbischem Akzent". Deshalb gibt es hier auf Sankt Pauli auch keine Aalsuppe oder Labskaus, sondern Maultaschen und eben auch Linsen mit Spätzle  und Wiener Würstchen.

Eintopf für Studenten

Und wie kommt der schwäbische Klassiker bei den Nordlichtern an? "Gut, wir haben die Leute gelehrt, Linsen zu essen. Die kommen wirklich sehr gut an", sagt der Patron des Brachmanns Galeron. Das Restaurant jenseits des Millerntors, im ruhigen Teil von Hamburgs Amüsierviertel, ist die am weitesten entfernte Lieferadresse für die Heckengäulinsen aus dem Kreis Böblingen. Den Kontakt hatte vor rund zwei Jahren Plenum-Heckengäu-Geschäftsführer Siegfried Zenger hergestellt, der privat auf die jungen Schwaben in einem Hamburger Restaurant gestoßen war. Seit dem rollt der Linsen-Express nach Norden  wenn auch in bescheidenem Maße. Der größte Abnehmer der Heckengäulinsen sitzt mit dem Stuttgarter Studentenwerk sozusagen vor der Haustür. Und die Stuttgarter ordern für den beliebten Mensa-Eintopf die Hülsenfrucht gleich tonnenweise  rund 3000 Kilo wandern übers Jahr in den Kochtopf.

Weder die Stuttgarter Studenten, noch die anderen Freunde der Heckengäulinse sollen künftig darauf verzichten müssen. Deshalb steckt die neue Saat schon seit rund drei Wochen im Boden. Nachdem die Linsen wegen der Trockenheit zunächst recht ungleichmäßig gekeimt haben, entwickeln sie sich nach dem einen oder anderen "Goldregen", so Ader Renninger Landwirt Andreas Kindler, mittlerweile prächtig.

Vor sechs Jahren hatte der Renninger den Linsenanbau im Heckengäu reaktiviert. Damals auf einer Fläche von rund zwei Hektar. Mittlerweile ist Andreas Kindler nicht mehr der einzige, der im Landkreis Linsen anbaut. Mit ihm haben sich fünf weitere Landwirte zu einer Erzeugergemeinschaft zusammengeschlossen, die ihre grünen Puy-Linsen bei der Sessler-Mühle in Renningen abliefert. Diese werden anschließend unter der Marke "Heimat - nichts schmeckt näher" des Plenum Heckengäus vermarktet. Von den rund 13 Tonnen Puy-Linsen geht der weitaus größte Teil an Großabnehmer, wie das Stuttgarter Studentenwerk. Vier bis fünf Tonnen werden abgepackt und im Einzelhandel verkauft.

Schub durch Agrarreform

Blickt man auf den Ertrag von rund 700 Kilogramm pro Hektar, wird die Linse hierzulande ein Nischenprodukt bleiben  der Ertrag von Weizen ist auf der gleichen rund zehnmal höher. Doch immer mehr Bauern beschäftigen sich mit der traditionsreichen Hülsenfrucht. Außerhalb der Erzeugergemeinschaft gibt es im Landkreis noch weitere Linsen-Landwirte, die allerdings ihr Produkt selbst vermarkten. Übrigens liefert auch der Pionier Andreas Kindler lediglich sein grünen Puy-Linsen bei der Sessler-Mühle ab  um die Aufbereitung und Vermarktung seiner schwarzen Beluga-Linsen kümmert er sich selbst. Und auch die EU-Agrarpolitik könnte für einen Zuwachs unter den Erzeugern sorgen  ab dem nächsten Jahr müssen viele Landwirte fünf Prozent ihrer Ackerfläche als so genannte "ökologische Vorrangfläche" bereitstellen, also mehr oder weniger stilllegen. Linsen dürfen aber angebaut werden.

Info
Weitere Informationen finden Sie unter www.heckengaeu-natur-nah.de im Internet.