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Von unserer Mitarbeiterin Rebekka Groß · 14.11.2017

„Mit Respekt und Wertschätzung“

Kreis Böblingen: Seit 25 Jahren gibt es die Schulsozialarbeit / Die Caritas richtet bei der Jubiläumsfeier den Blick zurück

Seit 25 Jahren gibt es die Schulsozialarbeit im Landkreis Böblingen unter der Trägerschaft der Caritas Schwarzwald-Gäu. Bei einer Jubiläumsfeier im C-Punkt in Böblingen blickten die Verantwortlichen auf die Anfänge zurück und gaben Einblicke in den Alltag der Schulsozialarbeiter.

„Die Schulsozialarbeit ist ein Thema, das in allen Schularten angekommen ist“, so Wolfgang Trede, Jugendamtsleiter in Böblingen. Denn während es im Jahr 2012 829 Vollzeitstellen in der Schulsozialarbeit im Land gab, sind es in diesem Jahr inzwischen 1507 Vollzeitstellen. „Die Schulsozialarbeit findet nicht mehr im Souterrain, sondern mit großem Respekt und Wertschätzung auf Augenhöhe statt“, so Wolfgang Trede.

Ihre Anfänge fand sie in Sindelfingen mit Martin Kittel, damaliger Rektor der inzwischen geschlossenen Hauptschule Klostergarten. „Schulsozialarbeit hat die Schule verändert und ich bin froh, dass wir alle so viel Mut gehabt haben und uns auf die Reise eingelassen haben“, sagt Martin Kittel.

Bei der Jubiläumsfeier gab Initiator Martin Kittel einen Überblick über die Anfangsjahre und die Entwicklung der Schulsozialarbeit im Kreis und den Wandel vom Makel zum Qualitätsmerkmal.

„Die steigernden politischen Spannungen in den Herkunftsländern vieler Schüler spiegelten sich oft auch in der Schule wider. Gleichzeitig hatte die Erziehungskraft der Familie nachgelassen“, so Martin Kittel. In Verbindung mit dem Versuch der Ganztagesschule an der Hauptschule Klostergarten habe diese Situation damals das Lehrpersonal überfordert. Körperliche Auseinandersetzungen zwischen den Schülern waren so an der Tagesordnung.

Als Martin Kittel im Oktober 1989 Schulleiter der Hauptschule am Klostergarten wurde, traf ihn schnell die Erkenntnis, dass er diese Aufgabe nicht alleine schaffe. „Ich brauchte Gleichgesinnte und Unterstützer“, so Kittel. So äußerten er und Gernot Koch (Theodor-Heuss-Schule) im Jahr 1990 bei einem Treffen mit dem Jugendamt die Forderung nach persönlicher Unterstützung durch einen Sozialarbeiter vor Ort. „Wir haben klar gemacht, dass wir den Raum erst verlassen, wenn wir die Zusage dafür erhalten haben“, so Kittel. Und tatsächlich sollten sie am späten Abend schließlich den Raum mit einer Zusage verlassen. Mit der Zustimmung des Gemeinderats für das Programm wurde Thomas Grünwald der erste Schulsozialarbeiter im Kreis Böblingen. Nach und nach kamen weitere Schulen dazu. Heute ist die Schulsozialarbeit an allen 17 Schulen in Sindelfingen vertreten. Die Konzeption der Schulsozialarbeit, die Martin Kittel entwickelte, hat bis heute Bestand.

Neben einem Beratungsangebot für Schüler, Eltern und Lehrer bieten die Schulsozialarbeiter nach Bedarf auch sozialpädagogische Gruppenangebote an. Vor allem Sportaktivitäten, musikalische oder kreative Aktivitäten, Suchtprävention oder soziales Kompetenztraining stehen dabei auf der Tagesordnung. „Die Schulsozialarbeit ergänzt die Arbeit der Lehrer und Rektoren und fördert Lern-Erfolge wirksam“, so Christiane Maier, von der Stadt Sindelfingen. Aber bezüglich der Finanzierung gab es vonseiten der Stadt auch Kritikpunkte. „Im Kreis Böblingen vermissen wir die Mitfinanzierung des Landkreises“, so Christiane Maier.

Die Schulsozialarbeiter sollen die Jugendlichen ermutigen eigenverantwortlich zu handeln, in ihrem Selbstbewusstsein stärken und soziale Benachteiligung abbauen. Mit den „Pluspunkten“ leisten sie außerdem Hilfestellung beim Übergang von der Schule in den Beruf. „Das Schöne an der Arbeit als Schulsozialarbeiter ist vor allem die Vielfalt und die Freiheiten, die wir haben, um den Schulalltag bunt gemischt zu gestalten“, so Susanne Sitzenfrei, Schulsozialarbeiterin an der Realschule Hinterweil. „Es ist wichtig, dass die Schüler auch einen Ansprechpartner neben den Lehrern haben. Wir Schulsozialarbeiter haben da durch unsere Beziehungsarbeit noch mal einen anderen Zugang zu den Schülern“, so Annette Haag, Schulsozialarbeiterin an der Grundschule Sommerhofen.

„Die Schule hat sich mit der Zeit immer mehr zum Lebens- und nicht nur zum Lernort entwickelt. Daher ist es wichtig, dass das Feld Schule nicht nur aus Wissensvermittlung besteht“, so Thomas Grünwald, Fachbereichsleiter der Schulsozialarbeit. „Die Schule hat mit den Schulsozialarbeitern Personen die Zeit und ein offenes Ohr für verschiedene Problemlagen hat.“