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Von unserem Redakteur Tim Schweiker · 15.05.2015

Rodeo-Ritt entlang der Schleyerstraße

Sindelfingen: Wer von Maichingen zum Sindelfinger Bahnhof will, sollte sich gut überlegen, ob er die kürzeste Strecke wählt / SZ/BZ-Serie (Folge 6)

Der

kürzeste Weg von Maichingen zum Sindelfinger Bahnhof führt zunächst parallel zur Sindelfinger Straße, dann zur Fronäckerstraße auf einem Fuß- und Radweg, den man in beiden Richtungen benutzen darf. Der Weg ist hier so breit, dass auch zu Hauptverkehrszeiten genug Platz für alle ist. So manches geflickte Schlagloch zeigt, dass der Stadtverwaltung die Bedeutung des Radwegs, der direkt zum Calwer Knoten und zum Daimler-Tor 3 führt, durchaus bewusst ist.

Der weiße Streifen, der Fuß- und Radweg trennt, ist allerdings an viele Stellen herausgebrochen – besonders bei Dunkelheit können solche Stellen zur gefährlichen Falle werden. Problem bekannt, sagt Michael Tröger, bei der Stadt unter anderem für die Radwege-Planung zuständig: „Die Schäden werden abschnittsweise behoben.“

Also weiter geht’s, schon stehen wir vor Radfahrers Albtraum, dem Calwer Knoten. Wie muss diese Megakreuzung wohl Radlern vorkommen, die von außerhalb zum ersten Mal nach Sindelfingen kommen? Man kann dieses asphaltgewordene Manifest der Autostadt Sindelfingen aber tatsächlich auch als Fußgänger oder Radfahrer überwinden. Und es sei gesagt: Die Ampelphasen sind gegenüber den Anfängen spürbar benutzerfreundlicher geworden.

Doch wer zum Bahnhof will, kann jetzt noch lange nicht durchatmen. Es kommt der wohl gefährlichste Abschnitt der Strecke entlang der viel befahrenen Hanns-Martin-Schleyer-Straße. Der Weg stadteinwärts sieht aus wie ein Gehweg, er wird auch als solcher in beide Richtungen benutzt – obwohl die Beschilderung ihn eindeutig als Radweg ausweist und ihn Radfahrer deswegen auch benutzen müssen. Fußgänger müssten theoretisch über den Daimlersteg auf die andere Straßenseite wechseln.

In der Praxis kommt es häufig zu unangenehmen, weil extrem engen Begegnungen. Im Frühling schlagen hier auch noch Bäume und Büsche im wahrsten Sinne des Wortes aus – eine zusätzliche Gefahrenquelle. Und wehe, es regnet. Dann werden die ohnehin nicht fahrradfreundlichen gelöcherten Betonelemente, mit denen der Weg verziert ist und die das Radfahren zum Rodeo-Ritt machen, zur rutschigen Falle. Mehrere SZ/BZ-Leser melden diesen Abschnitt als „extrem gefährlich“ oder „unzumutbar“ und haben dort zum Teil schon Unfälle erlebt.

Der Verwaltung ist das nicht neu. „Wegen der baulichen Gegebenheiten sind die Möglichkeiten zur Verbesserung gering. Dennoch wird die Verwaltung hierzu weitere Gespräche mit der Deutschen Bahn AG und mit der Firma Daimler führen. Es wird geprüft, ob und wie man das Belagsproblem lösen kann. Bezüglich der Bepflanzung ist die Abteilung Stadtgrün immer wieder dabei, den Bewuchs zurückzuschneiden“, sagt Michael Tröger. Gegen Falschfahrer und Fußgänger könne man freilich wenig tun. „Wir behalten den gesamten Streckenabschnitt aber im Blick und werden diesen auch in der AG Rad besprechen und nach Lösungsansätzen suchen.“ Na, immerhin.

Am Bahnhof wird der Radfahrer endgültig ausgebremst – zumindest, wenn gerade eine S-Bahn angekommen ist. Dann müssen sich Radler und Fußgänger das Plätzchen vor der Ampel teilen und sich arrangieren. Erkennt man’s rechtzeitig, kann man über den Bahnhofsvorplatz ausweichen.

Dass das, obwohl erst kürzlich neu gebaut, nicht optimal ist, das sieht man im Sindelfinger Rathaus auch so. „Gelingt es, die Fläche des Güterschuppenareals zu erwerben, soll sie so umgestaltet werden, dass hier leicht von einem aufs andere Verkehrsmittel gewechselt werden kann“, sagt Michael Tröger: „Mit Blick auf den Radverkehr werden dann unter anderem wettergeschützte Abstellanlagen vorgesehen; außerdem wird geprüft, ob der von Westen her kommende Radverkehr bereits auf Höhe der Martastraße auf einer gekennzeichneten Trasse über den Vorplatz des Güterschuppens und dann weiter über den Bahnhofsvorplatz Richtung Osten geleitet werden kann. Dies würde teilweise die auftretenden Konflikte und Missverständnisse an der Signalanlage lösen.“

Bis es so weit ist, kann man die Strecke guten Gewissens nicht empfehlen.

Radfahren an der Hanns-Martin-Schleyerstraße ist kein Spaß: Gefährlicher Belag, Fußgänger auf dem Radweg und wuchernde Bepflanzung machen den Abschnitt gefährlich. Bilder: Schweiker