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Von unserem Redaktionsmitglied Carmen Weiss · 29.05.2009

Pferdesitter und Fensterputzer

Sindelfingen: 20 Neuzugänge und einige Tauschangebote, das ist die Bilanz der ersten Veranstaltung des Vereins Zeittausch im Kreis

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ong>Der große Saal im Sindelfinger Ernst-Schäfer-Haus war bei der Auftaktveranstaltung des Vereins Zeittausch im Kreis bis auf den letzten Platz besetzt. 20 Tauschwillige werden dem Verein beitreten. Sindelfingens Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer spendete 2000 Euro aus der Karl-und-Carola-Hummel-Stiftung.

 

Der Geräuschpegel ist hoch als die Mitglieder des Vereins Zeittausch im Kreis im Sindelfinger Ernst-Schäfer-Haus ihre organisierte Nachbarschaftshilfe vorstellen (die SZ/BZ berichtete). "Was, wenn keiner meine Tauschangebote in Anspruch nimmt?", fragt eine Frau, die vor sich schon den halb ausgefüllten Anmeldebogen liegen hat. "Wie kann ich die Angebote der anderen auch ohne Internet einsehen?", will ein Sindelfinger wissen.

 

Das Interesse der rund 60 Besucher ist groß, die Fragen zahlreich, die Stimmung gut. Ihnen stehen Mitglieder des Zeittauschrings Rede und Antwort. Die Bilanz des Info-Abends: 17 ausgefüllte Anmeldebögen, darunter auch Familien und 20 neue Mitglieder. "Ich bin hoch zufrieden. Viele haben den Bericht über den Tauschring in der Montagsausgabe der SZ/BZ gelesen und sind deshalb hier", sagt der Vorsitzende Wolfgang Knote. Von Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer gab es eine Finanzspritze zum Start: 2000 Euro spendete er aus der Karl-und-Carola-Hummel-Stiftung.

 

Non-Liner suchen Internetpaten

 

Die frisch gebackenen Tauscher starten mit einem Guthaben von drei Stunden. Umgerechnet in die Zeittausch-Währung sind das 18 Talente. Die ersten Angebote sind schon da. "Jemand bietet zum Beispiel kostenlose Reitstunden an, wenn der Tauschpartner den Stall ausmistet und sich um die Pferde kümmert", sagt Rüdiger Streckert, der die Tauschdatenbank im Internet aufbaut.

 

Kinder hüten, bügeln und waschen sind die häufigsten Angebote. "Vor allem ältere Menschen wünschen sich jemanden, der ihnen die Fenster putzt. Sie trauen sich nicht mehr, auf die Leiter zu steigen", sagt Rüdiger Streckert. Ein Mitglied bietet an, mit älteren Menschen spazieren zu gehen. Einen Wunsch müsse der Vorstand des Vereins nochmals überprüfen, so Rüdiger Streckert: "Ein Mitglied möchte seine Waschmaschine reparieren lassen. Da müssen wir natürlich wissen, ob es nur darum geht, einen Stecker auszutauschen oder ob da mehr ist." Vier der künftigen Mitglieder haben keinen Internetzugang. Der ist wichtig, um über das Mitgliedskonto den eigenen Talente-Kontostand und aktuelle Angebote einsehen zu können.

 

"Auch im Tauschring menschelt es"

 

Inserate stellen die Tauscher ebenfalls ins Netz. "Für diesen Fall gibt es Internet-Paten. In der Nachbarschaft des Non-Liners suchen wir nach Mitgliedern, die sein Konto mitverwalten", sagt Rüdiger Streckert. Die Satzung des Vereins regelt, wie die Patenschaft funktioniert. Für Diskussionsstoff unter den Neuzugängen sorgt die Regelung für Tauschgeschäfte, bei denen Kosten anfallen. "Wenn ein Tauschpartner den anderen ins Krankenhaus begleiten soll und dieser eine Fahrkarte braucht, sollte die Karte erstattet werden", sagt Rüdiger Streckert. "Leider kann man außerhalb unseres Tauschrings nicht mit Talenten bezahlen", so Schriftführerin Christine Mitlacher.

 

Doch auch in einem Tauschring "menschelt es. Die Partner müssen sich nur vor dem Tausch einig werden, wie sie das handhaben", sagt Wolfgang Knote. In den nächsten Tagen bekommen die Mitglieder ihre Anmeldebestätigungen und Passworte für die Datenbank. "Wir hoffen, dass noch mehr Tauschwillige den Weg zu uns finden."

 

Bei der Auftaktveranstaltung des Sindelfinger Vereins Zeittausch im Kreis informierten sich rund 60 Bürger über die organisierte Nachbarschaftshilfe. 20 neue Mitglieder tauschen ab sofort mit. Bild: Weiss