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Von Chefredakteur Jürgen Haar · 10.01.2018

Martin Horn will OB in Freiburg werden

Sindelfingen: Der Europakoordinator im Rathaus kandidiert am 22. April gegen Dieter Salomon / Seit drei Jahren bei der Stadtverwaltung

Martin Horn strebt nach Höherem. Der 33-Jährige aus dem Europa-Büro der Stadt Sindelfingen will Oberbürgermeister von Freiburg werden und kandidiert am 22. April bei der OB-Wahl gegen Amtsinhaber Dieter Salomon (Grüne).

Selbstbewusst startet Martin Horn bei seiner Vorstellung am Dienstag im „Roten Bären“ in Freiburg in den Wahlkampf. „Ich trete hier an, um zu gewinnen“, sagt der 33-Jährige vor Journalisten. Dabei nimmt sich der Pfarrerssohn ein großes Kaliber vor die Brust. Horn kandidiert gegen Dieter Salomon, einem der Vorzeige-Grünen in Deutschland und seit 16 Jahren Oberbürgermeister in der Uni-Stadt.

Nach einem Bericht der Badischen Zeitung haben neben Salomon die Stadträtin Monika Stein von der Linken, Grünen-Mitglied Manfred Kröber und der AfD-nahe Stephan Wermter ihre Kandidatur angekündigt. Die Stelle wird am 16. Februar ausgeschrieben, Bewerbungsschluss ist am 26. März.

Martin Horn geht als parteiübergreifender Kandidat ins Rennen, hat aber die Unterstützung der SPD. Möglicherweise stellen sich weitere Parteien hinter die Kandidatur des 33-Jährigen. Unter anderem die CDU, die einen eigenen Kandidaten, beziehungsweise eine Kandidatin suchte, aber nicht fündig wurde. Martin Horn will mit weiteren Listen, die im Freiburger Gemeinderat vertreten sind, Gespräche über eine Unterstützung führen.

Dass er sich mit Freiburg eine der größten Städte in Baden-Württemberg für seine Kandidatur ausgewählt hat, „hängt nicht von der Größe ab, sondern hat mit Freiburg zu tun“, sagte Horn zur SZ/BZ. „Diese Stadt passt zu meinem beruflichen Hintergrund, zu meinen Interessen und zu meiner Familie“, so der 33-Jährige.

Horn, der in Bremen Politik und in Ludwigsburg Internationale Soziale Arbeit studierte, ist seit drei Jahren in der Abteilung Internationale Angelegenheiten im Sindelfinger Rathaus der Europa- und Entwicklungskoordinator. Zuletzt hat er die Jahrestagung der Deutsch-Griechischen Versammlung im November in Sindelfingen organisiert.

Über den damals 32-Jährigen und seine Arbeit schrieb die SZ/BZ vor einem Jahr: „Mit Martin Horn hat die Stadt einen Mitarbeiter an Bord, der dank seiner Ausbildung, seinem Interesse und seiner Vor-Ort-Kenntnisse auf den afrikanischen Kontinent und den Nahen Osten einen speziellen Blick auf Probleme und Notwendigkeiten wirft.

Es war seine heute 102 Jahre alte Großmutter, die Martin Horn 2004 nach dem Abitur den Impuls gab und sein Interesse für Afrika weckte. An ihrer Stelle reiste der frischgebackene Abiturient vier Wochen durch Namibia, Botswana und Zimbabwe, erfreute sich an der Natur, war Abenteuern auf der Spur, erlebte aber auch bittere Armut. ‚Das hat mich geprägt‘, sagt Horn, der mit seiner Frau, einer Stadtplanerin, und Sohn am Stuttgarter Eugensplatz lebt.“

Seine Bachelor-Arbeit hatte das Thema „Deutsche Entwicklungszusammenarbeit – gestern, heute, morgen“ und die ehemalige Justizministerin Hertha Däubler-Gmelin als Dozentin unterstützte ihn in dieser Aufgabenstellung. Im Rahmen seines Studiums war er in Israel und Jordanien.

Sprungbrett Sindelfinger Rathaus: Martin Horn wäre nicht der Erste, der es in den letzten Jahren vom Mitarbeiter der Stadtverwaltung auf einen Chefsessel in einem Rathaus gebracht hätte. 2010 wurde Damian Komor, damals persönlicher Referent von OB Dr. Vöhringer, zum Bürgermeister von Mainhardt gewählt – im Alter von 26 Jahren. Birgit Flaig, heute Hennemann, ebenfalls persönliche Mitarbeiterin von Dr. Vöhringer, siegte 2012 bei der Bürgermeister-Wahl in Erdmannhausen im Kreis Ludwigsburg. Und 2013 wurde mit Nico Lauxmann ebenfalls ein früherer persönlicher Referent von OB Vöhringer zum Bürgermeister von Schwieberdingen gewählt. Marc Biadacz, von 2010 bis 2013 Leiter des OB-Büros im Sindelfinger Rathaus, ist seit September CDU-Bundestagsabgeordneter.

„Wir haben offensichtlich ein gutes Händchen bei der Personalauswahl“, kommentiert Dr. Vöhringer die Karrieren früherer Rathaus-Mitarbeiter. Den Aderlass für das eigene Rathaus nimmt der Verwaltungschef gelassen: „Das sind gute Leute, die weiterkommen wollen und deshalb nach neuen Herausforderungen Ausschau halten“, so Dr. Vöhringer zur SZ/BZ.

Kandidiert in drei Monaten bei der OB-Wahl in Freiburg: Martin Horn, Europakoordinator bei der Stadt Sindelfingen, fordert Amtsinhaber Dieter Salomon heraus. Bild: Fionn Große