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Sven Gruber · 29.12.2014

Im Schritttempo durch den Schnee

Kreis Böblingen: Verkehrschaos nach der Sperrung des Schönbuchtunnels

Ein vollgesperrter Schönbuchtunnel auf der Autobahn 81 reicht normalerweise allemal, um auf den Straßen in und um Herrenberg für chaotische Zustände zu sorgen. Am gestrigen Montag hat auch der anhaltende Winter seinen Teil dazu beigetragen. Selbst nach der teilweisen Freigabe des Tunnels am frühen Nachmittag ist es nur im Schritttempo vorwärtsgegangen.

In der Herrenberger Innenstadt herrscht am Montagnachmittag gegen 16 Uhr noch immer Ausnahmezustand. Stoßstange reiht sich an Stoßstange. Dabei ist der Schönbuchtunnel nach der überraschenden Vollsperrung am Sonntagmittag seit mehreren Stunden in beiden Fahrtrichtungen immerhin einspurig befahrbar: Richtung Singen staut sich der Verkehr trotzdem noch fünf, Richtung Stuttgart noch zwei Kilometer vor den Tunneleingängen  nach zuvor zweistelligen Werten.

Zumindest das Elektronikproblem im Schönbuchtunnel scheint gut eine Stunde später behoben. Gegen 17 Uhr vermeldet das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart: "Die Tunneltechnik ist repariert und funktioniert wieder. Die Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer ist wieder gegeben." Das habe ein entsprechender Technik-Test am Nachmittag ergeben. Der Verkehr kann wieder auf allen vier Fahrstreifen fließen.

Trotzdem fahnden Techniker im Auftrag des RPs weiterhin nach der Ursache für den Elektronikausfall. "Der Schaden ist behoben. Wir wissen aber noch nicht, woran es gelegen hat. Ob etwa die Elektronik durchgebrannt oder der Strom ausgefallen ist", sagt Nadine Hilber, RP-Pressesprecherin. "Aber klar ist, dass wir den Tunnel nach dem Ausfall aus Sicherheitsgründen sofort sperren mussten", verweist sie auf die strengen Regularien.

Sauer auf die Polizei

Das kann der Ammerbucher Familienvater Torben Würth auch "absolut nachvollziehen". Was ihn aber selbst mit einem Tag Abstand ärgert: "Warum hat uns niemand davon abgehalten, überhaupt auf die Autobahn Richtung Stuttgart zu fahren?", fragt der 40-Jährige erbost. Er ist sauer auf die Polizei. "Auch an der Anschlussstelle Rottenburg stand kein Fahrzeug oder Schild, das uns aufgefordert hätte, abzufahren." Hierzu verweist Polizeisprecher Peter Widenhorn auf die "19 Streifenbesatzungen, die eingesetzt waren, um die Ausleitungen zu gewährleisten, das Verkehrsaufkommen auf der Umleitungsstrecke sowie auf der A 81 zu beobachten."

Würth, der seine schwangere Frau und die drei Kinder mit im Wagen sitzen hatte, fuhr eigenen Angaben zufolge trotzdem gegen 16.20 Uhr "mitten" in den Stau hinein. "Wir haben insgesamt ein Polizeiauto gesehen und für die zehn Kilometer bis zur Abfahrt Herrenberg viereinhalb Stunden benötigt." Der Verkehrsfunk sei eingeschaltet gewesen, sagt Würth. "Er hat immer wieder die Kinderlieder unterbrochen." Die Familie befand sich auf dem Rückweg von Freunden. Was Würth zudem unglücklich findet: "Die warmen Getränke, die ausgeschenkt wurden, gab es an der Abfahrt in Herrenberg, an der der Verkehr längst wieder gerollt ist."

Keine Notausfahrt möglich

"Nachdem die Nachricht über die technische Störung um 13.10 Uhr bei uns eingegangen war, haben wir bereits ab 13.20 Uhr fortlaufend im Verkehrswarnfunk über die Sperrung und die Ausleitung informiert", teilt dazu Sprecher Peter Widenhorn vom Polizeipräsidium Ludwigsburg mit. Eine Behelfs- oder Notausfahrt, an der der Verkehr früher hätte abgeleitet werden können, gebe es zwischen den beiden A 81-Anschlussstellen jedoch nicht. "Das nachgeordnete Straßennetz ist zudem nur begrenzt belastbar. Aufgrund der Menge an Fahrzeugen in beiden Richtungen war eine Umleitung nur über die Bundesstraßen 14 und 28 möglich", fügt er an.

Dass sich Würth an die Regeln hielt und nicht der Versuchung erlag, den Standstreifen zu benutzen, lobt der Polizeisprecher: "Die Familie hat sich richtig verhalten, auch wenn sie eine Verzögerung in Kauf nehmen musste." Wäre ein medizinischer Notfall eingetreten, "hätte man mit entsprechender Vorsicht den Standstreifen befahren dürfen. Aber auch: Rettungsdienst über Notruf verständigen. Einsatzmaßnahmen müssen dann je nach Standort und Einzelfall in die Wege geleitet werden."