Nachrichten
Bilder
Videos
Abo-Service und Anzeigen
Themen und Portale

Job

Termine und Veranstaltungen
Über uns






Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden · 14.02.2018

Offene Plätze statt geschlossenen Boxen

Sindelfingen: Garagen-Mieter protestieren im Hinterweil gegen die Sanierungspläne der Wohnstätten / Knapp 100 Unterschriften sind gesammelt worden

Die Wohnstätten haben allen Mietern von Stellplätzen einer großen Tiefgarage in Sindelfingen-Hinterweil zum 31. März gekündigt. Nach knapp 30 Jahren soll die Garage mit ihren 118 Stellplätzen saniert werden. Die Mieter haben eine Unterschriftenaktion gestartet. Sie wollen verhindern, dass ihre geschlossenen Garagenboxen in offene Stellplätze umgewandelt werden.

Knapp hundert Unterschriften hat die Gruppe um Josef Lindner gesammelt. Er wohnt seit 28 Jahren in der Guttenbrunnstraße und hat seitdem in der Tiefgarage Boxen gemietet. Die sind wie alle übrigen durch ein eigenes Garagentor verschlossen. Untereinander sind alle geschlossenen Garagenboxen durch Maschendraht voneinander getrennt.

Bislang ist die Tiefgarage über drei Zugänge und die Aus- oder Einfahrt für jedermann frei zugänglich. Die Zufahrt erfolgt über die Guttenbrunnstraße. Gitter oder Tore, die den Zugang für Unbefugte zu dem verwinkelten Garagenkomplex mit seiner Haupt- und drei Seitenfahrstraßen verhindern würden, gibt es bislang nicht.

„Wir haben sonst nichts mit den Wohnstätten“, sagt Josef Lindner, der nach fast drei Jahrzehnten als Wohnstätten-Mieter nicht klagen kann: „Bis jetzt hatte ich keine Probleme.“

Es ist auch nicht die Ankündigung der Stellplatz-Kündigung, die ihn stört. In einem Schreiben vom 17. Januar teilen die Wohnstätten den Garagenmietern mit, dass hiermit die Stellplätze fristgerecht zum 31. März gekündigt würden. Grund sei eine nach fast dreißig Jahren fällige Sanierung, die etwa vier Monate in Anspruch nehme. Das städtische Wohnungsunternehmen sichert allen Mietern zu, dass sie nach der Sanierung wieder ihre Garagenplätze mieten können.

Was Josef Lindner und seine Mitstreiter stört, geht nicht aus dem Schreiben hervor: Die Wohnstätten planen offenbar, mit der Sanierung die geschlossenen Garagenboxen durch offene Stellplätze zu ersetzen.

In einem Schreiben, das an die zuständige Mieterbetreuerin, den Geschäftsführer der Wohnstätten und an OB Dr. Bernd Vöhringer gerichtet ist und ergänzt wird von einer Liste mit knapp hundert Unterschriften der Boxen-Mieter, bitten die Bewohner um den Erhalt der geschlossenen Boxen. Die Umwandlung der Boxen in offene Stellplätze aus Gründen des Brandschutzes wollen sie nicht akzeptieren. „Wir Mieter haben nach der letzten Brandschutzkontrolle die Garagen brandschutzsicher gemacht. Wenn sich der eine oder andere Mieter nicht daran gehalten haben soll, soll derjenige zur Rechenschaft gezogen werden und nicht wir alle dafür bestraft werden“, heißt es in dem Schreiben. Man könnte sagen: Die Bewohner wehren sich gegen eine von ihnen vermutete Kollektivbestrafung.

Auf Anfrage der SZ/BZ bestätigt Georgios Tsomidis die Pläne der Wohnstätten. Die geschlossenen Boxen sollen durch offene Stellplätze ersetzt werden. Die Hauptzufahrt der Garage bekommt ein Rolltor, die Zugänge werden für Dritte gesperrt durch abschließbare Türen. Freie Zu- und Abfahrt beziehungsweise Zugang sind dann Vergangenheit. Der Wohnstätten-Geschäftsführer erwähnt zwar auch, dass es bei der letzten städtischen Brandschau Beanstandungen gab wegen in den Garagen gelagertem, nicht zulässigen Materials. „Es gab Brandlasten“, so Tsomidis. Aber, so der Wohnstätten-Chef, es gehe bei Sanierung und dem Umbau nicht um Kollektivstrafe, sondern um Kollektivschutz.

Hintergrund bilde eine grundsätzliche Festlegung der Wohnstätten. Demnach werden bei künftigen Wohnstätten-Tiefgaragensanierungen alle geschlossenen Boxen durch offene Stellplätze ersetzt, wenn die Boxen untereinander nur ein Maschendraht trennt. Sind die Boxen dagegen durch Mauern voneinander isoliert, könnten sie in der geschlossenen Form belassen werden.

Grund für die Änderung sei die Gefahr von Brandüberschlag in Garagenkomplexen, deren Boxen nur durch Maschendraht getrennt seien. Georgios Tsomidis verweist konkret auf die Erfahrung der Löschkräfte bei einem Tiefgaragenbrand in der Goldmühlestraße im Jahr 2016, wo die Feuerwehr einen Brand hinter einem geschlossenen Boxentor bekämpfen musste und Probleme hatte, an das Feuer zu kommen. Als Alternative zu offenen Stellplätzen nennt er für Löschmittel offene Boxentore. „Dann können sie es aber gleich offen machen“, so der Geschäftsführer. Die geänderte Grundsatz-Festlegung hätten Feuerwehr und die städtischen Baurechtler bestätigt.

Trotz der Mieterproteste: Die Wohnstätten wollen an den Sanierungsplänen festhalten. Da es um eine grundsätzliche Festlegung gehe, könne man es nicht mal so, mal so machen, so Tsomidis. Im Übrigen sei die Garage nach Installierung eines Rolltors und gesicherten Zugängen weniger anfällig für Vandalismus und Diebstahl.

SZ/BZ-Mitarbeiter Bernd Heiden schreibt seit vielen Jahren über die Menschen in Sindelfingen und wohnt sogar im Hinterweil.

Ab April wollen die Wohnstätten diese Tiefgarage im Hinterweil sanieren. Aus den Einzel-Boxen sollen normale Stellplätze werden. Dagegen wehren sich die Anwohner um Josef Lindner. Sie haben deshalb eine Unterschriftenaktion gestartet. Bild: Heiden