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Von SZ/BZ-Chefredakteur Jürgen Haar · 05.06.2020

Keine Ruhe für die Familie Schleyer

Kommentar

Jürgen Haar

Erinnerungskultur: Die Aufarbeitung der Vergangenheit hat kein Verfallsdatum. Es ist eine Aufgabe, die niemals endet. Und so ist es legitim, dass man in Stuttgart die Namensgebung von Straßen und öffentlichen Gebäuden einer Aufarbeitung unterziehen will.

 

Auch wenn man „einem Ergebnis nicht vorgreifen will“, formuliert das Linksbündnis im Gemeinderat in seinem Antrag explizit aber gleich mit, wohin die Reise gehen soll: Es sind im Zusammenhang mit den Namensgebungen von Straßen, Plätzen und öffentlichen Gebäuden die „Fälle“ des Auto-Pioniers Ferdinand Porsche, des ehemaligen Bundeskanzlers Kurt Georg Kiesinger und des früheren Daimler-Vorstands Hanns Martin Schleyer „zu prüfen“.

 

 

Dass ausgerechnet Linke jetzt wieder den von Linksterroristen ermordeten Arbeiterpräsidenten Hanns Martin Schleyer auf die Liste der Personen 
setzen, deren Gedenken in Zweifel gezogen werden soll, ist für die Familie Schleyer, die in Teilen in Stuttgart lebt, besonders bitter.

 

 

Das gilt auch für die Reaktionen auf das Ansinnen des Linksbündnisses. Niemand, auch nicht das bürgerliche Lager, verliert ein Wort über das Leid und den Verlust, den die Familien der von den RAF-Terroristen getöteten Männer im Zusammenhang mit der Schleyer-Entführung erlitten haben. Dagegen wird linken Aktionen in der Öffentlichkeit breiter Raum gegeben und linke Gewalt, wie zuletzt in Berlin gegen ein ZDF-Fernsehteam und auf dem Cannstatter Wasser, systematisch heruntergespielt.

 

 

Wenn es so einseitig läuft, wird Vergangenheitsbewältigung nicht gelingen. Die Erinnerungskultur muss nämlich alle Seiten einer Medaille betrachten.

 

 

 

 

 

juergen.haar@szbz.de