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Von unserer Redakteurin 
Rebekka Groß · 01.06.2020

Jahrgangsfeiern: Von Kriegen und Coronakrise

Sindelfingen: Wegen des Coronavirus werden die Pfingst-Jahrgangsfeiern auf das nächste Jahr verschoben

Üppig beladene Geschenke-Tische wie hier bei der 50er-Feier des Jahrgangs 1903, waren bei den Jahrgangsfeiern bis Anfang der 60er Jahre Gang und Gäbe. Bild: Fehrmann/z

Zwei Weltkriege, bittere Armut in der Nachkriegszeit und Geschenke-Orgien – die Jahrgangsfeiern zu Pfingsten in Sindelfingen haben so manchen Wandel miterlebt. Wegen der Coronakrise konnten die Jahrgänge in diesem Jahr erstmals nicht wie geplant am Pfingstsonntag in die Martinskirche einziehen, sondern erst im nächsten Jahr am Pfingstmontag.

Dass die Sindelfinger Tradition, deren Wurzeln bis mindestens 1891 reichen, wie in diesem Jahr komplett pausieren musste, sei so noch nicht vorgekommen, dessen ist sich die Sindelfinger Heimatforscherin Sylvia Weller-Pahl sicher. „Dass das öffentliche Leben dermaßen brach lag, ist in dieser Art nicht einmal in den beiden Weltkriegen geschehen. Ich habe zwar noch keine Belege, aber ich glaube, dass die Tradition der Jahrgangsfeiern auch während der Kriegsjahre nie ganz aufgegeben wurde“, sagt sie.

 

Erst vor wenigen Tagen stößt die Sindelfingerin bei ihren Recherchen im Stadtarchiv dann aber doch auf einen neuen Hinweis in den alten Ausgaben der Sindelfinger Zeitung. „Morgen ist Pfingstfest und 50er Feier. Wenn nicht alle Sänger punkt 9 Uhr in der Kirche sind, kann nicht gesungen werden“, heißt es in der kleinen Anzeige unter der Überschrift „Kirchenchor“ in der Ausgabe vom 14. Mai 1921. „Über diesen Hinweis habe ich mich richtig gefreut. Denn diese Überraschungsfunde sind es, die das Thema Jahrgangsfeiern so spannend machen“, sagt Sylvia Weller-Pahl.

 

 

SZ/BZ als wichtigste Quelle

 

 

Die wichtigste Quelle für ihre Recherchen ist die Sindelfinger Zeitung. Denn dort wurden nicht nur bereits im Jahr 1892 der erste kurzen Berichte über die Jahrgangsfeiern zu Pfingsten abgedruckt, sondern die Jahrgänge nutzten sie vor allem auch, um über kleine Anzeigen die Jahrgangskollegen zum gemeinsamen Kirchgang und anschließender Feier einzuladen. „Die Tradition der Jahrgangsfeiern wurde nahezu ausschließlich über die Sindelfinger Zeitung dokumentiert und dadurch dynamisch gehalten. Ohne die Sindelfinger Zeitung würde es diese Tradition nicht mehr geben“, sagt Sylvia Weller-Pahl.

 

 

Entsprechend dünn sind die Spuren der Jahrgangsfeiern während des Zweiten Weltkriegs, denn ab 1941 wird die Sindelfinger Zeitung von den Nationalsozialisten geschlossen und erscheint erst 1949 wieder ...

 

 

Der gesamte Artikel steht auf www.szbz.de