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27.08.2015

Kommentar: So bringt Palmer Radler auf die Palme

Elektrorad-Wege: Ein Pedelec, dessen Motor nur läuft, wenn der Fahrer in die Pedale tritt, und der bei 25 Kilometern pro Stunde – oder spätestens bei der Toleranzgrenze von 27,5 – abschaltet, ist ein Fahrrad. Deshalb gehört so ein Pedelec auch auf den Radweg.

Dann gibt es noch die S-Pedelecs. Deren Motoren steigen erst bei 45 Stundenkilometern aus. Sie benötigen ein Versicherungskennzeichen und der Fahrer einen Helm. Rechtlich handelt es sich um Kleinkrafträder. Die gehören nicht auf den Radweg. So ist das zumindest bisher.

Das könnte sich ändern, denn dafür kämpft ein prominenter S-Pedelec-Fahrer: Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer. Der sagt seit Jahren, die Straßen seien ihm mit seinem Elektromoped zu gefährlich. Er wolle damit auch auf den Radweg.

Das Bundesverkehrsministerium hat dies bisher abgeblockt. Die Geschwindigkeitsdifferenz zwischen Alltagsrad und S-Pedelec sei zu groß. Doch nun hat Palmer die Verkehrsexperten offensichtlich weich gekocht. In einer Antwort an den grünen Nürtinger Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel teilte das Ministerium mit, dass die Straßenverkehrsordnung geändert werden solle. Außerhalb geschlossener Ortschaften sollen S-Pedelecs grundsätzlich auf dem Radweg fahren dürfen, innerhalb könnten das die Kommunen entscheiden.

Auf einem Feldweg wie zwischen Renningen und Magstadt (siehe auch Seite 8: Schulweg ohne Löcher und Pfützen), auf dem auch schnelle Traktoren unterwegs sind, mag ein S-Pedelec für einen Radler keine erschreckende Überraschung sein. Auf einem reinen Radweg dagegen schon.

Radwege sind oft auch Gehwege. Die kann man innerorts gleich abschaffen, wenn dort auch Fahrzeuge mit 50 Sachen unterwegs sind. Übrigens hat Palmer dazu auch einen Vorschlag: Man könne innerorts die Geschwindigkeit des Radwegverkehrs auf 25 km/h begrenzen. Da könnte man glatt glauben, Palmer wolle einen Radweg für sich allein.

Karlheinz.Reichert@szbz.de

Von Karlheinz Reichert