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Edip Zvizdic · 27.06.2016

"Kleine Sticheleien - aber immer fair"

Italien gegen Spanien ist ein bisschen auch Sindelfingen gegen Böblingen

Kicker, Kollegen, Kumpels – und im Achtelfinale Kontrahenten: José Vallinot (links) und Domenico Vicari. Bild: Zvizdiç

Die Neuauflage des Europameisterschafts-Endspiels von 2012 zwischen Spanien und den vor vier Jahren mit 0:4 unterlegenen Italienern ist der Höhepunkt des EM-Achtelfinales. Sowohl die Tifosi als auch die Fans der spanischen Mannschaft fiebern diesem ewig jungen Duell entgegen. So auch José Vallinot aus Böblingen und Domenico Vicari aus Sindelfingen, die einst 14 Jahre lang gemeinsam für den spanischen Verein CDE Sindelfingen dem runden Leder nachjagten.

Vor dem Duell ihrer Nationalmannschaften trafen sich die beiden Daimler-Arbeitskollegen und gaben ihre Prognosen für das Spiel ab – inklusive kleiner Sticheleien.

Als langjährige Teamkollegen bei CDE Sindelfingen standen Sie Seite an Seite auf dem Platz. Wie hat man denn in der ehemaligen Mannschaft, die aus verschiedenen Nationen bestand und die es seit ein paar Jahren gar nicht mehr gibt, die Duelle zwischen Italien und Spanien früher erlebt?

José Vallinot: „Im Grunde gab und gibt es keine große Rivalität zwischen Italien und Spanien, von Problemen ganz zu schweigen. Man hat schon damals ein wenig gestichelt, aber alles in fairem Rahmen. Früher hatten die Italiener die Nase vorn. In den vergangenen Jahren hatten wir Spanier mit dem WM-Sieg 2010 und den beiden EM-Titeln 2008 und 2012 aber deutlich mehr Grund zum Jubeln.“

Domenico Vicari: „Kleinere verbale Reibereien gab es schon damals, und die gibt es auch heute noch. Aber ich muss sagen, dass der Verlierer nach den Spielen immer fair gratuliert hat. Aber beide Nationalmannschaften haben in den vergangenen Jahren Grund gehabt, sich zu freuen. Wir sind 2006 Weltmeister geworden. Spanien hat die drei Titel danach geholt.“

Was gefällt Ihnen an der gegnerischen Mannschaft?

José Vallinot: „Mir als früherem Abwehrspieler gefällt vor allem die Defensive der Italiener. Mit Gianluigi Buffon im Tor und davor der Dreierkette Andreas Barzagli, Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini hat Italien eine tolle Abwehrreihe aufzubieten. Trotz des fortgeschrittenen Alters der Spieler gibt es da kaum ein Durchkommen.“

Domenico Vicari: „Da ich früher im offensiven Mittelfeld gespielt habe, schaue ich auch immer auf die Offensive des Gegners. Und die ist bei den Spaniern beeindruckend. Vor allem Andrés Iniesta ist überragend. So ein intelligenter Spieler fehlt in unserem Mittelfeld seit Andrea Pirlo nicht mehr dabei ist.“

Spanien und Italien haben relativ souverän die Gruppenphase der Europameisterschaft überstanden. Jetzt kommt es bereits im Achtelfinale zur Neuauflage des vergangenen EM-Endspiels. Wie geht das Spiel aus?

José Vallinot: „Ich bin trotz der 1:2-Niederlage im letzten Gruppenspiel gegen Kroatien überzeugt von der spanischen Mannschaft. Zwar sind wir in die schwierigere Hälfte des Tableaus gerutscht, aber das ist nicht schlimm. Gegen Italien und dann voraussichtlich Deutschland braucht es keine Extra-Motivation. Das Spiel gegen Italien gewinnen wir nach hartem Kampf mit 2:1.“

Domenico Vicari: „Wir haben das letzte Gruppenspiel gegen Irland mit 0:1 in den Sand gesetzt, was aber der Aufstellung von Nationaltrainer Antonio Conte geschuldet war. Ich bin positiv überrascht von Italien. Vor dem Turnier habe ich ehrlich gesagt nicht mit meiner Mannschaft gerechnet. Sie lassen uns zwar lange bibbern, aber das Team bereitet dennoch viel Spaß. Ich denke, dass wir 120 Minuten erleben werden. Und vielleicht auch ein Elfmeterschießen, welches wir natürlich gewinnen.“

Auf den Sieger des Duells wartet danach der nächste Brocken. Dann geht es voraussichtlich gegen Deutschland. Befassen Sie sich schon mit diesem möglichen Spiel?

José Vallinot: „Ehrlich gesagt noch nicht. Für uns gilt es, zuerst einmal die Italiener zu schlagen. Ist das erledigt, können wir uns mit dem nächsten Gegner befassen. Aber ich muss zugeben, das Spiel der beiden letzten Weltmeister hätte seinen Reiz.“

Domenico Vicari: „Ja, weil ich im Geschäft immer wieder darauf angesprochen werde. Ich spüre eine gewisse Angst meiner deutschen Kollegen vor dem drohenden Duell gegen Italien. Deutschland hat uns weder bei einer WM noch bei einer EM geschlagen. Sollte es zu diesem Duell kommen, dann hoffe ich, dass wir diese Serie ausbauen.“