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Von unserem Mitarbeiter Georg Schramm · 17.04.2018

Immer mehr psychische Belastungen

Kreis Böblingen: 2017 haben sich weniger Menschen als in den Vorjahren krank gemeldet / Atemwegserkrankungen sind die häufigsten Gründe / AOK wertet Krankmeldungen aus

Der Krankenstand im Landkreis Böblingen ist erneut gesunken. Das meldet die AOK Stuttgart-Böblingen, die Krankschreibungen ihrer Versicherten ausgewertet hat. Der Krankenstand betrug im Kreis Böblingen im Jahr 2017 exakt 4,7 Prozent, nach 4,8 Prozent in 2016 und 4,9 Prozent in 2015. Bundesweit liegt die Quote bei 5,3 Prozent.

Die Erkältungswelle zu Beginn des Jahres 2015 forderte ihren Tribut. Deshalb lag der Krankenstand vor drei Jahren etwas höher als 2016 und 2017. Das zeigt die Statistik der AOK Stuttgart-Böblingen über ihre Versicherten in den Betrieben des Landkreises Böblingen. Der Krankenstand gibt an, wie hoch der Anteil der arbeitsunfähig kranken Beschäftigten aller versicherten Arbeitnehmer ist. Bundesweit liegt dieser Wert aller AOK-Versicherten Arbeitnehmer mit 5,3 Prozent um 0,6 Prozentpunkte höher als im Landkreis.

Ebenfalls leicht gesunken sind die Arbeitsunfähigkeitstage je Krankheitsfall. Im Jahr 2017 kamen auf jedes AOK-Mitglied in den Betrieben im Kreis Böblingen 17,3 Arbeitsunfähigkeitstage. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage um 1,4 Prozent. Der Anteil der Mitglieder, die sich einmal oder mehrfach krankmeldeten, betrug 55,2 Prozent. Im Jahr 2016 lag dieser Wert bei 56,1 Prozent.

Wie schon 2015 und 2016 waren auch 2017 Atemwegserkrankungen, jetzt mit einem Anteil von 26,7 Prozent, die häufigste Krankheitsart. Gefolgt von Muskel-Skeletterkrankungen mit 15,0 Prozent, Verdauung mit 7,6 Prozent und Verletzungen mit 6,4 Prozent.

Psychische Erkrankungen machten bei den Beschäftigten in den Betrieben des Landkreises zwar nur 4,9 Prozent aller Fälle von Arbeitsunfähigkeit aus (2016: 4,7 Prozent) – waren aber für fast 12 Prozent (11,8) aller Arbeitsunfähigkeitstage verantwortlich. „Übersetzt heißt das: Wer von einer solchen Erkrankung betroffen ist, fällt meist lange aus. Umso wichtiger ist es, die Menschen und auch die Firmen für das Thema psychische Gesundheit zu sensibilisieren“, so Christian Kratzke, Geschäftsführer der AOK Stuttgart-Böblingen, dessen Kasse für diese lange tabuisierten Krankheiten das Präventionsprogramm „Lebe Balance“ entwickelt hat.

Während der Anteil der Ausfälle wegen psychischen Störungen im Jahr 2015 noch bei etwas über 10 Prozent lag, stieg dieser Wert in den darauf folgenden beiden Kalenderjahren um knapp zwei Prozentpunkte an. Kratzke: „Psychische Belastungen und Störungen nehmen immer mehr zu. Obwohl die Zahl der Frühberentungen insgesamt zurückgeht, hat sich diese Zahl bei Menschen mit psychischen Störungen vom Jahr 2000 bis 2013 mehr als verdoppelt“.

„Die höchste Zahl an Arbeitsunfähigkeitstagen haben Versicherte in Berufen, bei denen die körperliche Arbeit im Vordergrund steht. Die am stärksten betroffenen Berufsgruppen im Kreis Böblingen sind Platz- und Gerätewarte, Mitarbeiter in der Holzver- und -bearbeitung und Mitarbeiter im Straßen- und Asphaltbau“, sagt der AOK-Chef.

Die Zahl der Arbeitsunfälle (ohne Wegeunfälle) ist in der Land- und Forstwirtschaft mit 9,4 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitsfällen am höchsten, gefolgt vom Baugewerbe (5,8 Prozent). Die AOK-Statistik zeigt außerdem, dass Frauen und Männer im Alter zwischen 30 und 34 Jahren mit 3,4 (Frauen) beziehungsweise 3,2 Prozent (Männer) am seltensten arbeitsunfähig sind. Am höchsten ist der Krankenstand bei Frauen und Männern zwischen 60 und 64 Jahren, mit 8,4 (Frauen) beziehungsweise 8,6 Prozent (Männer).