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29.09.2016

Ins Rampenlicht der „Sinfonie unseres Lebens“

Sindelfingen: Alaa Hesso aus Syrien hat beim Musical der Kulturen einen Solo-Auftritt / Aufführungen am Sonntag und Montag in der Stadthalle

Woher er kam wusste zunächst

keiner, als der Mann mit

der Gitarre eines Tages überraschend

bei den Proben für das

Musical „Sinfonie unseres Lebens“

im Musiksaal der Sindelfinger

Sommerhofenschule auftauchte.

„Er war plötzlich da“,

erzählt Ulrich Weber von der

Bürgerstiftung Sindelfingen.

Musical-Komponist und -Leiter

Adrian Werum bittet den

Mann etwas vorzuspielen.

Dann ist klar: Der wird bei dem

Musical gebraucht, das von der

Bürgerstiftung initiiert von

Flüchtlingen, Mitgliedern von

hiesigen Kulturvereinen, alteingesessenen

Sindelfingern und

dem Orchester der Kulturen –

unterm Strich rund hundert

Aktive – kommenden Sonntag

uraufgeführt wird.

Den Unbekannten mit der

Gitarre kennt bei den Musicalproben

mittlerweile längst jeder.

Alaa Hesso ist in der nordsyrischen,

an der Grenze zur

Türkei liegenden Stadt Qamischlo

geboren und aufgewachsen.

Bevor der Krieg begann

und die Bomben fielen arbeitete

der Kurde in Aleppo als

Musiklehrer. Sor, Tárrega oder

Albéniz, er zählt eine ganze Reihe

von spanischen Komponisten

auf, mit deren Stücken er

an der klassischen Gitarre groß

geworden ist.

Auch wenn klassische Gitarre

ein europäisches Instrument

ist, es sei in Syrien sehr verbreitet,

erklärt Alaa Hesso. Seit

zehn Monaten lebt er in Sindelfingen

mit über hundert anderen

Flüchtlingen in der Eschenried-

Turnhalle. Dort wurden

Betreuer und Ehrenamtliche

des Arbeitskreises Asyl auf die

Fähigkeiten des Mannes mit

der klassischen Gitarre aufmerksam

und lotsten ihn zu der

Musicalprobe (Bild: z).

Im Musical gehört er zu den

knapp zwei Dutzend Akteuren,

die einen Soloauftritt haben. Er

wird ein selbst komponiertes

Lied singen und auf der Gitarre

begleiten, zu dem sein Bruder

Rakan den Text verfasst hat. Es

handelt von dem Leid, das ein

Bombenangriff mit vielen Toten

und 300 Verletzten bringt.

Vor den Bomben ist Alaa Hesso

über die Türkei nach Italien

und die Schweiz geflohen, bevor

er nach Deutschland kam.

Auch wenn das Leben in der

Turnhalle nicht einfach sei, in

Deutschland findet er es viel

besser als in der Schweiz. Denn

bei den Eidgenossen konnte er

nicht Gitarre üben. Sein Instrument

wurde in einem Sicherheitsraum

verwahrt. Dabei

sieht er in seiner Gitarre seine

Zukunft in Deutschland. Alaa

Hesso würde gern an einer Musikschule

Gitarre unterrichten.