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Von unserer Mitarbeiterin Annette Nüßle · 01.08.2017

„Kein Mensch wird als Rassist geboren“

Sindelfingen: Schülerinitiative am Stiftsgymnasium führt zur Auszeichnung „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ / Comedian Özcan Cosar ist der Pate für die Aktion

Rassismus kann einem täglich in den unterschiedlichsten Formen begegnen. Still zu sein, es einfach hinzunehmen, dagegen wollen sich die Schüler des Stiftsgymnasiums ganz bewusst stellen und setzen mit der Aufnahme in das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ein deutliches Zeichen.

„Ich freue mich, dass ich heute nur die Begrüßung machen darf“ – mit diesen Worten eröffnete Schulleiterin Nadine Kußler die Verleihungsfeier. „Wir sind sehr stolz, dass dieses Projekt von Schülern initiiert, auf den Weg gebracht und bis hierher zur Verleihung gebracht wurde, und so übergebe ich auch die Verleihung in deren Hände.“

Die vier Abiturienten Sebnem Aydin, Sophie Geier, Linda Wehrstein und Maximilian Ullrich waren es, die vor zwei Jahren im Rahmen einer Themenwoche das Thema Rassismus eingebracht haben. „Vom Netzwerk Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage habe ich durch meine Cousine erfahren“, berichtet Sophie Geier und ergänzt, dass für sie und ihre Freunde sofort klar war, dass dies das Ziel für das Stiftsgymnasium sein muss, Bestandteil des Netzwerks zu werden.

Neben der schriftlicher Verpflichtung der Schüler stand auch die Suche nach einem Paten auf der Agenda der Schüler.

„Wir haben lange überlegt, wer zu uns und zu diesem Projekt passen würde“, erläuterten die Vier. „Wir haben uns dann für den Comedian Özcan Cosar entschieden, und um unseren Wunsch zu unterstreichen, haben wir neben einer E-Mail auch eine seiner Veranstaltungen besucht und ihn anschließend angesprochen.“

„Es ist mir eine Ehre, dass ihr mich ausgesucht habt“, waren dann auch die Eingangsworte des Paten bei der Verleihung, „denn Rassismus muss im Kleinen bekämpft werden.“ Er werde sich auch in Zukunft bei entsprechenden Aktionen im Rahmen des Projekts einbringen, um so auch aktiv mit der Schulgemeinschaft den Titel zu leben.

In seiner Einführung machte Deniz Tekin, unter anderem Gemeinschaftskundelehrer, deutlich, dass kein Mensch als Rassist geboren wird, sondern zum Rassisten gemacht wird. Der Lehrer mit türkischen Wurzeln berichtete, wie er selbst dem allgegenwärtigen Rassismus bereits in seiner Jugend ausgesetzt war. Weiter setzte er Rassisums mit Ungleichwertigkeit gleich und betonte, dass auch die Diskriminierung im Bezug auf Religion, sozialer Herkunft oder sexueller Orientierung nicht zu dulden sei.

„Seid gute Anti-Rassisten“, forderte er die Schüler auf, „und seid euch darüber im Klaren, das erfordert ein permanentes Handeln. Ihr seid oft mutiger, als wir Erwachsene, und deshalb liegt es auch an Euch, sich gegen Rassismus in und außerhalb der Schule zu wehren.“

In seiner Laudatio verwies Landeskoordinator Stephan Reichstein darauf, dass der 20. Juli ja ein Datum mit mehreren Bedeutungen ist. Das fehlgeschlagene Hitler-Attentat auf der einen Seite, und dass 1906 das erste Gesetz zur Einführung des Frauenwahlrechts in Finnland verabschiedet wurde, mache deutlich, wie groß die Spannbreite von rassistischem Handeln sei. Das Stiftsgymnasium sei die 180. Schule in Baden-Württemberg, die sich gegen jegliche Form von Rassismus wende. Er beglückwünsche die Schüler zu diesem Schritt. Das Netzwerk umfasse derzeit 2500 Mitgliedsschulen mit rund 1,4 Millionen Schülern.

Gemeinsam gegen Rassismus und für mehr Courage tritt das Stiftsgymnasium mit seinem Paten Özcan Cosar (erste Reihe, mit schwarzer Jacke) ein. Bild: Nüßle