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Von Peter Maier · 13.01.2022

Impfquote im Kreis Böblingen ist wohl höher als angenommen

Daten teilweise nicht in die Landesübersicht

Landrat Roland Bernhard: „Wir müssen davon ausgehen, dass die Impfquote neu berechnet werden muss“

Kreis Böblingen. Die Impfquoten, aufgeschlüsselt auf die einzelnen Landkreise, werden vom Sozialministerium regelmäßig veröffentlicht, zuletzt mit Stand vom 9. Januar. Darin stellen sich die Ergebnisse für den Kreis Böblingen jeweils mäßig bis schlecht dar. Landrat Bernhard hatte schon mehrfach betont, dass man davon ausgehe, dass diese Darstellung fehlerhaft sei – es würden nicht alle Zahlen hier einfließen, die relevant wären.


„Wir wissen, dass die Impfungen seitens der Betriebsärzteschaft und der Ärzteschaft im KIS und den TIZen im Landkreis Böblingen zwar über die Meldung direkt an das RKI erfasst werden, aber wir müssen davon ausgehen, dass diese nicht auf die Kreise heruntergebrochen werden“, erklärt Landrat Roland Bernhard. Das würde auch Aktionen der TIZen betreffen, wie beispielsweise die drei Großaktionen an den Adventswochenenden im Glaspalast Sindelfingen.


Allein an Boosterimpfungen wurden im KIS (seit Dezember) und in den TIZen (seit Oktober) rund 69.000 Impfungen verabreicht. In der jüngsten Aufstellung des Landes sind für den Landkreis Böblingen 106.618 Boosterimpfungen aufgeführt, damit ein prozentualer Anteil von 27,1 Prozent und im Landesvergleich der letzte Platz. Davon entfallen (laut Statistik der kassenärztlichen Vereinigung) rund 80.000 auf die niedergelassene Ärzteschaft. Die Differenz kann nicht alle anderweitig verabreichten Impfungen enthalten, weil allein im KIS und in den TIZen schon die genannten rund 69.000 Boosterimpfungen gemacht wurden.


Hintergrund könnte sein, dass das Land in seiner Statistik die Zahlen der kassenärztlichen Vereinigung und die der direkt vom Land oder Landkreisen in den Impfzentren eingesetzten Ärzte zusammenführt. Im KIS, den TIZen, beim Impfmarathon und auch bei weiteren Aktionen in den Gemeinden sind jedoch hauptsächlich pensionierte Ärztinnen und Ärzte und Ärztinnen und Ärzte mit Privatzulassung tätig, diese sind keine niedergelassenen Ärzte der KV und nutzen deshalb eine andere Abrechnung.


„Wir sind aktuell dabei, weitere Zahlen zu erheben und zusammen zu führen und werden Anfang nächster Woche aufschlüsseln, wo der Kreis Böblingen unserer Meinung nach steht“, so Bernhard. Man gehe mindestens vom Landesschnitt oder einer etwas überdurchschnittlichen Platzierung im Landesvergleich aus, was die Quote bei den Erst-, Zweit- bzw. Boosterimpfungen angeht. Auch dann gilt es aber immer noch zu berücksichtigen, dass auch der Landkreis wohl nicht alles zusammentragen kann. Denn dankenswerterweise gab und gibt es viele Ärztinnen und Ärzte, die auch außerhalb der großen Aktionen geimpft haben – aus oben genannten Gründen dann aber ebenfalls nicht erfasst und auch für den Landkreis nicht greifbar sind. Außerdem gehen wir im Landkreis Böblingen mit seinen vielen Arbeitsplätzen davon aus, dass Impfungen bei der Betriebsärzteschaft eine größere Rolle spielen als in anderen Landkreisen.


Landrat Bernhard bedauert die Unschärfe in der Darstellung, die aufgrund verschiedener Meldewege und Datenquellen entsteht. Man habe diese Frage auch dem Land bereits gestellt. „Letztlich zählt aber, dass wir wissen, was wir hier im Kreis mit unserem wirklich sehr guten Impfangebot bewirken“, so der Landrat. „Die Zahlen passen einfach nicht zueinander, weshalb wir davon ausgehen müssen, dass die Impfquote neu berechnet werden muss.“