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Von unserem Redakteur Karlheinz Reichert · 21.04.2017

Keine Produktion in Billiglohnländern

Gärtringen: Sitronic investiert zuletzt neun Millionen Euro in die hiesigen Werke / Unternehmen liefert Bauteil für Elektrotransporter der Post

Die Sitronic GmbH & Co. KG wächst schnell. Seit der Weltwirtschaftskrise 2008/09 sind bei dem Gärtringer Unternehmen, das 1969 in Sindelfingen gegründet wurde, jährlich zweistellige Steigerungsraten die Regel. Dabei legt Geschäftsführer Heinz-Dieter Müller besonderen Wert auf die Stärkung des Standorts Deutschland.

Das Gärtringer Unternehmen Sitronic entwickelt Anwendungen für die Automobilelektronik und Automobilsensorik von der Idee bis zur Serientauglichkeit und fertigt elektrische, elektronische und sensorische Produkte für nationale wie internationale Kunden, auch im Auftrag Dritter.

Das Unternehmen arbeitet auf den tausendstel Millimeter genau und kann auf den tausendstel Milliliter exakt kleine Klebemengen auf Leiterplatten aufbringen. Produziert wird vor allem in Deutschland und da hauptsächlich in Gärtringen. Heinz-Dieter Müller: „Wir sind stolz darauf, dass wir in alle Welt liefern, aber wir sind nicht gezwungen ins Ausland zu gehen. Wenn wir im Ausland produzieren, dann nicht zum Nachteil des Standortes Deutschland.“

Vor allem das Wissen werde man nicht aus der Hand geben, sagt Heinz-Dieter Müller im Gespräch mit der SZ/BZ: „Das Know-how für die Technik wird in Deutschland bleiben. Die Patentschmiede und die Datenbank sind hier.“

2014 beschäftigte Sitronic in Deutschland 150 Mitarbeiter, Mitte letzten Jahres 220 und inzwischen 290. Parallel dazu hat das Unternehmen investiert, allein neun Millionen Euro im letzten Jahr. Dabei kostete die technische Ausstattung der neuen Fertigungslinien mehr als die Gebäude. Im Gärtringer Werk I kamen 900 Quadratmeter Produktionsfläche neu hinzu. Neu gebaut wurde das Werk II mit 600 Quadratmetern Produktionsfläche.

International ist Sitronic mit einer Tochtergesellschaft in den USA und mit Handelsvertretungen in Südkorea (Seoul) sowie seit diesem Jahr in China (Shanghai) vertreten.

Dabei hält man in der Gärtringer Firmenzentrale wenig davon, Mitarbeiter aus Deutschland in ferne Länder zu schicken. Vertriebsleiter Sven Easterbrook: „Wir haben erkannt: Wenn wir in ausländischen Märkten Geschäfte machen wollen, brauchen wir jemand, der das Land und die Mentalität der Leute kennt.“ Deshalb setzt Sitronic auf Einheimische: „Dazu haben wir den Vorteil, dass der amerikanische Kollege auch uns versteht, denn er ist zwei Jahre lang in Deutschland zur Schule gegangen.“ Der US-Markt, so Müller, entwickle sich für Sitronic gut.

Große Hoffnungen setzt der Geschäftsführer auf China: „Alternative Antriebe werden dort intensiv diskutiert. In Sachen Elektroauto gibt es dort eine unheimliche Dynamik.“ Dazu Easterbrook: „Das liegt an der Staatsform. Da wartet man nicht auf den Kunden. Da wird das verordnet.“

Der Elektroantrieb ist eine Seite, auf der Heinz-Dieter Müller große Möglichkeiten für sein Unternehmen sieht. Der Anfang dazu sei gemacht. In jedem Elektrotransporter Street-Scooter der Deutschen Post befinde sich ein Bauteil von Sitronic.

Eine andere Seite ist das autonome Fahren: „Der Anspruch an das Klima im Fahrzeug wird anders, wenn das Auto zum Büro wird, denn Kälte und Feuchtigkeit empfindet man bei der Schreibtischarbeit anders, als wenn man mit Lenken, Schalten und Bremsen beschäftigt ist.“ Das Unternehmen produziert auch Klimaregler für Fahrzeuge.

In den letzten Tagen hatte Sven Easterbrook erstmals nicht nur die deutschen, sondern dazu auch die internationalen Vertriebler in Gärtringen versammelt. Über die Schulungen hinaus ergab sich dabei für Easterbrook ein überraschender Gewinn: „Unser chinesischer Partner hat Kontakte in die USA. Daraus könnte sich eine neue Zusammenarbeit ergeben.“

Vertriebstreffen bei Sitronic: in der Mitte sitzend (blaues Hemd) Geschäftsführer Heinz-Dieter Müller, links hinter ihm stehend Vertriebsleiter Sven Easterbrook. Bild: z