Nachrichten
Bilder
Videos
Abo-Service und Anzeigen
Themen und Portale

Job

Termine und Veranstaltungen
Über uns






Standpunkt von SZ/BZ-Redakteur Dirk Hamann · 19.06.2020

Klärschlamm-Pläne in Böblingen: Bürger müssen mit ins Boot

Von unserem Redakteur Dirk Hamann

Verbrennungsanlage in Böblingen: Der Zweckverband Restmüllheizkraftwerk (RBB) mit Landrat Roland Bernhard an der Spitze, plant, beim Restmüllheizkraftwerk eine Klärschlammverbrennungsanlage zu bauen. Damit sollen das wachsende Problem der Klärschlamm-Entsorgung gelöst und die Chance, vor Ort die Fernwärmeproduktion zu erhöhen, genutzt werden. Dazu wird der ökologische Nutzen hervorgehoben, denn die Klärschlamm-Verbrennung gilt als klimaneutral.


Klingt nach einer Art Eier legender Wollmilchsau, sprichwörtlich könnte aus Kacke auf umweltfreundliche Art Geld gemacht werden. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Und das nicht nur, weil den Böblingern vor 30 Jahren zugesagt worden ist, dass außer dem Restmüllheizkraftwerk an diesem Standort keine weitere Verbrennungsanlage gebaut werden soll.


In Böblingen sollen bis zu 100 000 Tonnen Klärschlamm jährlich verbrannt werden – 180 000 Tonnen seien maximal möglich, hieß es in dieser Woche im Böblinger Gemeinderat. In den zum RBB gehörenden Kreisen sowie der Landeshauptstadt Stuttgart fallen insgesamt jährlich allerdings nur 60 000 Tonnen an. Deshalb fragt man sich, wo der ganze Klärschlamm für die geplante Anlage herkommen soll.


Insgesamt müssen in Baden-Württemberg rund 240 000 Tonnen Klärschlamm jährlich entsorgt werden. Davon landen derzeit etwa 55 000 Tonnen in Mono-Verbrennungsanlagen. Es ist also zu befürchten, dass viele Laster Klärschlamm aus jeder Ecke des Landes nach Böblingen karren werden. Das ist ebenso wenig klimafreundlich wie der Umstand, dass für den Bau der Anlage ein Hektar Wald weichen muss.


Alles Punkte, die man in der weiteren Diskussion ebenso wenig außer Acht lassen darf wie die Tatsache, dass es verschiedene alternative Technologien wie die Pyrolyse oder die Vergasung zur dezentralen Verwertung von Klärschlamm gibt. Über allem steht jedoch, endlich die Bürger mit ins Boot zu nehmen, transparent zu informieren und zu Wort kommen zu lassen.



dirk.hamnn@szbz.de