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14.02.2018

Kein Tag für Zyniker

Liebe und Fasten: Welch ein Tag. Bisweilen zeitigt der Kalender ja seltsame Kombinationen von Fest-, Feier- und Gedenktagen. Was will uns das Schicksal sagen, wenn der Valentinstag und der Aschermittwoch zusammenfallen. Der Tag der Liebenden und der Tag der Buße – ein gefundenes Fressen für beziehungsmüde Zyniker.

Da ist die Liebe – fordernd, überschäumend, nicht berechnend. Ein Tollhaus. Toll, vermerkten schon die Gebrüder Grimm in ihrem Deutschen Wörterbuch, im Sinne von „des oder wie des Verstandes oder des Bewusstseins beraubt“. Es sind die närrischen Tage der jungen Liebe, die den Pulsschlag anheizen. Schmetterlinge in den Bauch zaubern. Der Rausch der Verliebtheit. Liebe macht blind, heißt es.

Und am Aschermittwoch ist alles vorbei, mögen die beziehungsfernen Miesmacher anfügen – und dabei auch noch auf Klassiker verweisen: Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang, sagte schon Schiller. Den tollen Tagen folgen also Sack und Asche? Dem Rausch das Fasten? Fasten. Nüchtern. Ernüchterung? Sehn wir es positiver: Der Zauber der jungen Liebe muss ja nicht in jedem Falle ewig anhalten. Aber die Konsequenz lautet deshalb auch nicht zwangsläufig, das Aschenkreuz der Buße, der Entsagung tragen zu müssen.

Fasten heißt gleichermaßen Erneuerung, Kraft zu schöpfen – warum nicht auch für die Liebe? Dies mag als gute Botschaft aus dem Tag herauszulesen zu sein, an dem der Aschermittwoch und der Valentinstag zusammenfallen – falls er überhaupt eine Botschaft hat.

hansjoerg.jung@szbz.de

Von Hansjörg Jung