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Von Ursula Schnabl · 14.08.2009

Mobiles Büro auf vier Rädern

Sindelfingen: Im Mercedes-Benz-Werk wird die Lagerlogistik inzwischen per Datenübertragung und mobilen Druckern gesteuert

Gebäude 48/1 im Südwesten des Mercedes-Werks: Staplerfahrer lagern Paletten mit Fahrzeugteilen ein und bringen Material, das die Produktion angefordert hat, an einen Übergabeplatz. Dieses Lager ist das größte auf dem Werksgelände. Auf 22 000 Quadratmetern bietet es Platz für rund 18 000 Paletten. "Das hier ist unser Lieferanten-Logistik-Zentrum, auch LLZ genannt", erklärt Teamleiter Oskar Huber.

 

"Von hier aus versorgen wir die C- und S-Klasse-Montage mit Material in Großladungsträgern", so Huber. Kleinere Teile, die in so genannten Kleinladungsträgern vom Lieferanten kommen, laufen über das vollautomatische Kleinteilelager nebenan, andere Teile kommen in der Produktionsreihenfolge direkt vom Lieferanten ans Band.

 

"Rund 3500 Auslageraufträge haben wir im LLZ an einem durchschnittlichen Arbeitstag", sagt Oskar Huber. Das erklärt das geschäftige Treiben hier. Früher war es allerdings noch geschäftiger, weiß Huber. Vor einiger Zeit haben er und seine Kollegen die Lagerabläufe jedoch überarbeitet.

 

Belege sortiert

 

Der Teamleiter erklärt, warum: "Wenn die Produktion Material abrief, wurden die Abrufbelege in einem zentralen Büro automatisch ausgedruckt. Ein Koordinator sortierte sie für die einzelnen Staplerfahrer und ihre Zuständigkeitsbereiche vor. Bei ihm holten sich die Staplerfahrer mehrmals pro Schicht Aufträge ab und sortierten die Belege nochmals, um ihre Routen zu optimieren. Dann erst gings auf den Stapler."

 

Inzwischen ist der Ablauf um einiges einfacher: Alle Stapler sind mit Computer-Terminals ausgerüstet. Auf denen bekommt jeder Fahrer seine Aufträge in der richtigen Reihenfolge angezeigt. Die Lager-Software steuert die Aufträge auf die richtigen Fahrer zu und optimiert auch schon die Routen. Per kabelloser Datenübertragung schickt sie die Informationen an jeden Stapler. Das war erst der Anfang.

 

Beleg sofort zur Hand

 

Denn Oskar Hubers Team führte noch einen besonderen Clou ein: mobile Drucker auf jedem LLZ-Stapler. Der Grund: Wenn ein Staplerfahrer eine Palette auslagert, muss er einen Auslieferungsbeleg anbringen, auf dem steht, wohin genau in der Produktion die Ware gehen soll. Seit die Stapler die mobilen Drucker haben, können die Fahrer nach dem Blick auf ihr Terminal sofort zum Auslagerort fahren. Während der Fahrt wird gedruckt, und beim Auslagern haben sie den Auslagerbeleg sofort zur Hand.

 

Die Drucker zu entwickeln, war aufwändig. "Wir waren damit meines Wissens in Deutschland die ersten", sagt Huber nicht ohne Stolz. Denn die bekannten mobilen Drucker waren nicht auf ihre Tauglichkeit für diesen industriellen Einsatz erprobt worden. Huber: "Sie mussten mit den im Werk gängigen Systemen und Schnittstellen kompatibel sein und zudem die Erschütterungen auf dem Stapler dauerhaft aushalten. Sie dürfen nicht ausfallen, sonst wäre ja die Versorgung der Produktion gefährdet."

 

Zusammen mit einem Druckerlieferanten führte man aufwändige Tests durch. Nicht nur die Hardware wurde getestet, sondern auch das Druckerpapier: UV-beständig musste es sein und an den Rändern aufrollen durfte es sich auch nicht, denn die Belege müssen gut lesbar sein.

 

Tippfehler ausgeschlossen

 

Die Software stand ebenfalls im Mittelpunkt. Sie sollte bedienerfreundlich werden und außerdem Fehlbedienungen nahezu ausschließen. Daher enthalten die mobilen Büros auf den Staplern auch einen Scanner: So muss niemand die Sachnummern oder Lagerorte von Hand eintippen - sie werden vom Beleg abgescannt, Tippfehler ausgeschlossen.

 

Viel Aufwand, aber alle Beteiligten sind mit dem Ergebnis zufrieden. "Von der Bestellung bis zur Auslieferung dauert es jetzt im Schnitt nur noch 35 Minuten, nicht mehr zwei bis drei Stunden", zählt Huber die Vorteile auf. "Und pro Staplerfahrer konnten wir 30 Auf- und Absteigevorgänge einsparen. Das wissen auch die Fahrer zu schätzen."

 

Nun plant die Logistik, die mobilen Büros auf dem Stapler auf weitere Lagerbereiche auszudehnen.