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Von unserer Redakteurin Fariba Sattler · 25.05.2016

Schliffkopfweg: Pause dauert an

Herdweg/Stuttgarter Straße: Noch keine Fortschritte beim Sanierungsproblem an den Erdwärme-Bohrungen

Die Sanierungsarbeiten an den letzten vier von 17 Geothermie-Bohrungen im Schliffkopfweg in Böblingen stehen weiter still. Die Firma Keller Grundbau tüftelt an einer Lösung. Bis es diese gibt und die Arbeiten weitergehen, wird es noch Monate dauern.

Ein zähflüssiger Brei namens Thaumasit behindert die Arbeiten der Firma Keller im Schliffkopfweg (die SZ/BZ berichtete). In der Tiefe drückt die Masse gegen die Erdwärme-Rohre. Deshalb können die Experten nichts abdichten. So bleiben darf es da unten aber auch nicht. Deshalb entwickelt die Firma Keller nun Spezialwerkzeuge. Eine ganz neue Methode muss her. Aber das dauert. Vor eineinhalb Monaten haben die Fachleute die Baustelle abgebaut, damit der Verkehr ungehindert fließen kann. Die Sanierungsarbeiten stehen seither still.

Nur noch diese vier Geothermie-Bohrungen stehen auf der Liste der Experten. Die Fachleute gehen davon aus, dass auch diese Bohrlöcher schuld an den Erdhebungen in Böblingen sind. Weil sie nicht richtig abgedichtet sind, verbindet sich Wasser im Untergrund mit Gesteinsschichten. Die Erde quillt auf und drückt nach oben. Hauswände reißen. Der Schaden liegt im zweistelligen Millionenbereich.

Für die Sanierung haben die Fachleute ein eigenes Verfahren entwickelt, jetzt müssen sie wieder Neuland betreten, um die jüngsten Probleme mit dem Thaumasit zu lösen. „Wir stehen mit der Firma Keller in stetigem Kontakt. Diese befindet sich mitten in der Testphase, wie trotz des Thaumasits im Ringraum der Bohrungen Zement in die möglichen Hohlräume verpresst werden kann. Dafür erprobt die Firma Keller auf ihrem Gelände unterschiedliche Methoden und Werkzeuge. Aber selbst bei den Werkzeugen müssen immer wieder erst Sonderanfertigungen für die Versuche entwickelt und hergestellt werden“, so Wiebke Höfer vom Landratsamt. Es sei nicht absehbar, wie lange es dauert, bis belastbare Ergebnisse vorliegen, die sicherstellen, dass die restlichen vier Geothermie-Bohrungen abgedichtet werden können: „Die Firma Keller und wir setzen weiter lieber auf Gründlichkeit als auf Schnelligkeit.“

Für die Anwohner bedeutet das, weiter geduldig sein. Immerhin bringen die neuesten Messergebnisse Erleichterung mit sich. Ende April hat das Landratsamt die Satellitenwerte veröffentlicht. In beiden Gebieten sinkt das Tempo der Erdhebungen. Zu Beginn der Satelliten-Messungen gab es im nördlichen Gebiet Hebungen von bis zu fünf Millimetern pro Monat. Inzwischen sind es maximal 1,5 Millimeter pro Monat.

Im südlichen Gebiet verlangsamt sich die Hebung auch in den Bereichen, in denen noch nicht saniert wurde. Von maximal drei Millimetern pro Monat im Jahr 2014 hat sich die Hebungsgeschwindigkeit auch hier auf maximal 1,5 Millimeter pro Monat reduziert.

Infopaket auf szbz.de

Karten, Schaubilder, Animationen, Interviews und Videos: Die SZ/BZ hat auf www.szbz.de/zerreissprobe ein exklusives Infopaket zum Böblinger Erdhebungs-Desaster geschnürt. Einfach mal vorbeischauen.

Bei der Geothermie-Bohrung Nummer 14 ist das Problem erstmals aufgetreten. Die Experten rechnen bei den übrigen drei Bohrungen mit einer ähnlichen Situation. Bild: Sattler