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Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden · 16.08.2010

Pferde jetzt am Gemeinderats-Zügel

Weil der Stadt: Aufgeheizte Stimmung bei Ortsbegehung zur geplanten Dressurpferdezucht im Landschaftsschutzgebiet Mönchsloh

Selbst für den Initiator war die Resonanz überraschend. "Ich bin platt", sagte der Weil der Städter Grünen-Stadtrat Wolfgang Fischer angesichts von rund zweihundert Menschen, die zur Geländebesichtigung am Mönchsloh kamen.

 

Nach der Tour hatte er acht Stimmen zusammen. Sieben Gemeinderatsstimmen hätten laut Fischer gereicht, um Bürgermeister Straub zu zwingen, das Thema Porsche-Dressurpferdezuchtbetrieb nochmals zum Gegenstand einer Gemeinderatssitzung zu machen. Dort könnte das Projekt noch gekippt werden, das der Technische Ausschuss am 21. Juli schon einstimmig bewilligt hat.

 

Teils hitzig, nicht immer sachlich, ging es am Mönchsloh her. "Wir sehen an der Beteiligung, welches Interesse an diesem Gebiet besteht", sagte stellvertretend für Weil der Städter Naherholungssuchende Dorothee Albertz. Sie befürchtet, mit dem geplanten Zuchtbetrieb werde hier eine abgeschottete Oase entstehen. "Gucken sie, dass sie die Landschaft offen halten für die Bevölkerung", lautete eine andere Stimme.

 

"Nacht- und Nebelaktion"

 

Man solle weg von einer Neiddiskussion, sagte ein Förster, der namentlich nicht genannt werden will. Er findet merkwürdig, dass sie als Förster angehalten seien den Naturschutz zu verständigen, schon, wenn jemand 40 Meter Holz staple und hier im Landschaftsschutzgebiet nun eine solche Anlage in einer "Nacht- und Nebelaktion" genehmigt würde: "Das ist nicht in Ordnung." Grünen-Stadtrat Alfred Kappler, der im Technischen Ausschuss (TA) noch für die Anlage gestimmt hatte, berichtete von der TA-Sitzung: Es habe keine schriftlichen Unterlagen, nur Projektionen gegeben, mit unwichtigen Themen seien zuvor noch zwei "Nebelbomben" gezündet worden.

 

Wie explosiv die Stimmung jetzt ist, zeigt ein kursierendes, am Mönchsloh wiederholtes Gerücht: Die Stadt habe Eigentümer gedrängt, Grundstücke für die geplante Porsche-Anlage zu verkaufen.

 

Beim Mönchsloh handle es sich um eine jahrhundertealte Kulturlandschaft, die bis auf den Bau einer Scheuer und des Güthler-Hofes kaum Veränderungen erfahren habe, erläuterte Alan Knight vom Nabu Weil der Stadt. Er befürchtet mit der Zuchtanlage den Beginn des Ausverkaufs des Gebiets. Dabei würden die Landwirte hier Subventionen bekommen für die schonende, extensive Nutzung durch spätes Mähen und -wenig Düngen. Zersiedelung nannte er wie viele ein Gegenargument gegen die etwa fünf Hektar große Anlage.

 

Zu klein als Zuchtbetrieb?

 

Aus Reiterkreisen habe er erfahren, so Grünen-Stadtrat Fischer, dass die Anlage viel zu klein sei für einen Zuchtbetrieb. Unter Reitern sei dies eine "Lachplatte". Zudem würden Porsches schon auf Bundesebene nach Trainern Ausschau halten. Vor Ort bezweifelten auch Pferdepfleger, dass mit einer Stallung von 180 Quadratmeter und zwölf Boxen ein Zuchtbetrieb möglich sei. Hintergrund der Kritik: Nur für einen Dressurpferde-Zuchtbetrieb erteilt das Landratsamt die Genehmigung zur Ansiedlung im Landschaftsschutzgebiet. Kritiker halten die Zucht für vorgeschoben, damit die Antragstellerin, eine begeisterte Dressurreiterin, hier ihrem Reitvergnügen nachgehen kann.

 

"Die Größe der Boxen kann bei der Zucht ganz individuell gehandhabt werden, so lange das mit dem Tierschutz übereinstimmt", erklärt beispielsweise Bettina von Borstel aus Marne im Landkreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein, mit der die SZ/BZ am Sonntag am Telefon sprach. Sie züchtet mit zwei Stuten im ganz kleinen Stil seit 1986 Holsteiner und reitet die Tiere teils auch selbst. Für einen Zuchtbetrieb beurteilt sie die Größenordnung der Porsche-Anlage freilich als mini.

 

Einen Pferdetrainer in der Zucht zu haben sei überhaupt nicht unsinnig, sagt Inke Schoof aus Hedwigenkoog/Kreis Dithmarschen, mit der die SZ/BZ ebenfalls am Sonntag am Telefon sprach. Viele Zuchtbetriebe seien so aufgebaut. Ein Trainer sei nur eine Frage des Geldes. Die Größe der Zucht sei nicht entscheidend für die Qualität. Ihr Mann Otto Boje habe zunächst hobbymäßig mit der Holsteinerzucht begonnen, heute habe er neben seiner über Hundert Hektar großen Landwirtschaft eine mittelgroße Zucht mit rund 20 Boxen und etwa einem Dutzend Stuten. Die Schoof-Holsteiner haben unter anderem eine olympische Gold- und Silbermedaille in der Dressur beziehungsweise im Springen gewonnen.

 

In der entscheidenden Gemeinderatssitzung wird es in jedem Fall eine Menge Klärungsbedarf geben.

 

Grünen-Stadtrat Wolfgang Fischer erläutert am Mönchsloh seine Sicht zur geplanten Pferdezucht-Anlage der Familie Porsche. Bild: Heiden