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Von unserem Redakteur Steffen Müller · 05.03.2016

Mit Wissen und Equipment gegen den weißen Tod

Wintersport: Die Skitouren-Saison geht jetzt richtig los / Alles rund ums Thema Lawinen bei der Erlebnis Outdoor in der Kongresshalle Böblingen

Ski- und Splitboardtouren, Freeriden oder auch Schneeschuhwanderungen im Gebirge – immer mehr Wintersportler zieht es in die unberührte Natur. Doch außerhalb der gesicherten Pisten und Wege sind Lawinen eine ernst zu nehmende Gefahr. Deshalb sollte man sich nur mit entsprechendem Wissen und Sicherheitsausrüstung im freien Gelände bewegen.

Der letzte Lawinenunfall im Allgäu datiert vom 1. März. Am Breitenberg wurde ein Tourengeher in einer nordseitigen Rinne von einem Schneebrett verschüttet und getötet. Im Winter 2014/2015 kamen am Feldberg zwei Tourengeher durch eine Lawine ums Leben, in Österreich starben in der vergangenen Saison 25 Menschen in den Schneemassen.

Das alles bedeutet nicht, dass Unternehmungen abseits der Pisten unverantwortlich sind. „Absolute Sicherheit gibt es nicht. Ein Restrisiko bleibt. Durch die richtige Ausrüstung, Erfahrung und Wissen, das man sich in Kursen und mithilfe von erfahrenen Alpinisten aneignen kann, lässt es sich aber minimieren“, sagt Wolfgang Huhn, staatlich geprüfter Berg- und Skiführer sowie geschäftsführender Gesellschafter der Alpinsportschule Bergfühlung aus Tübingen.

Als Anfänger sollte man auf gar keinen Fall einfach auf eigene Faust losgehen: „Der Alpenverein und die Bergschulen bieten Skitouren-Einsteigerkurse an, die man als Anfänger unbedingt nutzen sollte. Das hat gleich mehrere Vorteile. Hier werden einem die Grundkenntnisse im Umgang mit der Ausrüstung beigebracht, und zwar sowohl mit der eigentlichen Skiausrüstung wie auch mit der Notfallausrüstung. Zudem kann man sich das nötige Equipment hier leihen“, sagt Wolfgang Huhn.

Ganz entscheidend bei Unternehmungen abseits gesicherter Pisten ist das Lesen und vor allem das Verstehen des Lawinenlageberichts für die jeweilige Region. Der enthält nicht nur die Gefahrenstufe, sondern auch die besonders gefährdeten Hangrichtungen und Höhenstufen. Anhand des Berichts entscheidet man darüber, ob man die Tour überhaupt in Angriff nimmt, und wenn ja, welche Route man wählt, um die Gefahr möglichst klein zu halten. So meidet man besonders steile Hänge und solche, in denen durch Windverfrachtungen besonders viel Schnee geblasen wurde.

Das nötige Wissen wird bei den entsprechenden Kursen der Alpenvereine und der Bergschulen vermittelt. Für den Fall der Fälle gehört die entsprechende Notfallausrüstung auf jeder Tour dazu: „Zur absoluten Grundausstattung gehört ein Lawinen-Verschütteten-Suchgerät (LVS), eine Lawinensonde und eine Lawinenschaufel. Ohne dieses Sicherheits-Equipment sollte man sich nie im freien Skiraum bewegen“, sagt Wolfgang Huhn. Damit kann ein Verschütteter von seinen Begleitern schnell aus den Schneemassen befreit werden – ein entscheidender Faktor, denn es zählt jede Minute. Nach 15 Minuten sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit rapide.

Lawinen-Airbag-Rucksäcke werden zudem immer beliebter. Sie gehören inzwischen für viele Skifahrer und Boarder, die außerhalb gesicherter Pisten unterwegs sind, dazu. Im Fall der Fälle können sie die Verschüttungstiefe verringern oder eine Komplettverschüttung sogar verhindern. Einige Systeme mildern auch mechanische Einwirkungen bei Felskontakt oder schwerem Schnee ab. Beides trägt dazu bei, dass die Überlebenschance bei Lawinenunfällen steigt. Tom Regelmann, Inhaber von Toms Bergsport in Calw und ebenfalls staatlich geprüfter Berg- und Skiführer, hält die Rucksäcke in jedem Fall für sinnvoll: „Die Technik hat sich bewährt und sie funktioniert.“ Die Systeme entwickeln sich dabei ständig weiter. Neben Modellen mit Patronen gibt es heute auch Rucksäcke, deren Airbags mithilfe eines Akku-Gebläses gefüllt werden – das erleichtert beispielsweise die Mitnahme im Flugzeug.

Info

Auf der SZ/BZ-Messe Erlebnis Outdoor, die heute und morgen, jeweils von 11 bis 18 Uhr, in der Kongresshalle Böblingen stattfindet, kann man am Stand des Deutschen Alpenvereins, Sektion Schwaben, die Lawinen-Verschütteten-Suche ausprobieren. Die Biwakschachtel Tübingen und Toms Bergsport zeigen in der Kongresshalle Testauslösungen von Airbag-Rucksäcken. Alles zur Messe und viele weitere Infos für Bergsportler unter www.abenteuer-alpen.eu im Internet. Der Eintritt zur Messe ist frei.