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Von unserem Mitarbeiter Heinz Richter · 30.01.2016

Schon im Kinderwagen bei der Fasnet

Weil der Stadt: Seit sieben Jahren ist Michael Borger Vorsitzender der Narrenzunft / Vorher war er Zunftmeister, Wagenbauer ...

Die Fasnet hat Michael Borger (50) von der Narrenzunft AHA in Weil der Stadt sein ganzes Leben lang begleitet. 1964 geboren, war er bereits ein Jahr später, noch nicht einmal ein Jahr alt, beim Umzug am Fasnetssonntag dabei. Im Kinderwagen geschoben von seiner Mutter. Seit sieben Jahren ist Michael Borger Vorsitzender der Narrenzunft.

Noch als Kind trat er in die Gruppe der Weiler Hexen ein. „In dieser Zunft bin ich bis zum heutigen Tag und stolz zur ältesten Gruppe der AHA zu gehören“, sagt er.

Bei der Familie Borger hatten alle was mit der Fasnet zu tun. Der Vater war ein Vierteljahrhundert der Wagenbauer der Narrenzunft und gehörte dem Ausschuss und Siebenerrat an.

Die Mutter, die allzu früh verstarb, war bei den Zigeunern und die Schwester bei den Schlehengeistern und dem AHA-Ballett, der Garde.

Als der Vater seine Abende und Nächte in den Wochen vor der Fasnet mit dem Wagenbau verbrachte, blieb es nicht aus, dass auch die beiden Kinder oft dabei waren und dem Vater zusahen und halfen. Als Michael Borger Anfang 20 war, gehörte auch er zu den Wagenbauern und der Vater sah ihn als Nachfolger in diesem Amt an.

Aber um den Jahrtausendwechsel herum hatte der Ausschuss der Narrenzunft eine andere Idee, was Michael Borger künftig in der AHA machen könnte. 2001 wurde er Zunftmeister. Der repräsentiert während der Fasnetszeit alle Gruppen und ist bei allen offiziellen Anlässen dabei. Sieben Jahre lang führte Michael Borger dieses Amt aus, dann wurde er zum Vorsitzenden der Narrenzunft gewählt. In dieses Amt wurde er bis heute immer wieder gewählt.

„Ich bin am überlegen, wie es weiter geht. Ich mache mein Amt gerne, kann es aber nicht ewig machen. Obwohl es im Team mit Zunftmeister Daniel Kadasch sehr viel Spaß macht“, betont Michael Borger. In diesem Jahr feiern die Schlehengeister Jubiläum. Das freut den Vorsitzenden Borger ganz besonders, weil seine Mutter vor 44 Jahren zu den Gründungsmitgliedern gehörte.

Sein Vater, inzwischen 74 Jahre alt, organisiert noch immer die Pferdegespanne für die Fasnet und ist Ehrenmitglied der Narrenzunft. Otto Borger ist es auch, der die Geburtstagsglückwünsche der Narrenzunft an Mitglieder über 65 Jahre überbringt. Alle fünf Jahre bekommen sie Besuch vom Ehrenmitglied.

Wenn sich Michael Borger an die außergewöhnlichen Ereignisse in seinem Leben mit der AHA erinnert, so fällt ihm auf Anhieb die zum ersten und bisher einzigen Mal ausgefallene Fasnet während des Golfkriegs 1991 ein. „Wir hatten uns auf eine solche Situation nie vorbereitet. Auch finanziell nicht. Seither werden Rücklagen gebildet“, erklärt er. Am Nachmittag des Zunftballtages gab es eine Sondersitzung des Ausschusses und die Fasnet wurde komplett abgesagt. „Wir haben im engsten Kreis eine schöne Fasnet gehabt. Im Stillen sozusagen und sind mit einem Wagen die komplette Umzugsstrecke gelaufen“, erinnert er sich.

Michael Borger war gerade AHA-Vorsitzender geworden, da kam ein ganz besonderer AHA-Kalender in die Läden mit leicht bekleideten Gardemädels. „Ich bin kirchlich erzogen worden und Kirchgänger“, sagt Michael Borger. Da kam dann schon der eine oder andere kritische Hinweis.

Ein großes Highlight war für ihn jedes Mal, als er noch zum Fanfarenzug gehörte, die Teilnahme beim Rosenmontagsumzug in Köln. 22 Mal war Michael Borger dabei. Beim Fanfarenzug gehört der Umzug in Köln auch heute noch zum festen Programm am Rosenmontag.

Als im AHA-Ausschuss auch darüber diskutiert wurde, aus Kostengründen den Wagenbau zurückzufahren, setzte sich Michael Borger für die Wagen beim Umzug ein. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal von Weil der Stadt und die falsche Stelle zum Sparen“, argumentierte er und setzte sich durch. Erst wenn es mal nicht mehr genügend Helfer gibt, will er über eine Reduzierung nachdenken. „Aber Helfer haben wir genügend“, sagt er.

Als er Vorsitzender der AHA wurde, hat er zusammen mit dem damals neuen katholischen Pfarrer in Weil der Stadt, Anton Gruber, die Narrenmesse eingeführt. Am Abend vor dem Zunftball findet in der Peter- und Paul-Kirche ein Gottesdienst statt. Für Michael Borger (Bild: PR) ein großes Highlight: „Hier wird die Zusammengehörigkeit von Kirche, Kirchenkalender und Brauchtum praktiziert“, freut er sich.

Auch in seiner Familie ist die Fasnet ständig präsent. Als Michael Borger in jungen Jahren 7er-Rat war, tanzte seine spätere Frau im AHA-Ballett. „Wir haben uns kennen und lieben gelernt“, sagt er und fügt hinzu: „Ohne ihre Unterstützung könnte ich diesen Job nicht ausüben.“ Seine drei Jungs (19, 16 und 10 Jahre) sind alle bei der Narrenzunft aktiv, bei den Hexen und in der Narrenkapelle.