Nachrichten
Bilder
Videos
Abo-Service und Anzeigen
Themen und Portale

Job

Termine und Veranstaltungen
Über uns






Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 09.04.2018

Martyrium einer Prostituierten

Böblingen: Amtsgericht setzt Strafe gegen einen 29-jährigen Gärtringer zur Bewährung aus

Wegen Menschenhandels wurde ein 29 Jahre alter Gärtringer vom Amtsgericht Böblingen zu der Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Eine 27-Jährige hat in ihrem bisherigen Leben viele Grausamkeiten erlebt und über sich ergehen lassen müssen. Sie wohnte mit ihrer Mutter in einem Frauenhaus, sie wurde von einem Zuhälter in furchtbarer Art und Weise mehrfach vergewaltigt, ihr Peiniger wurde bereits vom Landgericht Stuttgart zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Der 29 Jahre alte Gärtringer hat einen entscheidenden Anteil daran, dass die Frau ihren Körper verkaufte. Er betrieb 2010 in Böblingen ein Internetcafé. Dort lernte er die damals noch 20-Jährige kennen. Der Angeklagte wusste von ihrer desolaten finanziellen Situation und sagte, sie könne doch als Prostituierte arbeiten. Dabei würde sie viel Geld verdienen.

Der Gärtringer stellte ihr die Mitangeklagte vor, die damals als Prostituierte arbeitete. Die 34-Jährige führte das Opfer in das Milieu ein. In einem FKK-Klub in Neunkirchen schaffte die 27-Jährige ab dem 2. Oktober 2010 an, innerhalb von zwölf Tagen nahm sie etwa 3000 Euro ein – die sie aber abgeben musste.

Strafbefehl statt Anklage

Zur Verhandlung erschien die 34-Jährige allerdings nicht. Der Staatsanwalt stellte daraufhin den Antrag, die Anklage gegen die 34-Jährige in einen Strafbefehl umzuwandeln. Der Vorsitzende Richter Werner Kömpf folgte dem Antrag. In dem Strafbefehl wurde eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, ausgesetzt zur Bewährung, festgesetzt. Zudem muss die Angeklagte 1000 Euro bezahlen. Der Gärtringer räumte die ihm zur Last gelegte Tat des gemeinschaftlichen Menschenhandels ein. Sein Ziel sei es gewesen, finanziellen Nutzen aus der Prostitution der 27-Jährigen zu ziehen, so die Staatsanwaltschaft. Durch sein Geständnis ersparte er seinem Opfer eine Aussage vor Gericht. Diesen Umstand wertete das Schöffengericht positiv.

Ans Licht kam die Tat erst im Jahr 2016. Im Zuge von Ermittlungen wegen Menschenhandels und Zuhälterei vernahmen die Polizeibeamten auch die 27-Jährige. „Dabei stellte sich uns auch die Frage, wie sie überhaupt zur Prostitution gekommen ist“, sagte ein Kriminalbeamter. So kam die Polizei auf die Spur der beiden Angeklagten, die dafür verantwortlich waren.

„Der Angeklagte erkannte sie als potenzielles Opfer und hatte die Prostitution angebahnt“, sagte der Vorsitzende. Für die 27-Jährige war der Anfang der Prostitution der Beginn eines jahrelangen Martyriums. Sie verkaufte sich in unterschiedlichen Bordellen, das Geld wurde ihr stets abgenommen. Ihre Leidensgeschichte gipfelte in der Vergewaltigung.

Letztes Jahr wurde der Angeklagte bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Diese Strafe wurde in das Urteil des Amtsgerichts Böblingen einbezogen. Das Schöffengericht legte das Strafmaß wegen Menschenhandels in Höhe von einem Jahr und zwei Monaten fest. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre. Der Gärtringer muss 2000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung bezahlen, außerdem 500 Euro an die Geschädigte.