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Von unserem Mitarbeiter Konrad Buck · 12.02.2018

Rohrau neckt den großen Nachbarn

Gärtringen: Das närrische Treiben rund um den Ortskern lockt viele junge Gäste an / Der Alkoholkonsum ist auch in diesem Jahr hoch

Das geplante Verbot des Verkaufs von Alkoholika in den Discountern an der Umzugsstrecke klappte nicht. So bekam der eine oder andere Umzugs-Besucher das bunte Treiben in Gärtringen gar nicht mehr mit. Ungeachtet dessen feierten viele Narren fröhlich Fasnet.

Eigentlich hatten die Behörden erreichen wollen, dass der an der Umzugsstrecke gelegene Discounter während des Umzugs-Spektakels keine hochprozentigen Alkoholika verkauft. Der avisierte provisorische Verkaufs-Stopp gelang aber nicht. „Irgendetwas ist da schiefgelaufen“, sagte Bürgermeister Thomas Riesch. Im Discounter liefen die Geschäfte jedenfalls wie geschmiert, an der Kasse entflammten zum Teil hitzige Diskussionen. „Geht nicht, als Gruppe einkaufen. Wenn nicht alle mindestens 18 Jahre alt sind, verkaufe ich keinen Wodka“, sagte die Kassiererin und behielt den hochprozentigen Alkohol ein. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen lösten das „Problem“ auf ihre Weise: Ein 18-Jähriger kaufte schließlich den Wodka als Einzelperson – für sich und seine Kumpels.

Einige Jugendliche sprachen so beträchtlich dem Alkohol zu. Zwei junge Männer im Alter von 15 und 20 Jahren waren sogar so betrunken, dass sich das DRK um sie kümmern musste. Die Beamten – uniformiert und zivil unterwegs – nahmen mehreren Jugendlichen Wodka-Getränke ab, entsorgten die Flüssigkeit und informierten die jeweiligen Eltern über die Vorkommnisse. „Wenn jemand eine rote Linie überschreitet, also beispielsweise betrunken oder aggressiv ist, dann schreiten wir ein. Den Rest lassen wir laufen“, sagte Dieter Kellner, Leiter des Gärtringer Polizeipostens, zum Einsatzkonzept. Ansonsten bemühte sich die Polizei darum, Aggressionen bereits im Keim zu ersticken. „Wir mussten mehrere Streitereien schlichten“, sagte Dieter Kellner. Zum Sicherheitskonzept gehörten ferner auch zwei Feuerwehr-Fahrzeuge, die beim Rat- und Feuerwehrhaus präventiv auf der Straße platziert wurden. Auch die von der Narrenzunft Gärtringen beauftragten Sicherheitskräfte bemühten sich um einen ordnungsgemäßen Ablauf – sowohl während des Umzugs als auch bei der anschließenden abendlichen Hallenfasnet.

Auffallend war in diesem Jahr, dass der Gärtringer Umzug bei den Schülern hoch im Kurs steht. „Bei diesem Umzug sind sehr viele 14- bis 18-Jährige zu Besuch, so viele wie nirgends in der Umgebung“, stellte Dieter Kellner fest. Die Schüler sind wohl auch deshalb so stark in Gärtringen vertreten, weil sie dort den Auftakt der Winterferien feiern.

An ausgewählten Stellen zeigten die zahlreichen Hexen-Gruppen ihr Können: Die Narren fabrizierten teils waghalsige Pyramiden. Den Deckenpfronner Narren gelang das Kunststück, eine solche Pyramide mit 15 Personen zu vollführen. Auch die „Werwölfe aus dem Gäu“ überzeugten mit waghalsigen Manövern, die „Schwenninger Wikinger“ boten eine Choreografie mit offenem Feuer. Im Gegensatz zu anderen Umzügen kam es aber zu keinen gefährlichen Situationen – heißes Wasser, wie beim Nachtumzug in Eppingen, wurde nicht mitgeführt. Manche Narren tauchten Mädchen oder junge Frauen in Badewannen und Bottiche, doch die waren nicht mit Flüssigkeit gefüllt, sondern mit Konfetti oder Stroh (wie bei den Nufringer „Schönbuch-Hexen“).

Reichlich mitgemischt haben auch die Narren aus Gärtringen. Zumindest was die Zahl der Fasnets-Gruppierungen anbelangt, ist die Gemeinde eine Fasnets-Hochburg. Denn neben der „Ersten Narrenzunft“ existieren auch noch die „Edelburg-Hexen“, die „Fasnetsfreunde“, die „Rohrauer Narrenzunft“ und die „Mostschlotzer“. Vorneweg beim Umzug marschierte eine Gruppe, die ebenfalls schon Stammgast beim Gärtringer Umzug ist: die Kinder der Schulbetreuung, eingegrenzt von einem Seil, damit keiner der jungen Narren verloren geht.

Auch die „Rohrauer Narrenzunft“ war beim Umzug mit großem Aufgebot vertreten. Die am Schlepper prangende Aufschrift verkehrte dabei die Größenverhältnisse ins Gegenteil: „1. Narrenzunft Rohrau grüßt den Ortsteil Gärtringen“, war darauf zu lesen. So ist eben die Fasnet: Aus Groß wird Klein, aus Klein wird Groß – und zur närrischen Zeit kann der kleine Ortsteil schon mal den großen Bruder auf die Schippe nehmen.

Beim Gärtringer Fastnetsumzug präsentieren manche der wild verkleideten Narrenzünfte den dicht gedrängten Zuschauern am Straßenrand meterhohe Pyramiden. Bild: Tatjana Vecsey