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Von unserem Mitarbeiter Heinz Richter · 10.10.2015

Schäfer setzt auf Hund gegen Wolf

Dachtel: Bernd Schaible will sich zwei Herdenschutzhunde anschaffen / SZ/BZ-Serie „Näher dran“

Der Wolf macht den Schäfern Angst. Noch ist in der Gegend keiner gesichtet worden, aber in Brandenburg hat sich der Wolf schon in Schafherden eingeschlichen. Die Schäferei Schaible in Dachtel mit rund 2000 Schafen möchte sich deshalb noch im Oktober zwei Herdenschutzhunde anschaffen.

In jüngster Zeit werden Pyrenäenberghunde wieder vermehrt in ihrem ursprünglichen Betätigungsfeld, dem Schutz von Herden, eingesetzt. Mit der Rückkehr des Wolfes in deutsche Wälder wurde das Einsatzgebiet für Herdenschutzhunde geschaffen. Bei Herdenschutzhunden handelt es sich nicht um Hütehunde, die dazu ausgebildet werden, die Herde von einer Weide auf die nächste zu treiben. Herdenschutzhunde sind nur zur Verteidigung der Nutztiere da. Sie wachen bei den Tieren und schützen sie.

In Görzig, einem Dorf in Sachsen-Anhalt, haben die beiden Pyrenäenberghunde Lilly und Betty, so berichtet die Lokalzeitung, „einen tollen Job gemacht“. Sie schlugen einen oder mehrere Wölfe in die Flucht und retteten ihren Schafen so das Leben. Einige Blessuren haben die beiden Hunde bei dem nächtlichen Angriff auf 300 Schafe von den scharfen Wolfszähnen hinnehmen müssen.

„Wir wollen die beiden Herdenschutzhunde an die Herde, die Hütehunde und uns gewöhnen“, erklärt Schäfer Bernd Schaible und fügt hinzu, „falls der Wolf kommt.“ Beim Angriff eines Wolfes würden die Hütehunde, die bislang bei den Schafen sind, nichts unternehmen. „Sie haben einen Wolfstrieb“, sagt Schäfer Schaible. Der Schutzhund ist immer bei den Schafen und bellt bei einem Angriff von Wölfen laut und stellt sich den Angreifern entgegen.

Es ist schwierig Herdenschutzhunde in Deutschland zu bekommen, seit Wölfe gesichtet worden sind. „Es gibt schon Wartelisten bei den Welpen“, sagt Bernd Schaible. Über den Preis für die beiden Pyrenäenberghunde hat er noch gar nicht verhandelt. Aber mit der Nachfrage ist auch der Preis gestiegen. Schäfer Schaible weiß, dass Wölfe in Sachsen bereits über 70 Schafe gerissen haben. Bei einer Tagung haben sich die Dachteler Schäfer über den Herdenschutzhund informiert.

„Wir haben im Sommer vier bis fünf Gruppen Schafe und kleine Lämmer“, erklärt Bernd Schaible. Zwei Herdenschutzhunde werden da auf Dauer, wenn die Gefahr des Wolfs größer wird, nicht ausreichen. „Wenn der Wolf Hunger hat, findet er das kleinste Loch, um in den Stall zu kommen. Elektrozäune unter 1,20 Meter Höhe bringen gar nichts. Und bei höheren Zäunen buddelt er sich unten durch“, sagt der Schäfer.

In Dachtel, sagt Schäfer Schaible, wurde auch schon ein Luchs gesichtet. Auch der reißt Lämmer, stellt aber keine so große Gefahr dar wie ein Wolfsrudel, das selbst in dicht besiedelte Wohngebiete kommt. „Wildschweine jagen die Wölfe nicht, nur Rotwild. Kälber auch, aber davon sind zu wenig auf den Weiden“, sagt Bernd Schaible. Der Pyrenäenberghund wird bis zu 80 Zentimeter groß und stämmig und bis zu 60 Kilo schwer. Er hat dichte und ziemlich lange Haare mit einer weißen oder hellgelblichen Fellfarbe. Trotz der Größe handelt es sich um einen sehr beweglichen Hund.

Obgleich Treffen von Spaziergängern mit Wölfen auf freier Wildbahn äußerst selten sind, raten Experten: nicht wegrennen. Ein flüchtendes Lebewesen ist in den Augen eines Wolfes Beute.

Bernd Schaible und seine Schafe. Bild: Richter