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Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden · 29.04.2015

„Ich wollte eine Neuorientierung“

SZ/BZ-Kulturgespräch: Dirigent Toni Scholl über seine alte und neue Rolle als Polizeihauptkommissar und beim nächsten Big-Sounds-Festival

Vor fast einem Dreivierteljahr wurde bekannt, dass Toni Scholl nicht länger Leiter des in Böblingen stationierten Landespolizeiorchesters ist. So lange schwieg er auch gegenüber der Öffentlichkeit, was seine weitere Zukunft angeht.

Toni Scholl, der in Empfingen lebt, spricht erstmals über Hintergründe seines Abschieds und seine neue Tätigkeit.

Sie haben sich lange bedeckt gehalten, was Sie und Ihre mögliche Zukunft beim Landespolizeiorchester betrifft. Warum?

Toni Scholl: „Über Interna wollte und möchte ich mich nicht äußern. Immerhin war ich 21 Jahre beim Landespolizeiorchester, seit 2005 dessen Chefdirigent. Künstlerisch habe ich für mich dort kein Fortkommen mehr gesehen und mich mit dem Wunsch an meine Vorgesetzten gewendet, mir eine Neuorientierung zu ermöglichen.

Immerhin war ich 21 Jahre beim Landespolizeiorchester, seit 2005 dessen Chefdirigent

Nachdem die Neukonzeption des Landespolizeiorchesters, an der ich mitgearbeitet habe, vergangenes Jahr beendet war, habe ich dann für neun Monate vertretungsweise die Leitung des Bundespolizeiorchesters Hannover übernehmen können.“

Ihr Abschied vom Landespolizeiorchester hat also nichts damit zu tun, dass Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs im Umfeld des Orchesters aufkamen?

Toni Scholl: „Überhaupt nicht. Ich habe das Orchester gar nicht mehr geleitet, als sich der fragliche Vorfall ereignete.“

Noch während Ihrer Zeit in Hannover wurde verhandelt wegen einer Stelle, die für Sie an der Musikhochschule Karlsruhe eingerichtet werden soll. Jetzt haben Sie diese Stelle an der Musikhochschule Mannheim. Warum Kurpfalz statt Baden?

Toni Scholl: „Die Umorganisation der Musikhochschulen brachte mit sich, dass diese sich auf bestimmte Themenkomplexe ausrichten. Und Mannheim möchte Dirigierzentrum werden.“

Was ist das für eine Stelle, die für Sie eingerichtet wurde?

Toni Scholl: „Ich unterrichte dort Blasorchesterleitung als akademischer Mitarbeiter. Der Vertrag läuft erst einmal für ein Jahr. Formal bin ich von der Polizei auf die Stelle abgeordnet.

Ich bin also nach wie vor Polizist im Rang eines Polizeihauptkommissars.“

Als Dirigent bleiben Sie der Feuerwehr-Musikkapelle Dagersheim erhalten?

Toni Scholl: „Ja. Anders als zu meiner Zeit beim Bundespolizeiorchester in Hannover bin ich jetzt wieder hier. Und die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr-Musikkapelle und dem Ersten Vorsitzenden Frank Wolf läuft gut.“

Das kommende Big-Sounds-Festival, das Sie gemeinsam mit Peter Lehel erfunden haben, findet nun erstmals ohne die von Ihnen gegründete und geleitete Bläserphilharmonie Baden-Württemberg statt. Warum?

Die Bläserphilharmonie mit rund 60 Musikern rechnet sich von den Kosten her nicht für das Festival

Toni Scholl: „Die Bläserphilharmonie mit rund 60 Musikern rechnet sich von den Kosten her für das Big-Sounds-Festival nicht. Es kann aber durchaus sein, dass wir 2016 wieder dabei sind.“

Sie machen bei Big Sounds in Böblingen gar nichts mehr?

Toni Scholl: „Es ist noch offen, ob ein Ensemble der Bläserphilharmonie nicht wieder ein Kinderkonzert spielt. Außerdem bin ich insofern involviert, als ich gemeinsam mit Frank Wolf das Kreisblasmusikfest ausgeheckt habe, das von der Feuerwehr-Musikkapelle und der Stadtkapelle Böblingen erstmals im Rahmen von Big Sounds ausgerichtet wird.“

Toni Scholl macht weiter als Dirigent der Feuerwehr-Musikkapelle Dagersheim. Bild: z