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Von unserem Redakteur Roman Steiner · 24.02.2015

Mehr Kontrollen, mehr Präsenz

Kreis Böblingen: Polizeiaktion bei der Raststätte Sindelfinger Wald vor dem Hintergrund der Serie von Wohnungseinbrüchen

Es ist kalt an diesem Donnerstag im Kreis Böblingen, doch die Sonne scheint und verspricht einen schönen Tag. Für manche wird es ein schöner Tag werden, für andere nicht. In einer groß angelegten Kontrollaktion überprüft die Polizei an der Tank- und Rastanlage Sindelfinger Wald Autofahrer auf der A 8. Hintergrund und Anlass ist die Serie von Wohnungseinbrüchen, die seit Wochen und Monaten nicht nur im Kreis Böblingen für Schlagzeilen sorgt.

Wer nicht betroffen ist, dem fällt die Aktion auf dem weitläufigen Parkplatz der Rastanlage unter Umständen gar nicht auf. Einige Polizeifahrzeuge stehen hintereinander am linken Rand einer Durchfahrtgasse, auf der anderen Seite spielt die eigentliche Musik. Insgesamt 35 Beamte sind bei der Kontrolle im Einsatz, die sich von 10 bis 17 Uhr erstreckt. Nicht alle sind gleichzeitig vor Ort, aber ein großer Teil ist auf dem Parkplatz in Aktion.

„Hierbei handelt es sich um eine regionale Großfahndung“, sagt Polizeihauptkommissar Matthias Fell, Leiter der Autobahnfahndung. „Die finden einmal monatlich statt, in dieser Größe aber nur einmal im halben Jahr.“ Die landesweite Einbruchserie ist der Anlass, aus dem sich das Polizeipräsidium Ludwigsburg, die Bundespolizeiinspektion Stuttgart, das Hauptzollamt Stuttgart sowie die Steuerfahndung beim Finanzamt Stuttgart II zu dieser gemeinsamen Kontrollaktion entschieden haben.

„Den polizeilichen Erkenntnissen zufolge werden zahlreiche Delikte von überörtlich agierenden Tätergruppierungen aus dem osteuropäischen Raum verübt, die sich durch eine hohe Mobilität auszeichnen und das Bundesfernstraßennetz sowohl zur Tatbegehung aber auch zum Transport von Diebesgut nutzen. Den stark frequentierten Autobahnen A 8 und A 81 kommt dabei sowohl in diesem Deliktsbereich als auch bei der Rauschgift- und Schleusungskriminalität besondere Bedeutung zu.“

So heißt es in der offiziellen Mitteilung der Pressestelle des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Dass sich die Mühe zuweilen auch lohnt, zeigt ein früher Erfolg an diesem Tag. Bereits am Vormittag geht den Beamten ein mit Haftbefehl gesuchter, 21-jähriger Georgier ins Netz. Er steht im Verdacht, im Dezember im Raum Freiburg als Mitglied einer Bande Einbruchsdiebstähle verübt zu haben. Seine beiden 30-jährigen Begleiter waren ebenfalls bereits einschlägig in Erscheinung getreten.

„Bei der Überprüfung der Personen ergaben sich erste Hinweise auf mögliche weitere Aktivitäten in Baden-Württemberg. Die Ermittlungsgruppe Wohnungseinbruch beim Polizeipräsidium Ludwigsburg hat die weiteren Ermittlungen übernommen.“

In Zivilfahrzeugen sind Polizeibeamte auf der Autobahn unterwegs und halten die Augen offen nach verdächtigen Fahrzeugen. Hat man ein solches Fahrzeug entdeckt, setzt sich der Polizeiwagen vor das betreffende Auto und in Leuchtschrift erscheint „Polizei, bitte folgen“ im Heckfenster. Gemeinsam geht es dann runter von der Autobahn, an diesem Tag zum Sindelfinger Wald.

Nach welchen Kriterien die Polizei vorgeht, will niemand verraten. Aber „man entwickelt im Lauf der Jahre einen Instinkt. Die Nase und der Bauch geben einem Hinweise: Schau Dir diesen Wagen mal genauer an“, sagt Fell. Obendrein „sind manche Nationen überproportional vertreten. Vor allem Georgier und Rumänen sind es, die häufig in Erscheinung treten. Aber Deutsche können genauso gut Einbrecher sein“, betont Fell.

Währenddessen wird ein neuerer 3er BMW untersucht, rumänisches Nummernschild, voll besetzt mit fremdländisch wirkenden Herrschaften. Dem folgt ein ebenfalls neuer 5er BMW, diesmal mit Kennzeichen mit Kurzzulassung, ebenfalls besetzt mit Herren von osteuropäischem Aussehen. „Der Wagen könnte gestohlen sein“, sagt Fell, „um im Ausland verkauft zu werden.“ Eine Viertelstunde später können beide BMW wieder weiterfahren: nichts gefunden.

Bei der Aktion werden neben den Fahrzeuginsassen und deren Papieren auch die Fahrzeuge selbst und mitgeführtes Gepäck kontrolliert. Die Bundespolizei hat zu diesem Zweck einen Wagen mit entsprechender Dokumenten-Prüftechnik dabei, und der Zoll einen mobilen Gepäckscanner im Einsatz, wie man es vom Flughafen her kennt – das sogenannte Scanmobil. Auch das Navigationsgerät wird ausgewertet. Wenn die letzten Ziele zu Orten führen, an denen es in letzter Zeit Einbrüche gab, ist das auf jeden Fall verdächtig.

Ähnliche, aber meist viel kleinere Kontrollen gibt es fast täglich, betont Peter Widenhorn, Leiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, der die Aktion vor Ort betreut. Die Kontrollen erhöhen die Wahrnehmung der Polizeipräsenz und „senken die Zahl der Einbrüche tatsächlich“, sagt Widenhorn: Im Bereich des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, zu dem auch der Kreis Böblingen gehört, seien es noch im Dezember 152 gewesen, im Januar nur noch 123 Einbrüche.

„Im Verlauf der Kontrollaktion wurden insgesamt 105 Personen kontrolliert. Daneben wurden drei Personen wegen des Verdachts des illegalen Aufenthalts vorläufig festgenommen und einem Personenfeststellungsverfahren zugeführt. Die Steuerfahndung Stuttgart leitete sechs Strafverfahren wegen festgestellter Steuerstraftaten ein. Die Beamten der Bundespolizei untersuchten 176 Dokumente und stellten dabei einen gefälschten internationalen Führerschein fest. Im Scanmobil des Zolls wurden 96 Gepäckstücke durchleuchtet. Ein junger Autofahrer musste an der Kontrollstelle zur Blutentnahme, nachdem Polizisten bei ihm Anzeichen auf Betäubungsmitteleinfluss festgestellt hatten.“

Ins Netz geht der Polizei an diesem Tag auch ein Chinese. Er hat keinen Pass, sondern nur eine Aufenthaltsgenehmigung für Italien. Die ihn somit nicht zum Aufenthalt in Deutschland berechtigt. Und schon steht der Verdacht auf illegalen Aufenthalt im Raum. Vielleicht hat er den Beamten im Verhör eine interessante Geschichte zu erzählen gehabt.

Für die einen war es ein guter Tag, aber nicht für alle. Als um 17 Uhr die Kontrollaktion beendet ist, scheint immer noch die Sonne.

In Böblingen setzt die Polizei ihre Strategie tags darauf im Wohngebiet Tannenberg/Murkenbach fort. Am Spätnachmittag werden im Murkenbachweg auf Höhe des Schulzentrums alle Fahrzeuge, die stadtein- und stadtauswärts fahren, kontrolliert. Die Beamten werfen einen Blick ins Fahrzeuginnere und in den Kofferraum. Die Polizei zeigt Präsenz.

Bei der großen Aktion am Donnerstag hat die Polizei schwerpunktmäßig Verdächtige vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Einbruchserie kontrolliert. Aber auch die Steuerfahndung war vor Ort, und Drogenhund Oscar kam ebenfalls zum Einsatz. Bilder: Steiner