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Von unserem Redakteur 
Jürgen Wegner · 01.06.2020

Jetzt gibt’s frische Luft auch ohne Wind

Fitness und Gesundheit: Wie andere Studios öffnet auch die Sportwelt des VfL Sindelfingen – und das mit bemerkenswerten Randnotizen

  • VfL-Vizepräsident Andreas Bonhage, Sportmanager Harry Kibele und Studioleiter Andreas Hagedorn mit der neuen windfreien Klimaanlage ((von links).

Beim VfL Sindelfingen kommt die Welt nicht nur langsam wieder in Ordnung, weil die Sportwelt wieder öffnet. Auch der Anbau liegt voll im Zeitplan, der Boden für die neuen Angebote in der Erweiterung ist bereits bereitet. Und der VfL nutzte die Corona-Pause auch noch für Arbeiten, die zu einem späteren Zeitpunkt den laufenden Betrieb gestört hätten.

Am heutigen Dienstag kehren die Sportler zurück in die Kurse und auf die Fläche. Nicht ganz so wie vor der Pause, denn es gilt, Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Das Konzept dafür steht – und im Laufe der Woche geht dazu Anlage in Betrieb, die den Wohlfühlfaktor zusätzlich ankurbelt.

 

„Wind-free“ nennt sich die Technologie, mit der das neue Klimasystem die Temperaturen regelt. Dass über die neuen Module kein Rauschen und keine Zugluft entstehen, steigert zusätzlich das Wohlbefinden. Eigentlich sollte im Bestand erst dann eine neue Klimaanlage kommen, wenn auch der Anbau angedockt ist. Doch während der Corona-Schließzeit eröffneten sich neue Möglichkeiten.

 

 

In einem Vaihinger Hotel hatte sich der VfL-Vorstand vor zwei Wochen unter eine der modernsten Klima-Anlagen überhaupt gesetzt und war beeindruckt. Als dann noch klar wurde, dass es keine Mehrkosten verursacht, diese jetzt schon in den Altbau zu integrieren, anstatt auf den Anbau zu warten, ging sofort die Bestellung raus. Diese Woche geht die Anlage in Betrieb, die weniger Luft verwirbelt und eine Sportfläche auch nicht in einen Eisschrank verwandelt.

 

 

Doch wie funktioniert der Neustart in der Sportwelt eigentlich? Bisher waren zu Stoßzeiten mehr als 60 Sportler auf der Fläche. Durch die Corona-Regeln sind es nur noch maximal 38, „womit wir das Thema nicht ganz ausgereizt haben“, sagt Andreas Hagedorn. Um Warteschlangen vor dem Haus zu vermeiden, setzt der VfL auf ein Online-Buchungssystem, über das sich die Mitglieder ein 50-Minuten-Zeitfenster wählen. Auch telefonisch ist das möglich. Da somit die Daten erfasst sind, müssen die Mitglieder auch keine Datenblätter ausfüllen, was ansonsten nötig wäre, um eventuelle Infektionsketten zu erkennen.

 

 

Der Ablauf

 

 

Kurz vor dem Start der Einheit werden die Sportler vor dem Eingang abgeholt und tragen dabei schon Sportkleidung. Eine Maske ist auf den Verkehrswegen empfohlen, nicht aber beim Training. Im Foyer stehen kontaktlose Desinfektionsmittel-Spender. Duschen bleiben wie alle sanitären Anlagen und Wellnessbereiche ausgenommen der Toiletten geschlossen, nur Schuhe können gewechselt werden. Dann geht es auf die Fläche. Nach Ende der 50 Minuten verlassen alle das Gebäude, dann wird ordentlich durchgelüftet. Bei Kursbesuchern läuft das genauso, nur zeitversetzt. Das Personal arbeitet weitgehend hinter Plexiglas.

 

 

Um den Betrieb zusätzlich zu entzerren und den Abstand zu gewähren, stehen die Geräte zum Teil weiter auseinander. Manche sind auch aus dem Betrieb genommen. Außerdem hat die Sportwelt die Öffnungszeiten pro Woche um 13 Stunden ausgeweitet. Trainiert wird werktags von 6 bis 23 Uhr, an Samstagen und Sonntagen von 9 bis 19 Uhr. Und weil es in der Sportwelt sogar einen Freiluft-Trainingsbereich gibt, sind Spinning-Kurse möglich – unterm Dach sind hochintensive Ausdauereinheiten zu Corona-Zeiten nicht erlaubt.

 

 

So läuft also der Neustart, aber was passierte in der Corona-Schließzeit? Sportlich eher wenig, aber immerhin ein bisschen. Doch auch wenn der VfL Sindelfingen Online-Angebote machte und im Hauptverein insgesamt über 200 000 Euro an Einnahmen wegbrachen, werden für April und Mai anders als bei den allermeisten Fitness-Tempeln keine Beiträge eingezogen. Etwa 160 000 Euro groß ist das Loch in der Kasse durch die fehlenden Einnahmen der Sportwelt. Dazu ruhen Kooperationen, Gesundheitstage sind aufgeschoben, Seminare gestrichen, Rehasport und Kindersportschule brachen weg. Welche Defizite die einzelnen Abteilungen melden, ist noch unklar.

 

 

„Nach intensiven Diskussionen fiel dieser Beschluss im Vorstand einstimmig. Wir sind ein gemeinnütziger Verein, keiner muss hier persönlich Geld verdienen und wir sind uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Die Menschen müssen alle einen schweren Rucksack tragen, leiden unter Kurzarbeit. Der Solidargedanke spielt die zentrale Rolle“, sagt der stellvertretende Präsident Andreas Bonhage.

 

 

Dabei sei der VfL Sindelfingen finanziell gerüstet, eine gewisse Zeit zu überbrücken ohne in Existenznot zu kommen. Andreas Bonhage: „Wir müssen knapsen, aber wir überleben es. Viel länger hätten wir das jedoch nicht durchhalten können.“ Die Rücklagen, die der Verein aufgebaut hat, sind wiederum den Einnahmen aus der Sportwelt zu verdanken. Unter anderem flossen deshalb sogar schon Dividenden in die Abteilungen. Das ist ein entscheidender Grund dafür, die Sportwelt zu erweitern.

 

 

Der Anbau liegt dabei nicht nur genau im Zeitplan – mittlerweile ist die Kellerdecke fertig und der Boden für die Zukunft somit bereitet – der Generalunternehmer Nusser aus Winnenden hat sich selbst sogar schon überholt und dafür auf kurzem Wege allerhand Bauleute mobil gemacht. So sind die Durchbrüche vom Alt- in den Neubau erledigt und eingehaust, damit der laufende Betrieb nicht gestört wird. Die Betonsägen sind wieder eingepackt. Kabeltrassen sind gezogen, Anschlüsse für Wasser, Strom und Fernwärme vorbereitet. All das war ursprünglich für einen späteren Bauabschnitt geplant und erspart dem VfL, dass er im Herbst das Haus für diese Schritte vorübergehend schließen muss.