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26.07.2020

Kommentar: Breuninger plant in Sindelfingen Goldbach-Quartier

Jubelarien bringen nichts

Von Chefredakteur Jürgen Haar

Keine Rede von Krisenmodus. Selbstbewusst wie eh und je fährt man bei Breuninger im Wirtschaftsabschwung nicht auf Sicht, sondern richtet den Blick weit nach vorne. Die Pläne für das Goldbach-Quartier im Sindelfinger Osten sind für das Stuttgarter Unternehmen eine Weichenstellung bis in die 2030er-Jahre hinein. „Die Einzelhandels-Landschaft entwickelt sich dynamisch und Breuninger versteht sich dabei als treibende Kraft“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.


Doch gerade weil der Einzelhandel einem enormen Wandel unterliegt, diversifiziert Breuninger das Unternehmen. Mit Grundstücken und Immobilien lassen sich in Krisenzeiten stabilere Geschäfte machen. Im Konzept für das Goldbach-Quartier spielt das aufgehübschte Breuningerland eine wichtige Rolle, aber drumherum entsteht „ein neuer Magnet mit überregionaler Strahlkraft“, sagt Breuninger-Chef Holger Blecker.


Breuninger stellt sich neu auf und nimmt dafür über 500 Millionen Euro in die Hand. Und Sindelfingen? Dieser Coup wirkt angesichts des Steuereinbruchs wie Balsam und verspricht mittelfristig eine positive städtebauliche Entwicklung. Entsprechend euphorisch geht es im Rathaus und im Gemeinderat zu. Doch am Ende einer Würdigung der Planungen für das Goldbach-Quartier zählen nicht die Jubelarien von Jung-Stadträten, sondern eine saubere Beurteilung von Chancen und Risiken.


Wenn die Post noch stärker im Osten der Stadt abgehen wird, dann müssen sich der Oberbürgermeister, der Gemeinderat und die Verwaltung endlich auf den Weg machen und für die Innenstadt eine Zukunftsvision entwickeln. Davon ist zwar immer die Rede, und Ankündigungen gibt es genug, aber außer Stückwerk und einigen missglückten Maßnahmen ist in den letzten Jahren nichts passiert. Außerdem dauert alles viel zu lange.


Das muss sich schnell ändern, sonst dümpelt die Innenstadt weiter vor sich hin.



juergen.haar@szbz.de