Nachrichten
Bilder
Videos
Abo-Service und Anzeigen
Themen und Portale

Job

Termine und Veranstaltungen
Über uns






Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber · 04.06.2018

„Nicht Dekoration, sondern Schriftzeichen“

Sindelfingen: Das zweitägige „Sensation Tattoo Festival“ lockt rund 1000 Fans von Tätowierungen in die Stadthalle  / Manu Kelley ist Expertin für polynesische Motive auf der Haut

Manu Kelley tätowiert Antonios Kotseridis bei der Sindelfinger Messe. Bild: Staber

Die erste Auflage ihres „Sensation Tattoo Festivals“ in der Sindelfinger Stadthalle haben die Veranstalter Ismail Gürsoy und dessen Ehefrau Sarah Hornbach als vollen Erfolg gewertet. Rund 1000 Besucher aus ganz Baden-Württemberg ließen sich von den Angeboten der 50 Aussteller aus ganz Europa inspirieren. Zahlreiche Besucher ließen sich vor Ort Tätowierungen stechen.

Aus Krefeld ist Antonios Kotseridis angereist, um sich in der Sindelfinger Stadthalle sein Traum-Tattoo stechen zu lassen – ein authentisches polynesisches Motiv. „Diese Muster erzählen von der Person“, erläutert Manu Kelley, die in Vilseck in der Oberpfalz ein Tätowier-Studio betreibt: „Im Grunde handelt es sich nicht um Dekoration, sondern um Schriftzeichen.“

Wer sich von mir tätowieren lassen möchte, muss einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen

Dass sich Antonios Kotseridis wenig gefallen lässt, und dass er an Gott glaubt: Wer sich mit den Schriftzeichen auskennt, kann unter anderem dies von seinem Oberkörper ablesen, wenn Manu Kelley nach insgesamt 16 Stunden Arbeit mit ihrem Werk fertig ist. „Wer sich von mir tätowieren lassen möchte, muss einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen“, erläutert Kelley: „Für meine Tattoos muss ich viel von der Person wissen.“ In Sindelfingen treffen sich Kotseridis und Kelley bereits zum zweiten Mal.

Manu Kelley hat sich nicht nur tief in die Geschichte polynesischer Tattoos eingearbeitet: „Ich habe anthropologisches Material ausgewertet.“ Die gebürtige Schwäbin wurde zudem von einem von den Samoa-Inseln stammenden Rechtsanwalt adoptiert. „Für Samoaner ist es eine Ehre, eine Tätowiererin in der Familie zu haben“, so Manu Kelley, die ihre Informationen über die polynesische Kultur dadurch aus erster Hand bekommt. Dies macht Manu Kelley zur begehrten Expertin für Fans authentischer polynesischer Tattoos aus ganz Europa.

„Für mich war es einfacher, mich mit Manu in Sindelfingen zu treffen, als nach Vilseck zu fahren“, begründet Antonios Kotseridis seine weite Anreise. Dass sich manche Tätowierer in polynesischen Tattoos versuchen, ohne sich damit auszukennen, ärgert Manu Kelley: „Erst gestern hat mir jemand ganz stolz sein Maori-Tattoo gezeigt, das einfach nur sinnloses Gekritzel war. Das tut mir dann immer leid für den Tätowierten.“

Es kam sogar mal ein Vater in meinen Laden, der sich bedankte, dass wir seinen Sohn abgewiesen haben

Das Herz mit Leuchtturm, das sich Michael Krebs beim Stand des Böblinger Tätowierers Sascha Gammann stechen lässt, hat für den 43-Jährigen eine besondere emotionale Bedeutung: „Vor zwei Jahren hatte ich einen Herzinfarkt. Eine Operation und zwei künstliche Herzklappen retteten mir das Leben“, so Krebs. Von dieser einschneidenden Erfahrung soll das realistisch gezeichnete Herz erzählen. „Der Leuchtturm bedeutet Hoffnung“, erklärt Michael Krebs.

Nicht jeder Kunde, der ein Tätowier-Studio betritt, wird sofort bedient. „Wenn jemand noch gar kein Tattoo hat, werde ich ihm keins an einer sichtbaren Stelle wie Hals oder Arme stechen“, sagt der bei Sascha Gammann angestellte Lutz Lehmann.

Zu groß sei die Gefahr, dass Tätowier-Neulinge ihren Entschluss wieder bereuen. „Es kam sogar mal ein Vater in meinen Laden, der sich bedankte, dass wir seinen Sohn abgewiesen haben“, erzählt Sascha Gammann auf der Messe.