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Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden · 03.12.2016

Kaltes Blut mit warmen Vorlieben

Sindelfingen: Die Messe „Fisch & Reptil“ steht noch bis Sonntag unter dem Motto „Wissen schützt Tiere“

Unterm Leitmotto „Wissen schützt Tiere“ steht die diesjährige Messe „Fisch & Reptil“ in der Sindelfinger Messehalle. Unter rund 120 Ausstellern, die alles Erdenkliche rund um Fisch, Echse und Spinne verkaufen, wartet auch ein Informationsprogramm auf der Messebühne.

Schlangen und Echsen sind jedermanns Sache nicht. Für manche strahlen sie indes eine unwiderstehliche Faszination aus. Um Tim Zellers Unterarm kringelt sich gerade ein Königspython wie ein Armreif. Sieht man solch eine schöne Schlange friedlich-freundlich an Halters Hand, dann ist der Wunsch, auch solch ein Reptil in häuslicher Nähe haben zu wollen, durchaus nachvollziehbar.

Tim Zeller vom Reptilium Landau aber warnt: „Wir kriegen viele Tiere.“ Denn so unproblematisch wie sich das hier, gezeigt vom Experten auf der „Fisch & Reptil“ darstellt, ist das ganz und gar nicht. Vor allem Tiere aus dem Baumarkt oder einstige Spontankäufe landeten oftmals beim Landauer Reptilienzoo, dem flächenmäßig größten Reptilienzoo Deutschlands, erklärt Tim Zeller. Meist weil die Tiere zu groß würden oder zu teuer.

„Die Stromkosten sind enorm“, erläutert Zeller die bei Schlangen- und Echsenhaltung oft hohen Energiekosten. Die entstehen durch Wärme- oder Heizlampen. Denn die kaltblütigen Tiere, je nach Ursprungsland, mögen’s heiß. 30 bis 40 Grad für „Australier“, bei „Afrikanern“ sei’s ein bisschen weniger. Tim Zeller gibt noch zu bedenken, was bei spontan aufflammender Begeisterung oft vergessen wird. Die Tiere werden oft alt bis steinalt. Ein hier gezeigter Python aus Landau hat schon 37 Jahre unter der Schlangenhaut. „Ich hab’ eine Schildkröte, die geht auf die 90“, erzählt Zeller. Nicht nur der Reptilienzoo, auch die Auffangstation für Reptilien München klärt bei der Messe über Probleme auf.

Trotz dieses Bemühens um Tierschutz, Peta fordert, solch eine Messe wie die Fisch & Reptil zu verbieten. Dabei kann sich die Tierrechtsorganisation auf das Verbot für gewerbliche Tierbörsen für exotische Tierbörsen berufen, das im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung von 2013 steht. Ein Gesetz ist daraus bislang nicht geworden.

„Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird“, gibt Messebetreiber Ralph Michael Hohenstein zu erkennen, dass er nicht davon ausgeht, dass dieses Verbot in der nur noch bis 2017 laufenden Legislaturperiode in Gesetzesform gegossen wird. „Das Damoklesschwert ist da“, sagt er dennoch und verweist darauf, dass die meisten hier ausgestellten Tiere Nachzuchten seien.

Hohenstein rechnet an den drei Messetagen mit 13000 bis 15000 Besuchern, viele aus der Umgebung. Die Besucher kämen aber auch aus ganz Deutschland, dem angrenzenden Ausland und sogar den USA. „Deutschlandweit sind wir unter den Top drei“, so der Messechef.

Neben Workshops etwa zur Futtertierzüchtung, zahlreichen Fachvorträgen wie „Alte und neue Plagegeister im Meerwasseraquarium“ und Expertentipps aus erster Hand an vielen Ständen gibt es auch viele käuflich erwerbbare Tiere von der Gespensterheuschrecke über die ungiftige Kornnatter im Schnürsenkelformat bis zu Korallen.

Patrick Lehmann ist mit Frau und Töchterchen aus der Marbacher Gegend zur „Fisch & Reptil“ gekommen und geht nun wieder mit einem zusätzlichen, neuen Familienmitglied. Er hat neben Zubehör auch eine kleine Echse, eine Bartagame gekauft. „Hier gibt es einfach die gute Möglichkeit, sein Terrarium auf Vordermann zu bringen“, begründet er seinen Messe-Besuch. Dazu könne man direkt mit Herstellern sprechen, auch die Möglichkeit zum Lebendtier-Kauf findet er besser als im Internet - Letzteres für ihn ohnehin Ausdruck einer „traurigen Situation“.

Info

Die „Fisch & Reptil“ in der Sindelfinger Messe Schwertstraße 58 läuft noch heute und morgen. Öffnungszeiten täglich 10 bis 18 Uhr. Eintrittspreis 10 Euro (Erwachsene) und 8 Euro ermäßigt. Kinder unter 16 Jahren frei.

Schlange halten sieht schön einfach aus. Das ist ein Irrtum, warnt Tim Zeller. Der Experte vom Reptilium Landau lässt sich hier von einem Königspython

umschlängeln.

Bild: Heiden