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Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 30.11.2018

Routen vom Anfänger bis zum Könner

Klettern: Am Samstag öffnet das Böblinger Roccadion mit Schnupper-Klettern und einer großen Party / Künftig kann an sieben Tagen die Woche geklettert werden

  • Am Samstag öffnet das Roccadion seine Pforten. Schon von Weitem ist die 17 Meter hohe Kletterhalle zu sehen. Bild: Oberdorfer

Böblingens Sportangebot ist um eine Attraktion reicher: Morgen wird die Kletterhalle Roccadion um 15 Uhr eröffnet. Sie befindet sich neben dem Tischtenniszentrum in unmittelbarer Nähe zum Paladion.

Ursprünglich war die Eröffnung für September vorgesehen, wegen eines statischen Problems im Boulderbereich verzögerte sich diese. „Die Anlage ist noch schöner geworden, als ich es mir vorgestellt habe“, sagt Georg Humburg (Bild: Oberdorfer). Er hat gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Florian Schüle das Roccadion errichtet.

Die Idee, eine Kletterhalle zu bauen, hatten Georg Humburg und Florian Schüle schon lange im Kopf. Gemeinsam mit anderen Kletterern dachten sie immer wieder darüber nach, wie eine Kletterhalle nach ihren Vorstellungen aussehen, was sie bieten müsse. Aus der Idee wurden schließlich konkrete Planungen, die dann aber wieder im Sande verlaufen sind. So war eine Überlegung, in Kirchheim/Teck eine Halle zu bauen oder auch in Stuttgart. Daraus wurde letztlich nichts, auch ein angedachter Standort auf dem Flugfeld ließ sich nicht verwirklichen.

„Optimales Gelände“

„Der Gemeinderat hatte das Vorhaben abgelehnt“, erzählt Georg Humburg, in derselben Sitzung wurde ihm aber der Tipp gegeben, sich doch einmal das Gelände neben dem Böblinger Tischtenniszentrum in der unmittelbaren Nähe des Paladions anzuschauen. „Es sind immer wieder Türen aufgegangen, die aber auch wieder zugegangen sind. Im Nachhinein ist das zum Glück so gewesen, sonst wären wir nicht hier gelandet. Das Gelände ist optimal für uns geeignet. Wir stehen inmitten einer vielfältigen Sportlandschaft, haben Wiese und Wald vor der Haustür, eine perfekte Anbindung an den ÖPNV“, sagt Georg Humburg.

Der Startschuss für die konkreten Planungen des Roccadions fiel Anfang 2014. Humburg und Schüle profitierten von ihren verschiedenen vergeblichen Anläufen, sie hatten bereits viele Gedanken zu Papier gebracht, hatten einen Wirtschaftsplan, der als Basis dienen konnte.

Baubeginn war im Juli 2017, morgen nun wird die Halle eröffnet. Ursprünglich war geplant, Mitte September den Betrieb aufzunehmen. Probleme an der Statik der Boulderhalle machten Humburg und Schüle aber einen Strich durch die Rechnung. Die notwendigen Arbeiten waren aufwendig und kosteten viel Zeit.

Nun aber ist die Halle endgültig fertiggestellt, die restlichen Arbeiten am Außengelände werden im Frühjahr erledigt. Insgesamt bietet das Roccadion eine Kletterfläche von 2900 Quadratmetern, davon entfallen auf den Außenbereich 900 Quadratmeter. Die Boulderfläche beträgt 700 Quadratmeter, 200 Quadratmeter davon sind außerhalb. Wobei das Roccadion so konzipiert ist, dass „Innen und Außen ineinander verschmelzen“, sagt Georg Humburg, „es ist ein nahtloser Übergang zwischen Innen- und Außenbereich.“ Derzeit sind 150 Routen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade geschraubt, innen beträgt die Kletterhöhe maximal 17 Meter, außen 19 Meter. Humburg: „Ich denke, wir haben ein sehr ausgewogenes Verhältnis zwischen Klettern und Bouldern. Wir haben für jeden etwas zu bieten in dieser sehr großen Anlage, keiner wird gelangweilt sein.“ Im Gegenteil, die von Johannes Kielmann geschraubten Routen sind sehr reizvoll. Sie bieten Anfängern die Möglichkeit, Erfolgserlebnisse zu sammeln, sich zu verbessern, sie bieten absoluten Könnern die Chance, ihre Grenzen auszutesten. „Breitensportler und wettkampforientierte Sportler finden hier optimale Bedingungen“, sagt Humburg, „wir haben auch sehr viel Wert auf die Ästhetik gelegt. Es waren viele Schritte von den ersten Entwürfen hin zu den konkreten Plänen, wie die Wände auszusehen haben.“

Durch das Roccadion zieht sich ein roter Blitz hindurch, der sich mehrfach wiederholt und in unterschiedlicher, stilisierter Form eingearbeitet ist. Hinter diesem Blitz steckt Bouldergeschichte: Im Yosemitetal in Kalifornien liegt ein Felsblock, dessen Besteigung galt und gilt als hoch anspruchsvoll, der Name des Boulders: Midnight Lightning. Eine Schlüsselstelle des Boulders hat die Form eines gezackten Blitzes, er wird von Kletterern auf den Fels aufgezeichnet. Eben jene Form hat auch der Blitz im Roccadion.

Georg Humburg rechnet mit 200 Kletterern täglich, die Halle kann allerdings durchaus mehr Kletterer aufnehmen. Auf diese wartet nicht nur laut Humburg „die in Summe ihrer gesamten Einzelteile schönste und modernste Halle“, auf sie wartet auch ein großzügiger Thekenbereich, um nach oder auch vor dem Klettern oder Bouldern zu fachsimpeln, einen Kaffee zu trinken, eine Kleinigkeit zu essen.

SZ/BZ-Mitarbeiter Thomas Oberdorfer kann sich Bouldern vorstellen, aber die Wand hoch traut er sich wegen seiner Höhenangst nicht.