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Von Chefredakteur Jürgen Haar · 25.04.2016

Lolas Dankeslied an Sindelfingen

Sindelfingen: Flüchtlinge schildern im Musical „Sinfonie des Lebens“ ihre Erlebnisse / Aufführung am 3. Oktober in der Stadthalle

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>Es wird gesungen, getanzt und getrommelt – im Musiksaal der Sindelfinger Sommerhofenschule laufen die Proben für das Musical „Sinfonie des Lebens“ auf Hochtouren. Vor den drei geplanten Auftritten beim Internationalen Straßenfest, bei der Wassermusik und am 3. Oktober in der Stadthalle wird zurzeit fleißig geübt.

Es ist eines der größten Projekte für die Sindelfinger Bürgerstiftung. „Die Integration gehört zu unseren fünf Top-Themen“, sagt Dr. Joachim Schmidt, der Vorsitzende der Bürgerstiftung. Nicht erst im letzten Jahr, sondern schon seit 50 Jahren kommen ausländische Mitbürger nach Sindelfingen. Schon deshalb ist es für die Bürgerstiftung eine Selbstverständlichkeit für die Flüchtlinge, die in den letzten Monaten in die Stadt gekommen sind, „ein Klima des Vertrauens und der Hilfsbereitschaft zu schaffen“, so Joachim Schmidt.

Mit dem interkulturellen Musical-Projekt will die Bürgerstiftung mithilfe von Musik, Theater und Tanz zwischen den Bürgern der Stadt, den Kulturvereinen und den Flüchtlingen eine Verbindung und Begegnungen schaffen. 70 Teilnehmer aus 15 Nationen üben so seit Wochen ein bis zwei Mal in der Woche in der Sommerhofenschule unter der künstlerischen Leitung von Adrian Werum für das Musical.

Es sind bislang hauptsächlich die Flüchtlinge, die das Musical tragen. Deshalb hofft man bei der Bürgerstiftung, dass sich in den nächsten Wochen auch noch weitere Teilnehmer aus der deutschen Bevölkerung für das musikalische Projekt begeistern lassen. „Vor allem für den Chor können wir noch Mitstreiter gebrauchen“, sagt Adrian Werum.

Wer so begeistert ist wie Lola, der ist bei der „Sinfonie des Lebens“ genau richtig. Die Frau aus dem Kongo lebt schon seit 1985 in Sindelfingen, hat vier Kinder zur Welt gebracht („alle mit Kaiserschnitt“), lebt am Goldberg und ist bis heute in der Stadt geblieben, wo sie nach einer langen Reise aus Afrika zum ersten Mal ihren Koffer abgesetzt hatte. Ihre Mutter kam später ebenfalls nach Sindelfingen, hat bis zu ihrem Tod in der Pfarrwiesenallee gelebt und ist auf dem Burghaldenfriedhof beigesetzt.

Lolas Dankeslied an ihre neue Heimat („Sindelfingen ist mein Leben“) ist Teil des Musicals. Mit der Gitarre gespielte Erlebnisse oder gesungene Eindrücke über die Wege, die nach Sindelfingen führten – so hat Adrian Werum die „Sinfonie des Lebens“ konzipiert. Erlebnisse auf der Flucht und auf dem Weg nach Sindelfingen, das wird sich aus Sicht des Regisseurs wie ein „roter Faden“ durch das Musical ziehen.

„Ob nach dem Krieg auf der Flucht aus dem Sudetenland, Schlesien oder Preußen, ob in der Zeit des Wirtschaftswunders als Suchender nach einem besseren Leben aus Italien, Portugal oder der Türkei, oder heute über Tausende Kilometer von Syrien, Mali oder Afghanistan, oder vielleicht auch nur wegen der Liebe aus Nordrhein-Westfalen in den Süden gelockt: Jedes Leben hat seine reiche Geschichte mitgebracht und wartet darauf, es mit uns allen zu teilen“, sagt Adrian Werum über sein Drehbuch zum Musical.

Eine Kostprobe der „Sinfonie des Lebens“ haben 5000 Daimler-Mitarbeiter schon einmal genossen. Vor der Betriebsversammlung im Sindelfinger Werk gab es schon einmal zwei Stücke aus dem Musical. Mit großem Erfolg, wie Rüdiger Fürstenberger und Ulrich Weber, die das Projekt vonseiten der Bürgerstiftung leiten, stolz berichten. Die Daimler AG unterstützt die Integrationsprojekte der Sindelfinger Bürgerstiftung für die Jahre 2015 und 2016 mit jeweils 50 000 Euro.

Obwohl man jetzt mit Elan auf das Straßenfest, die Wassermusik und schließlich die Aufführung am Tag der Deutschen Einheit in der Stadthalle hinarbeitet – „es geht nicht nur um diese eine Veranstaltung“, sagt Dr. Joachim Schmidt. Die Bürgerstiftung will mit der „Sinfonie des Lebens“ und mit dieser vielfältigen kulturellen Ausprägung „eine positive gesellschaftliche Wirkung erzielen“.

Info

Wer mitmachen will, kann sich bei der Bürgerstiftung im Sindelfinger Rathaus, Telefon 0 70 31 / 94-800, melden.