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Von unserem Redaktionsmitglied Peter Bausch · 13.10.2015

Pionier für Kunst aus Schrott

Sindelfingen: Sonderführung für SZ/BZ-Lesergruppe in der Ausstellung „I like America“ im Schauwerk

Für die meisten der treuen SZ/BZ-Abonnenten war es das erste Mal, dass sie das Privatmuseum der Schaufler-Stiftung besucht haben. Auch die dritte Sonderführung zum 125-jährigen Jubiläum der Sindelfinger Zeitung im Schauwerk war komplett ausgebucht.

Zeitgenössische Kunst erschließt sich zuweilen nicht auf den ersten Blick. Deswegen baut das im Juni 2010 auf dem Bitzer-Firmengelände an der Eschenbrünnlestraße eröffnete Schauwerk die Kunstvermittlung konsequent aus.

Bettina Michel erklärt der SZ/BZ-Lesergruppe die Geschichte des Schauwerks. Der im August 2015 verstorbene Bitzer-Geschäftsführer Peter Schaufler hat zusammen mit seiner Frau Christiane Schaufler-Münch vor 30 Jahren angefangen, zeitgenössische Kunst zu sammeln.

Mittlerweile befinden sich mehr als 3000 Kunstwerke in dem Fundus unter der Trägerschaft der 2005 gegründeten „The Schaufler Foundation“, die langfristig die Zukunft des Privatmuseums sichern soll. Weil das 1934 gegründete Unternehmen Bitzer Kühlmaschinenbau am Standort Sindelfingen seine Produktionsanlagen nicht erweitern konnte und die Fabrik nach Rottenburg verlegte, ließ Ehrensenator Peter Schaufler, der 2014 den Gründerpreis des Landes Baden-Württemberg erhalten hatte, die Sheddach-Hallen und das Hochregallager in Sindelfingen zu einem Kunstmuseum um- und ausbauen.

Ende September hat das Schauwerk-Team unter der Leitung von Barbara Bergmann aus der Sammlung die Ausstellung „I like America“ zusammengestellt. Obwohl beim Ehepaar Schaufler die USA als Reiseziel weit hinter Italien, Asien oder Südamerika rangierten, verfügt das Museum über repräsentative Werke amerikanischer Künstler. Dazu gehören Robert Longo, der mit der deutschen Schauspielerin Barbara Sukowa verheiratet ist, mit seinen großformatigen Schwarz-Weiß-Bildern, Frank Stella mit einem monumentalen Wandbild, Jim Dine mit einer seiner vielen Versionen der „Venus von Milo“, aber auch Tom Sachs oder David Simpson.

Ein Pionier für Kunst aus Autoschrott ist John Angus Chamberlain. Der Amerikaner, Jahrgang 1927, gehört zu den Pionieren der Pop-Art, übersetzte in seinen Metallskulpturen Bilder des abstrakten Expressionismus in die Dreidimensionalität und arbeitete Ende der 1950er-Jahre mit Schrott aus Autos. Was später der Franzose César oder die Schweizerin Sylvie Fleury, zuletzt in der Ausstellung „Ladies’s First“ im Schauwerk, mit ihren Auto-Kunstwerken angestellt haben, geht also auf Chamberlain zurück, der in der aktuellen Schauwerk-Schau mit „Roots“ vertreten ist.

Der SZ/BZ-Lesergruppe erklärte Bettina Michel außerdem die „Goldene Fünf“ von Andy Ouchi, die Maren Hofmann bei der nächsten Themenführung im Schauwerk am Sonntag, 18. Oktober, um 15 Uhr in den Mittelpunkt stellt. Am Sonntag, 25. Oktober, um 15 Uhr stellt Alix Sharma-Weigold, die im Juni die zweite SZ/BZ-Sonderführung geleitet hatte, unter dem Titel „Stars and Stripes and More“ amerikanische Kunst vor. Die vierte und letzte SZ/BZ-Führung am Samstag, 12. Dezember, ab 15.30 Uhr, bei der die erst Ende November eröffneten Lichtwirbel der Stuttgarter Künstlerin Rosalie im ehemaligen Hochregallager zu sehen sein werden, ist bereits ausgebucht.

Kunstvermittlerin Bettina Michel erläutert der SZ/BZ-Lesergruppe im Sindelfinger Schauwerk die Skulptur „Roots“ des Amerikaners John Angus Chamberlain aus Autoschrottteilen. Bild: P. Bausch