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Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 10.02.2018

Kehrtwende auf dem 5. Kontinent

Das Porträt: Der gebürtige Böblinger Johannes Kult wollte einst Wirtschaftsinformatiker werden und leitet stattdessen nun das SVB-Sportstudio Paladion

Manchmal ist es weit bis zur Erkenntnis, dass der eingeschlagene Weg nicht der richtige ist. Bei Johannes Kult war dieser Weg rund 14 500 Kilometer lang. Das ist die Entfernung zwischen Deutschland und Australien. Down Under reift in dem heute 32-Jährigen die Entscheidung, nach seiner Weltreise nicht im Büro zu arbeiten, sondern dass er „etwas mit Bewegung“ machen will. Diesen neuen Plan hat er umgesetzt, seit dem 1. Januar vergangenen Jahres ist er Leiter des Sportstudios Paladion der SV Böblingen.

Johannes Kult ist Böblinger. Am kaufmännischen Schulzentrum hat er seine Fachhochschulreife erlangt. Anschließend studierte er an der Fachhochschule für Medien in Stuttgart Wirtschaftsinformatik und schloss die Ausbildung ab. Danach stand eine Weltreise von einem halben Jahr auf dem Programm. Australien, Neuseeland und Südostasien waren die Ziele. „Aus diesem halben Jahr sind zweieinhalb geworden“, erzählt Kult. „Ich war in dieser Zeit sehr aktiv und viel in Bewegung und habe viel trainiert. Ich habe erkannt, dass ich mich nicht in einem Büro sehe und acht oder zehn Stunden an einem Computer sitze.“ Genau in diese Richtung wäre sein Berufsleben gegangen, hätte er sich auf das Gleis Wirtschaftsinformatik begeben.

Kult hatte das Glück, in Australien unter anderem in einer Firma beschäftigt gewesen zu sein, die eine Perlenzucht betreibt. „Ich war für die Taucher zuständig“, sagt Kult, der so viel Geld verdiente, dass er mit einem Polster 2013 nach Deutschland zurückkehrte. Kaum in der Heimat angekommen, erlangte der 32-Jährige die Trainerlizenz B im Bereich Fitness, bei der SV Böblingen begann er als geringfügig beschäftigter Trainer zu arbeiten. Ebenfalls im Jahr 2013 startete Johannes Kult ein Fernstudium am Institut IST mit Sitz in Düsseldorf, 2015 schloss er es mit dem Titel Fitnessfachwirt ab. Bei der SVB übernahm er die Trainingsleitung für die gesamte Studiofläche, seit 1. Januar des vergangenen Jahres ist er nun Leiter des Sportstudios. „Auf dieses Ziel habe ich nicht hingearbeitet. Es hat sich so entwickelt“, sagt Kult.

Eine seine ersten Aufgaben war es, dem Paladion einen komplett neuen Charakter zu verordnen, das Sportstudio von seinem angestaubten Image zu befreien. „Die Einrichtung, die Farbe, die Theke, das wirkte alles etwas altbacken“, sagt Kult, der sich gemeinsam mit Vereinsmanager Harald Link an die Aufgabe machte, den Vorstand der SVB von einem dringend anstehenden Umbau zu überzeugen. „Johannes hat die richtigen Argumente gesammelt und dem Vorstand präsentiert. Ihm ist es gelungen, die Notwendigkeit einer Sanierung darzustellen“, sagt Harald Link. Überhaupt hält er große Stücke auf seinen Sportstudioleiter: „Johannes ist im positiven Sinne ehrgeizig. Er hat einen guten Kommunikationsstil seinem Team gegenüber, er ist respektvoll und verlässlich und, wenn es notwendig ist, auch verbindlich und klar in seinen Ansagen.“

Vom 24. Juli bis zum 10. September des vergangenen Jahres liefen die Umbauarbeiten, der Betrieb wurde in dieser Zeit nicht eingestellt. Das Resultat kann sich sehen lassen: Das Paladion wirkt mit den dominierenden Farben Blau, Weiß und Schwarz frisch, die neue Theke ist ein Blickfang, der Kardio- und der Krafttrainingsbereich wurden aufgewertet, eine Triggerwand neu installiert. „Das Studio hat einen komplett neuen Charakter erhalten“, sagt Kult, der sich nach den Umbaumaßnahmen ein Ziel gesetzt hat: Zum Ende des Jahres 2017 sollen 1300 Menschen Mitglied im Paladion sein. Diese Marke erreichte er nicht ganz, es waren Ende des vergangenen Jahres 1289. Inzwischen kratzt die SVB an der 1300er-Marke. Kult gibt sich damit nicht zufrieden: „Mein Ziel ist, dass wir Ende dieses Jahres 1350 Mitglieder haben.“

Der 32-Jährige steht wöchentlich etwa 13 Stunden auf der Trainingsfläche, Zwei Drittel seiner Arbeitszeit nutzt er für administrative und organisatorische Aufgaben. Die Zweiteilung gefällt ihm. „Diese Vielfalt finde ich interessant. Es macht mir Spaß, zu trainieren und damit unmittelbar einen Dienst an unseren Kunden zu leisten. Es macht Spaß, planerisch tätig zu sein. Ich sehe eine Idee vor meinem geistigen Auge und versuche dann, sie umzusetzen“, sagt Kult.

Dazu passt, dass er möglichst rasch den Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements ausbauen will, eigens dafür will er einen Mitarbeiter gewinnen. Kult: „Dieser Bereich ist ein weites Feld, auf dem wir noch viel leisten können.“ Es geht um Kooperationen zwischen einer Firma und dem Verein, um Trainingsangebote vor Ort in einem Betrieb oder um Angebote im Sportstudio für Mitarbeiter eines Unternehmens. „Im Grunde ist hier alles möglich von Impulsvorträgen bei den Firmen bis hin zu Teambuilding oder Informationen zur Ernährung“, sagt Kult.

Der 32-Jährige ist neben seiner Arbeit als Leiter der Sportstudios noch freiberuflich tätig, er leitet eine Outdoor-Fitnessgruppe. Diese steht allerdings nicht in Konkurrenz zum Paladion. „Die Gruppe besteht aus etwa 20 Personen, die nicht in einem Studio, sondern im Freien trainieren wollen“, sagt Kult, der sich Plätze in der Stadt sucht, um die dortigen Gegebenheiten nutzen zu können, so beispielsweise das Gelände der Ludwig-Uhland-Schule.

In seiner Freizeit spielt Sport bei Johannes Kult eine wichtige Rolle. So geht er gerne nach Stuttgart, um zu bouldern. Vor diesem Hintergrund freut er sich riesig, dass direkt neben dem Paladion das Rocadion entsteht, eine große Kletter- und Boulderhalle. Johannes Kult: „Für die Stadt ist diese Halle ein großer Gewinn.“ Und er freut sich auf den Frühling, dann kann er „in den Bergen klettern gehen und dabei völlig abschalten“. Und dabei bekommt er, nicht ganz so fern der Heimat, mitunter neue Erkenntnisse und neue Ideen.

SZ/BZ-Mitarbeiter Thomas Oberdorfer hat den Bau des Paladions von Anfang an begleitet.