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Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 17.10.2012

Prostituierte aus Ungarn geholt

Böblingen: Bewährungsstrafe für 34-Jährigen wegen Menschenhandels

Anfang 2011 hat der 34 Jahre alte Angeklagte aus Sindelfingen mit seiner Schwester und seiner Frau in Stuttgart gelebt. Die beiden Frauen waren als Prostituierte tätig. Der Angeklagte gab an, er selber könne aufgrund eines Bandscheibenvorfalls, den er im Alter von 15 Jahren erlitten habe, nicht arbeiten. Via Internet hatte der Angeklagte Anfang 2011 eine Landsmännin kennengelernt, die nach ihren Angaben in großen finanziellen Schwierigkeiten war.

Der 34-Jährige erzählte ihr, dass sie in Deutschland durch Prostitution Geld verdienen könne. Am 11. Februar kam sie nach Stuttgart. Noch am selben Tag sei sie in die Arbeit einer Prostituierten eingewiesen worden. „Ich habe bis Mitte April letzten Jahres in einem Laufhaus in Stuttgart gearbeitet“, sagte die 28-Jährige, die ihre beiden Kinder bei ihrer Mutter in Ungarn zurückließ.

Ende März 2011 zog die 28-Jährige gemeinsam mit dem Angeklagten, dessen Ehefrau und dessen Schwester nach Darmsheim. Alle drei Frauen gingen weiterhin der Prostitution nach. Das erwirtschaftete Geld kam in einen gemeinsamen Topf, die Hand darauf hatte der Angeklagte. Im April erlitt die 28-Jährige einen Leistenbruch, so ihre Aussage. Untersucht wurde sie von einem ungarisch sprechenden Arzt. An dessen Namen konnte sie sich nicht erinnern. „Der Arzt sagte mir, ich solle mit der Prostitution aufhören“, so die 28-Jährige. Daraufhin habe der Angeklagte sie geschlagen.

Noch wütender wurde er, als er erfuhr, dass ein Galerist, er war Kunde der 28-Jährigen, ihr nahelegte, ihre Arbeit als Prostituierte zu beenden. „Er hat Zeichnungen von mir gesehen und gesagt, ich könne durch Ausstellungen genauso Geld verdienen“, sagte die Ungarin. Der Angeklagte schlug ihr daraufhin heftig mit der Faust ins Gesicht. Der Kiefer renkte sich aus, ein Weisheitszahn brach ab. Anfang April holte die 28-Jährige ihre Kinder zu sich. Der Angeklagte sei zu ihrem Sohn grob gewesen. Sie zog einen Schlussstrich und verließ die gemeinsame Wohnung.

Der Angeklagte musste sich auch wegen unerlaubten Erwerbs und Weitergabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige verantworten. Er soll von Mitte März bis Mitte April des vergangenen Jahres in 15 Fällen Marihuana gekauft und einen Teil davon an seinen damals zwölf Jahre alten Sohn weitergegeben haben. Dieser Teil der Anklage wurde eingestellt, er war schlicht nicht zu beweisen. Zum Vorwurf des Menschenhandels äußerte er sich nicht.

Das Schöffengericht tat sich schwer mit seiner Entscheidung. „Wir haben lange überlegt“, sagte Richter Werner Kömpf. Schließlich verurteilte das Gericht den Angeklagten wegen Menschenhandels zu der Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. „Das Opfer wusste zwar, worauf es sich einlässt“, sagte der Richter. In Deutschland sei die Frau aber abhängig gewesen vom Angeklagten. Diese Situation habe der Angeklagte ausgenutzt.