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Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 23.08.2012

Mit Bierflasche auf den Kopf

Böblingen: Zwei Jahre Jugendstrafe für 19-Jährigen

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ong>Zweimal hat ein 19 Jahre alter Sindelfinger am 11. November des vergangenen Jahres einem ebenfalls 19-jährigen Böblinger eine halb volle Bierflasche auf den Kopf geschlagen. Vom Böblinger Amtsgericht wurde der vorbestrafte Sindelfinger zur Jugendstrafe von zwei Jahren verurteilt, darin wurde ein altes Urteil einbezogen.

Alkohol, gegenseitige Beleidigungen und eine offenbar geringe Hemmschwelle zuzuschlagen, waren die Gründe für eine heftige Auseinandersetzung zweier 19-Jähriger am 11. November des vergangenen Jahres auf dem Böblinger Marktplatz. Der Angeklagte, ein 19 Jahre alter Arbeitsloser aus Sindelfingen, stand mit einer Gruppe Kumpels in der Nähe einer Kneipe, als sich sein späteres Opfer, ein 19-jähriger Böblinger, mit seinen Freunden dort einfand. Warum auch immer, plötzlich entbrannte ein zunächst verbaler Streit zwischen beiden.

Der Angeklagte betitelte seinen Kontrahenten zunächst als „Hurensohn“. Daraufhin schritt der so Beleidigte auf den Angeklagten zu, sagte: „Ja, was geht, Neger, was ist jetzt?“ Unvermittelt schlug der Angeklagte mit einer gut halb vollen 0,3-Liter-Bierflasche auf den Kopf seines Opfers. „Ich habe ihn dann gepackt und Richtung Boden gedrückt. Daraufhin habe ich einen zweiten Schlag mit der Flasche auf den Kopf bekommen“, sagte der Böblinger, der durch die beiden Attacken nahe der Schläfe eine 4,5 Zentimeter lange Platzwunde erlitt, die mit mehreren Stichen im Krankenhaus genäht werden musste. Zudem wurde bei ihm eine Kieferprellung diagnostiziert. In der Verhandlung trat er als Nebenkläger auf.

Der Angeklagte bestritt die Schläge mit der Flasche nicht. Allerdings behauptete er, dass zunächst sein Gegenpart auf ihn zugegangen sei, um ihm „eine mitzugeben. Ich bin dann ausgewichen und habe zugeschlagen. Dann hat er wohl Blut gesehen und kam nochmal auf mich zu, dann habe ich nochmal zugeschlagen.“ Zudem sei er mit dem Wort „Neger“ beleidigt worden. Etliche Zeugen bestätigten, dass das Opfer das Schimpfwort „Neger“ dem Angeklagten gegenüber äußerte. Sie bestätigten aber auch, dass dem ersten Schlag mit der Flasche kein Angriff des Böblingers vorausging.

Der Staatsanwalt forderte unter Einbeziehung eines früheren Urteils gegen den Angeklagten – er stand zum Zeitpunkt der jetzigen Tat unter Bewährung – eine Jugendstrafe von zwei Jahren mit der Chance, sich zu bewähren. „Der Angeklagte hatte kein Notwehrrecht. Ich sehe aber auch, dass sich hier Täter wie auch das Opfer nicht beherrscht haben“, sagte der Anklagevertreter. Der Nebenklägervertreter räumte ebenfalls ein, dass sein Mandant durch das Schimpfwort „Neger“ den Angeklagten provoziert habe. So sah es auch der Verteidiger, der beim ersten Schlag mit der Bierflasche von einem Fall der gefährlichen Körperverletzung ausging, beim zweiten Schlag allerdings von einer „gerechtfertigen Notwehr“ sprach.

Dieser Argumentation folgte das Jugendschöffengericht nicht, vielmehr ging es in beiden Fällen von einer gefährlichen Körperverletzung aus. „Das Opfer hat sein Stück dazu beigetragen, dass die Situation eskalierte. Das Verhalten des Opfers lässt die Tat in einem etwas milderen Licht erscheinen“, sagte der Vorsitzende Richter Günter Scheible, der den Angeklagten unter Einbeziehung eines Urteils vom Juni des vergangenen Jahres zu der Jugendstrafe von zwei Jahren verurteilte.